Markus Gstöttner ist der neue Generalsekretär der ÖVP. Er folgt auf Nico Marchetti und soll die Kampagnenfähigkeit der Volkspartei stärken.
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Der neue Generalsekretär der ÖVP heißt Markus Gstöttner. Der einstige Vertraute von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz folgt Nico Marchetti, der am Dienstag überraschend zurückgetreten war. Bundesparteiobmann Christian Stocker bestätigte die Personalentscheidung am Mittwoch in einer Pressekonferenz.
Gstöttner solle vor allem vor den kommenden Wahlen die Kampagnenfähigkeit der ÖVP stärken. Der neue Generalsekretär wird seine Funktion am 1. August 2026 übernehmen.
Feine Klinge vs. Bihänder
Es sei auch für ihn eine „gewisse Überraschung“ gewesen, berichtete Gstöttner in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stocker. Gefragt worden sei er vom Parteichef „vor nicht allzu langer Zeit“. Auch stilistische Ankündigungen machte Gstöttner bereits. Bezug nehmend auf die Aussage Marchettis, ihm liege die „feine Klinge mehr als der Bihänder“, beschrieb der neue Generalsekretär seine eigenen Präferenzen mit: „Im Inhalt durchaus gerne der Bihänder, aber im Ton sicher die feinere Klinge“.
Stocker hatte zuvor die Erfahrung des neuen Generalsekretärs als Unternehmer, aber auch als politischer Player gelobt. So sei er entscheidend in die Verhandlungen zur Reformpartnerschaft eingebunden gewesen. Dessen umfassende Managementexpertise habe „deutlich gezeigt, dass er der richtige Mann für diese Aufgabe ist“. Gstöttner könne große Projekte umsetzen sowie Verhandlungen führen. Nun gehe es darum, die Kampagnenfähigkeit der ÖVP zu stärken und Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren.
Marchetti soll ÖVP-Bildungssprecher bleiben
Mit Ende Juli wird Marchetti offiziell seine Funktion als Generalsekretär der Partei zurücklegen, er soll Nationalratsabgeordneter und Bildungssprecher der Partei bleiben. Zuletzt war der 36-jährige Wiener, der im Februar 2025 nach dem Wechsel von Alexander Pröll in die Regierung zum Generalsekretär der ÖVP aufgestiegen war, innerparteilich zunehmend unter Druck geraten. Danach übernimmt Gstöttner offiziell das Amt.
Eine durchaus klangvolle Vita
Mit der Wahl Gstöttners beweist Parteichef Christian Stocker, dass er nicht davor zurückscheut, auf Vertraute von Altkanzler Sebastian Kurz zurückzugreifen, auch wenn dessen Verhältnis zu seiner Partei schon mal ungetrübter war.
Gstöttner hat außerhalb der Politik eine durchaus klangvolle Vita aufzubieten. Nach der Matura an einer Wiener Privatschule (Schottengymnasium) studierte er mit Master-Abschluss an der prestigereichen London School of Economics and Political Science. Später arbeitete er u. a. als Associate Partner für das Beratungsunternehmen McKinsey und war für Projekte in Asien, Europa, Afrika und den USA zuständig. Gstöttner erhob für sich den Anspruch, bei der Arbeit auch Sinnstiftendes leisten zu wollen. So stellte er etwa im Libanon ein Pro-bono-Projekt auf die Beine, um syrischen Flüchtlingskindern Bildung zu ermöglichen.
Einstieg in die Politik unter Kurz
Politische Luft begann der Sohn eines Spitzenmediziners unter Sebastian Kurz zu schnuppern. Den beriet Gstöttner, der zunächst mit Kurz-Intimus Bernhard Bonelli befreundet gewesen sein soll, zu Anfang in Wirtschaftsfragen. Später wurde er zum stellvertretenden Kabinettschef des damaligen Kanzlers. Auch unter Alexander Schallenberg und Karl Nehammer blieb er in führender Funktion, bei Nehammer sogar kurz als Kabinettsleiter. Nebenbei engagierte er sich in der Wiener Volkspartei und saß für diese von 2020 bis 2025 im Gemeinderat.
Wiewohl sich Gstöttner in den vergangenen Jahren wieder mehr einer privatwirtschaftlichen Tätigkeit in den Bereichen Biotechnologie und Medien widmete, hatte er fast durchgehend auch ein Bein in der Politik. Das kam daher, dass ihn Kanzler Stocker Anfang des Jahres zu seinem Beauftragten für das Prestigeprojekt Reformpartnerschaft machte. Allzu großes Lob konnte die Regierung für ihre Vorhaben in diesem Bereich nicht lukrieren, was aber wohl mehr der Komplexität der Materie als der Tätigkeit Gstöttners geschuldet war.
Kompetent und emsig
Der neue Generalsekretär kennt die Partei durchaus von innen. Er war sowohl für die Zentrale als auch für den Parlamentsklub tätig. Zudem gilt er als in vielen Themenbereichen kompetent und emsig, wenn auch nicht unbedingt als besonders locker oder leutselig. Ausdauer holt er sich beim Joggen. Ob er die braucht oder es wie bei Marchetti eher zu einem Kurz-Aufenthalt in der Lichtenfelsgasse wird, werden wohl die Umfragewerte der Volkspartei bestimmen.
Steckbrief
Markus Gstöttner
Markus Gstöttner, geboren am 9. August 1986 in Wien, hat am Wiener Schottengymnasium maturiert und an der London School of Economics einen Master of Science absolviert. Nach dem Studium arbeitete er als Research Associate bei The Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab (J-PAL). 2011 wechselte er zu McKinsey & Company in London. Als Associate Partner war er zuständig für Projekte in Afrika, Asien, Europa, dem Nahen Osten und den USA. Gstöttner betätigte sich auch als Start-up-Gründer.
Seine politische Laufbahn startete im September 2017 als politischer Referent in der ÖVP. Im Dezember 2017 wechselte er als wirtschaftlicher Berater in das Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Von Jänner bis Mai 2019 war er der stellvertretende Kabinettschef und wirtschaftliche Berater von Kanzler Kurz. Er hatte die beiden Aufgaben auch während Kurz' zweiter Kanzlerschaft inne und führte sie auch von Oktober bis Dezember 2021 unter Interimskanzler Alexander Schallenberg aus. Mit der Angelobung von Karl Nehammer als Bundeskanzler stieg Gstöttner zum Kabinettschef auf. Im Oktober 2022 folgte dann der Wechsel zurück in die Privatwirtschaft.
Markus Gstöttner war von November 2020 bis Juni 2025 Gemeinderat und Abgeordneter zum Wiener Landtag angelobt. Mit 19. Jänner 2026 übernahm er als Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers Christian Stocker die Leitung der Stabstelle Reformpartnerschaft 2026 im Bundeskanzleramt.
