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ORF: Pigs Direktorium steht

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Harald Kräuter, Silvia Lieb, Angelika Simma-Wallinger und Michael Krön

©ORF / Thomas Ramstorfer

Clemens Pigs Viererteam für die ORF-Spitze ist mit großer Mehrheit bestellt. Die FPÖ stimmte dagegen und kündigte eine Anfechtung der Wahl an.

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Die vier zentralen vom designierten ORF-Generaldirektor Clemens Pig vorgeschlagenen Direktorinnen und -Direktoren sind am Dienstag vom ORF-Stiftungsrat mit großer Mehrheit bestellt worden. Harald Kräuter (Technik) wurde wiederbestellt.

Michael Krön (Programm und Brands), Silvia Lieb (Finanzen) und Angelika Simma-Wallinger (Audience und Plattformen) finden sich ab 2027 neu im ORF-Direktorium. Die Abstimmung über die neun ORF-Landesstudiospitzen erfolgt später in der Sitzung.

„Großer Vertrauensvorschuss“

Pigs zentrales Direktorenteam versammelte 30 Stimmen von Stiftungsrätinnen und -räten hinter sich. Zwei Räte enthielten sich, zwei – die beiden von der FPÖ entsandten Räte Peter Westenthaler und Christoph Urtz – stimmten gegen das Vierergespann.

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sprach angesichts des Ergebnisses von einem „großen Vertrauensvorschuss“, den sich die Direktorinnen und Direktoren erarbeitet hätten. Sie hätten lange und detailliert Fragen beantwortet. „Ich bin guten Mutes, dass dieses Direktorium den ORF weiterbringen wird“, so Lederer.

Auswahlverfahren mit externen Beratern

Für das Auswahlverfahren hatte Pig externe Berater hinzugezogen, um ein transparentes, objektives, nachvollziehbares und nicht-diskriminierendes Auswahlverfahren sicherzustellen und damit den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. In Summe hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben. Pig zeigte sich vor wenigen Tagen überzeugt, „die besten Köpfe“ für die Funktionen vorgeschlagen zu haben. Das von Pig angepeilte „strikt“ ausgewogene Geschlechterverhältnis wird bei in Summe fünf Frauen und acht Männern verfehlt.

Ein ORF-Neuling und mehrere Kenner

Unter den vier zentralen Direktorinnen und Direktoren hat einzig Lieb bisher keine ORF-Luft geschnuppert. Sie betätigt sich seit vielen Jahren in der Moser Holding („Tiroler Tageszeitung“) – gegenwärtig als CEO. Krön ist dagegen schon seit über 25 Jahren für den ORF tätig. Gegenwärtig verantwortet er als ORF-Chefproducer ein jährliches Programmbudget von mehreren Hundert Millionen Euro. Auch als Executive Producer für den Eurovision Song Contest (ESC) trat er heuer in Erscheinung.

Simma-Wallinger ist der ORF ebenfalls keineswegs fremd. Sie dockte erstmals 1999 beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk an und kehrte nach einer zwischenzeitlichen ORF-Auszeit 2022 als ORF-Vorarlberg-Chefredakteurin zurück. 2027 wechselt sie ins ORF-Zentrum am Küniglberg. Kräuter muss keinen Wohnsitzwechsel vornehmen, ist er doch bereits seit über vier Jahren ORF-Technikdirektor.

Kritik von Peter Westenthaler

Kritisch sah der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler die Lage. Er stieß sich daran, dass Pig ein „konzeptionelles, systematisches Versteckspiel“ betreibe, da er den Stiftungsräten nicht die Bewerbungsunterlagen zur Verfügung stellte. So könne man sich kein gutes Bild von Pigs Entscheidung machen. Auch dass es ein eingeschränktes Fragerecht gegeben haben soll, stieß Westenthaler sauer auf. „Ich frage mich, warum ich überhaupt da bin? Warum packen wir nicht wieder zusammen?“, so der Stiftungsrat vor Sitzungsstart.

Wahl wird wohl angefochten

Lederer hatte bereits im Juli mit Verweis auf eine einstige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts darauf hingewiesen, dass Ausschreibung, Auswahl der bestgeeigneten Kandidatinnen und Kandidaten sowie der Vorschlag zur Bestellung dem Generaldirektor obliege – nicht dem Stiftungsrat. Die Verpflichtung zur gewissenhaften Prüfung aller Bewerbungen könne nicht auf die Stiftungsräte übertragen werden.

Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Christoph Urtz meinte am Dienstag, dass diese Gerichtsentscheidung veraltet sei, weil damals das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) noch nicht anwendbar war. Das Gesetz sehe Transparenz vor. Pig müsse daher Konzepte vorlegen, um den Stiftungsräten eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen. „Der Generaldirektor läuft Gefahr, dass ihm die Bestellung um die Ohren fliegt“, so Urtz. Westenthaler kündigte sogleich an, die Wahl anfechten zu wollen.

Stiftungsratsvorsitzender Lederer sah dem gelassen entgegen. Die Medienbehörde KommAustria werde den Prozess genau prüfen und feststellen, dass alles in Ordnung gewesen sei, meinte er.

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