ABO

Graz-Wahl: Woher die KPÖ-Wähler kommen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr

©Imago / Sepa.Media

Zur Gemeinderatswahl in Graz: Wenn das Angebot passt, zieht es bei Weitem nicht nur enttäuschte SPÖ- und Grünen-Anhänger zu den Kommunisten, sondern zum Beispiel auch Freiheitliche

Graz ist anders: Bei der Gemeinderatswahl am kommenden Sonntag hat die Kommunistische Partei unter Führung von Bürgermeisterin Elke Kahr Chancen, Platz eins zu verteidigen. Umfragen zufolge sind sogar weitere Zugewinne möglich, nachdem sie vor fünf Jahren bereits von 20,3 auf 28,8 Prozent zugelegt hat.

Abhängig vom personellen Angebot

Zuletzt groß gefeiert hat die KPÖ in Salzburg: Mit Kay-Michael Dankl als Spitzenkandidat ist sie bei der Landtagswahl 2023 von kaum mehr als null auf 11,7 und bei der Kommunalwahl in der Stadt Salzburg wenig später von 3,7 auf 23,1 Prozent geklettert.

Die Beispiele lassen tief blicken: Mehr noch als andere Parteien sind Kommunisten abhängig vom personellen Angebot. Die Erfolge sind untrennbar mit Kahr und Dankl* verbunden. Ohne die beiden wären sie in diesem Ausmaß schwer bis unvorstellbar.

Wenig überraschend ist, dass sie vor allem Mitte-Links-Wähler ansprechen, also enttäuschte SPÖ- und Grünen-Anhänger etwa. Wählerstromanalysen, die das Sozialforschungsinstitut „Foresight“ erstellt hat, zeigen aber, dass sie bei der Grazer Gemeinderatswahl 2021 und der Salzburger Landtagswahl 2023 neben Nichtwählern unter anderem auch Freiheitliche überzeugt haben. In Graz sind 2.000, in Salzburg 3.000 zur KPÖ gewechselt.

Blurred image background
 © Waltl & Waltl

Bemerkenswerte Übereinstimmungen

Wie ist das erklärbar? Ergebnisse der Wahltagsbefragung, die „Foresight“ bei der Landtagswahl in Salzburg durchgeführt hat, zeigen bemerkenswerte Übereinstimmungen zwischen FPÖ- und KPÖ-Wählern: Beide bezweifeln besonders stark, dass Politiker Alltagssorgen von Menschen wie ihnen verstehen, geschweige denn kommende Herausforderungen bewältigen können. Außerdem finden sie, dass das Leben immer schwerer leistbar ist.

Der große Unterschied liegt in der Wahrnehmung von Problemen: Für KPÖ-Wähler haben Zuwanderung und Integration einen viel geringeren Stellenwert als für Männer und Frauen, die der FPÖ ihre Stimme geben. Stattdessen steht für sie ein soziales Thema ganz vorne, dem sich Kahr und Dankl seit Jahr und Tag widmen: Wohnen. Das zeigt, dass Unzufriedene nicht nur mit Migrationsfragen zu gewinnen sind, sondern zum Beispiel auch damit.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 26/2026 erschienen.

Kolumnen

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER