Was die FPÖ national mit ihrer digitalen Kanalstärke vormacht, lässt eine SPÖ regional nicht ruhen. In der Steiermark versuchen die Sozialdemokraten schon zum zweiten Mal die Online-Wiederbelebung einer Papierparteizeitung. Ohne wirtschaftlichen Beweisdruck könnte es zum Prototyp werden.
Die neue Zeit journalistisch und redaktionell geprägter Medien steht nicht bloß unter einem Unstern, sondern im Schatten des verhängnisvollen Dreigestirns der Digitalisierung, Globalisierung sowie Kolonialisierung von Nachrichten und Meinung. Umso paradoxer mutet es vorerst an, wenn heute jene Neue Zeit als Regionalangebot im Web fröhliche Urständ feiern soll, die vor 25 Jahren als Papierparteizeitung eingestellt wurde.
Doch Max Lercher, der steirische Landeschef und Ex-Bundesgeschäftsführer der SPÖ, versucht es noch einmal. Was 2019 begann, um den nationalen Erfolg des Online-Portals kontrast.at zu regionalisieren, erhält nach halbjähriger Schlummerpause eine weitere Chance. Philipp Wilhelmer, ein renommierter Medien- und Digitaljournalist, verlässt dazu den Kurier. Dieser Umzug von der bürgerlichen Zeitung zum sozialdemokratischen Projekt erinnert daran, dass einst Gerfried Sperl vom steirischen ÖVP-Blatt Südost-Tagespost nach Intermezzo im Kurier zum Standard zog, dessen Chefredakteur er 15 Jahre war.
Förderung der Landesparteien
Das Engagement eines unabhängig Profilierten ist aber nur eine Seite der Medaille. Es ist quasi die Umkehrung des Prinzips eXXpress vom rechten Boulevard-Eck, wo Eva Schütz einst Richard Schmitt engagiert hat – ohne Scheu vor seinem schlechten Image und nicht zu einer Partei deklariert. Noch besser vergleichbar werden diese so gegenteilig wirkenden Unterfangen aber durch ihre Finanzierung: Sie brauchen kein wirkliches Geschäftsmodell.
So wie manche Reiche sich digitale Instrumente zur Meinungsmache leisten, können dies auch Parteien. Denn sie erhalten öffentliche Förderung. Vom Bund und von den Ländern. In der Steiermark waren es zuletzt fast 15 Millionen Euro. Auch nach 15-Prozent-Einsparung bleiben davon 2,5 Millionen für die SPÖ. Ihr gehört die gemeinnützige Spectro GmbH, die wiederum rund 80 Prozent der Leykam Medien AG hält, wo Wilhelmer nun Vorstand ist. Angesichts des rasanten Niedergangs des roten Traditionsunternehmens vor einem Vierteljahrhundert ist heute eine schwarze Null wohl genug unternehmerischer Erfolg.
Wähler gewinnen statt Geld verdienen
Dieser Unterschied zu gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen macht aus dem Fall Neue Zeit mehr als eine regionale Anekdote. Wenn das Portal ausgerechnet daheim beim einzigen FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek trotz der bundesweit erdrückenden blauen Digitalkanal-Überlegenheit funktioniert, wird der Prototyp schnell Nachahmer finden. Die Wahl von Wilhelmer als Macher wirkt als Signal, es mit durchaus qualitätsvollem Journalismus versuchen zu wollen – so wie dies einst auch manche Parteizeitung tat.
Das Problem daran ist, dass die SPÖ damit nichts verdienen muss, sondern nur Wähler gewinnen will. Dadurch entsteht für mediale Konkurrenten eine wettbewerbsverzerrende Zwickmühle: Auf der einen Seite der von Abgaben getragene ORF, auf der anderen Front die durch Parteienförderung genährten Portale, dazwischen die um digitale Abo-Bezahlung ringenden privatwirtschaftlich geführten Medien. Alle drei haben ihre Berechtigung für die demokratische Meinungsbildung. Doch sie brauchen faire finanzielle Rahmenbedingungen, um ihre Aufgaben chancengleich erfüllen zu können.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 32/2026 erschienen.
