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Gedenken an Mauthausen-Befreiung vor 81 Jahren

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Die Holocaust-Überlebende Hedi Schnabl Argent im Parlament
©APA, Roland Schlager
Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai 1945 hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dienstag der Opfer gedacht, an die danach gezogenen Konsequenzen erinnert und zu deren Bewahrung aufgerufen. Bei einer Gedenkveranstaltung am Vormittag im Parlament, der auch Van der Bellen beiwohnte, mahnte der Zweite Nationalratspräsident Peter Haubner (ÖVP): "Wir dürfen nicht schweigen, wir dürfen keinen Schlussstrich ziehen."

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"Es ist ein Tag des Innehaltens - und ein Tag, an dem wir uns fragen: Wie konnte es zu diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommen? Wie konnte es gewollt, geplant und umgesetzt werden?", so Van der Bellen via Social Media. In Europa habe man nach 1945 Konsequenzen gezogen: "Mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, die in Österreich Verfassungsrang hat, und mit dem Aufbau einer gemeinsamen, friedlichen Ordnung - der Europäischen Union. Es liegt an uns, dieses zu bewahren. Den Weg des Respekts zu gehen. Den Weg, auf dem Grund- und Freiheitsrechte gelten. Den europäischen Weg."

Haubner plädierte in seiner Rede im Parlament auch mit Blick auf antisemitische Vorfälle, die laut Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) im Vorjahr einen neuen Höchststand erreichten, für eine "Haltung, die klar sagt: Wir schauen hin, wir widersprechen, wir stehen auf". "Wir können das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nicht ungeschehen machen, aber wir können entscheiden, mit welcher Haltung wir diesem begegnen."

Erinnerung dürfe nicht stehen bleiben, sondern müsse sich weiterentwickeln und neue Formen finden und eine neue Sprache sprechen, sagte der Zweite Nationalratspräsident. Leider werde man einmal ohne die unmittelbaren Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auskommen müssen, "dann liegt es an uns, nicht nur Fakten weiterzugeben, sondern zu handeln und unsere Haltung sichtbar zu machen." Denn Erinnerung sei "kein starres Ritual", sondern lebe besonders dann, wenn junge Menschen sie zu ihrer eigenen Sache machen würden. Im Fokus der Veranstaltung stand in diesem Jahr der Gedenkdienst.

Die diesjährige Gedenkrede hielt die 1929 geborene Holocaust-Überlebende Hedi Schnabl Argent. Sie erzählte von antisemitischen Anfeindungen und Ausgrenzung in ihrer Kindheit in Wien in den 1930er Jahren: "Es fing mit Worten an, aber bald folgten auch Taten." Sie beschrieb, wie sie aus ihrer Wohnung vertrieben und der Vater in der Nacht immer wieder aus dem Bett geholt und gezwungen wurde, Gehsteige und öffentliche Toiletten zu reinigen.

Aber "ich habe gelernt, dass es selbst in schlimmsten Zeiten Menschen gibt, die Gutes tun", so Argent. So habe etwa ein Mädchen als einzige mit ihr gespielt, obwohl sie dafür selbst von den anderen Kindern ausgegrenzt wurde oder ein Gefängniswärter habe ihren Vater in einem Kohlenkeller versteckt. "Diese Menschen haben geholfen, mich mit meinem Vaterland zu versöhnen", so die heute in London lebende Argent, deren Familie kurz vor Kriegsbeginn nach England flüchtete.

Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) meinte in einer Aussendung der Gedenktag sei "kein symbolischer Akt, sondern ein klarer Auftrag". "Wir dürfen niemals zulassen, dass Hass, Ausgrenzung und rassistische Ideologien wieder Platz greifen", mahnte er. Gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Kräfte versuchten, die Gesellschaft zu spalten, seien Haltung und der gemeinsame Widerstand aller Demokratinnen und Demokraten gefordert. Es sei "unsere gemeinsame Verantwortung, Rassismus und Rechtsextremismus entschlossen zu bekämpfen und die Demokratie zu verteidigen und zu stärken", betonte er, sekundiert von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim.

SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz bezeichnete Angriffe auf Gedenkorte als besonders besorgniserregend. "Wie eine Anfragebeantwortung aus dem Innenministerium zeigt, wurden allein im Jahr 2025 mindestens sieben Schändungen von Gedenkstätten und Mahnmalen für die Opfer des Nationalsozialismus registriert, darunter die KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Gusen sowie mehrere Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum." In sechs von sieben Fällen sei ein rechtsextremer Hintergrund festgestellt worden. "Gedenkstätten sind sichtbare Zeichen unserer historischen Verantwortung. Wer sie schändet, greift nicht nur Orte des Erinnerns an, sondern unsere demokratischen Grundwerte insgesamt", so Schatz.

Die FPÖ empörte sich dagegen über die Aussendung der SPÖ. Der blaue Generalsekretär Christian Hafenecker warf Babler und Seltenheim einen "Missbrauch des Gedenkens" für "billige und primitive Politpropaganda" vor und ortete darin gar eine Verharmlosung der NS-Verbrechen. Die "üble Hassaussendung gegen die FPÖ" sei "ein Schlag ins Gesicht für jeden, der die Erinnerung an dieses dunkelste Kapitel unserer Geschichte ernsthaft hochhalten" wolle, so Hafenecker.

Die Grünen forderten indes anlässlich des nationalen Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus ein umfassendes, bundesweit einheitliches Gedenkstättenkonzept sowie den Ausbau und die finanzielle Absicherung des Gedenkdienstes. Gleichzeitig brauche es "endlich die Umsetzung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus. Nur so wird aus Erinnerung konkrete Verantwortung für die Zukunft", so Rechtsextremismussprecher Lukas Hammer und Volksgruppensprecherin Olga Voglauer in einer gemeinsamen Aussendung.

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