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Gerhard Zeiler will Babler herausfordern und SPÖ-Chef werden

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Medienmanager Gerhard Zeiler bei den Österreichischen Medientagen

Gerhard Zeiler bei den Österreichischen Medientagen 2026

©APA, GEORG HOCHMUTH

Der Medienmanager kündigt an, für den SPÖ-Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Der 71-Jährige sieht sich als geeignete Person, um die Partei aus ihrem „historischen Tief“ zu führen.

News auf Google bevorzugen

In der SPÖ steht eine neue Führungsdebatte bevor. Medienmanager Gerhard Zeiler hat in einem Interview mit der Kronen Zeitung angekündigt, als Parteivorsitzender zur Verfügung zu stehen. Parteichef Andreas Babler denkt nach vorliegenden Informationen nicht daran, sein Amt zurückzulegen.

Die Bundespartei verweist auf die geltenden Regeln: „Wenn jemand gegen den aktuellen Vorsitzenden kandidieren will, kann und muss er das im Rahmen der statutarischen Möglichkeiten tun.“ Das „impliziert“ eine Abstimmung unter den Mitgliedern.

Doskozil bleibt bei Nein zu Zeiler

Aus dem Burgenland kommt bisher eine klare Ablehnung. Aus dem Büro von Landesparteichef Hans Peter Doskozil hieß es, man kenne die aktuellen Entwicklungen nur aus den Medien. Es habe bisher keine Versuche zu einer Abstimmung oder Klärung mit der Landespartei gegeben. An Doskozils Position ändere auch Zeilers Ankündigung nichts. Doskozil hatte sich bereits Anfang September gegen Zeiler an der Parteispitze ausgesprochen. Ein Treffen der beiden ist für die kommenden Wochen geplant, hat aber noch nicht stattgefunden.

Andere Landesorganisationen wollten sich vorerst nicht für Zeiler oder Babler positionieren. Am offensten äußerte sich der Vorarlberger Landesvorsitzende Mario Leiter. Demokratie sei ein Wettbewerb der besten Ideen: „Ich bin gespannt, mit welchen Konzepten Gerhard Zeiler unser Land und unsere Partei zurück an die Spitze bringen will.“

Salzburgs SPÖ-Chef Peter Eder forderte ein Ende der Auseinandersetzungen auf Bundesebene: „Diese Diskussionen gehören endlich beendet.“ Der oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende Martin Winkler wollte die Angelegenheit nicht öffentlich kommentieren. Er sei „kein Balkon-Muppet“. Personalfragen würden in den Gremien behandelt. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der als Unterstützer Zeilers gehandelt wird, wollte keinen Kommentar abgeben.

Babler im März wiedergewählt

Babler war erst im März für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt worden. Eine vorzeitige Ablöse ist über eine Direktwahl der Mitglieder möglich, wenn zehn Prozent der SPÖ-Mitglieder diese verlangen. Babler könnte bei einem solchen Mitgliederentscheid erneut antreten.

Zeiler sieht sich selbst als geeigneten Kandidaten für die Parteiführung. „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen.“ Nun sei die Partei am Zug: „Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin. Und jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt?“

Auch Zeilers Umfeld hatte zuletzt auf einen möglichen Wechsel an der Parteispitze hingearbeitet. Der Medienmanager hatte nach Angaben der Kronen Zeitung bereits mehrere SPÖ-Landesorganisationen besucht und Gespräche mit Landesparteichefs geführt.

Vom Parteipressedienst zum Medienmanager

Gerhard Zeiler ist 71 Jahre alt und in Wien-Ottakring als Arbeiterkind aufgewachsen. Er trat früh der Sozialistischen Jugend bei und arbeitete zunächst im Parteipressedienst. In den 1970er-Jahren wechselte er zum damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz. Später war er auch für Bundeskanzler Franz Vranitzky tätig.

Seine Karriere setzte Zeiler im ORF fort. Zunächst war er Generalsekretär, später Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Unter seiner Führung wurde die Orientierung an Publikum und Quoten verstärkt.

Danach wechselte Zeiler zur RTL-Gruppe. Über mehrere Stationen, darunter die Geschäftsführung von RTL2, stieg er zum CEO auf. 2012 wechselte er zu WarnerMedia in die USA. Dort wurde sein Verantwortungsbereich erweitert; zuletzt war er für das internationale Geschäft des Konzerns zuständig.

Politische Rückkehr immer wieder Thema

Trotz seiner internationalen Medienkarriere blieb Zeiler politisch mit der SPÖ verbunden. Als ORF-Generaldirektor wäre er später erneut zur Verfügung gestanden, die SPÖ entschied sich damals jedoch für Alexander Wrabetz.

Nach dem Rücktritt von Werner Faymann wurde Zeiler als möglicher Kandidat für einen Wechsel ins Kanzleramt gehandelt. Die SPÖ entschied sich schließlich für Christian Kern. 2019 veröffentlichte Zeiler das Buch „Leidenschaftlich Rot: Darum mehr Sozialdemokratie“.

In Interviews äußerte er wiederholt Kritik an der politischen Ausrichtung der SPÖ. Im Vorjahr sagte er zur Kleinen Zeitung: „Was fehlt, ist eine Aufbruchserzählung, die den Menschen vermittelt: Das ist unser Ziel, das ist unser Weg dorthin.“

Nun will Zeiler selbst Verantwortung übernehmen. Inhaltlich steht er für einen wirtschaftsfreundlichen und migrationskritischen Kurs. Ein monatelanger Zweikampf mit Babler würde damit auch eine Auseinandersetzung über die künftige politische Ausrichtung der SPÖ bedeuten.

Keine Reaktion der Koalitionspartner

Von ÖVP und NEOS gab es auf APA-Anfrage zunächst keine offizielle Reaktion auf Zeilers Ankündigung. Beide Koalitionspartner wollten die parteiinternen Vorgänge bei der SPÖ nicht kommentieren.

Zeiler lebt mit seiner dritten Frau in Salzburg und hat eine erwachsene Tochter und einen jüngeren Sohn. Sollte er tatsächlich an die Spitze der SPÖ wechseln, müsste er seinen Lebensmittelpunkt entsprechend verlegen.

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