von
Einer von ihnen, der den Präsidenten regelmäßig trifft, sprach von einer "hohen Wahrscheinlichkeit" einer Eskalation in den kommenden Monaten. Die Angaben stehen im Widerspruch zu Äußerungen von US-Präsident Donald Trump vom Montag, wonach Putin ein Ende des Krieges wolle. Trump hatte in der vergangenen Woche getrennte Telefonate mit Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geführt. Am Mittwoch hatte er sich zudem mit Selenskyj am Rande des NATO-Gipfels getroffen.
Aus ukrainischen Regierungskreisen verlautete, Geheimdienstberichte deuteten darauf hin, dass Putin neue Militäreinsätze oder sogar einen Angriff auf ein anderes europäisches Land vorbereite. Russische Militärexperten diskutieren in der Öffentlichkeit zunehmend über eine Ausweitung des Krieges, einschließlich möglicher Angriffe auf europäische Ziele. Dazu zählten etwa NATO-Stützpunkte in den baltischen Staaten. Der ehemalige Beamte des russischen Verteidigungsministeriums, Andrei Ilnizki, schrieb zudem in einem Zeitungsbeitrag, eine nächste Phase des Konflikts könnte Angriffe auf NATO-Basen im Baltikum und in Rumänien sowie auf EU-Rüstungsbetriebe umfassen, die Drohnen mit großer Reichweite und Raketen für die Ukraine herstellen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies dies am Donnerstag auf Nachfrage nicht zurück. Russland müsse seine Sicherheit stärken, hieß es dazu.
Nach Einschätzung des Militärexperten Jack Watling von der Londoner Denkfabrik Rusi geht es Russland bei solchen Szenarien nicht um einen offenen Krieg mit der NATO. Vielmehr könnten isolierte Angriffe dazu dienen, die Allianz in der Frage der angemessenen Reaktion zu spalten. Zudem könnte eine Konfrontation mit der NATO Putin im Inland als politische Rechtfertigung für eine unpopuläre Mobilmachung dienen.
Auf dem Schlachtfeld im Donbass im Osten der Ukraine kommt die russische Armee unterdessen langsam voran. Putin habe sich jedoch darauf festgelegt, den verbleibenden Teil der Region Donezk einzunehmen, hieß es aus den Kreml-Kreisen. Dies betonte er am Donnerstag auch in einem Telefonat mit Trump. Der Krieg führt auf beiden Seiten zu immensen Verlusten: Dem US-Forschungsinstitut CSIS zufolge wurden seit dem Einmarsch Anfang 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet oder verwundet, oder sie gelten als vermisst. Darunter befinden sich schätzungsweise 1,4 Millionen Russen.
