Andreas Babler kämpft erneut um den SPÖ-Vorsitz. Nach dem historischen Wahlergebnis, sinkenden Umfragewerten und internen Querelen wächst der Druck auf den Parteichef.
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Andreas Babler kämpft wieder um den SPÖ-Vorsitz. So schwierig es war ihn zu ergattern, so schwierig ist es nun auch ihn zu behalten. Ein großer Teil der Partei hat dem Vizekanzler den Rücken gekehrt und will mit jemand anderem in die Zukunft gehen. Bablers beste Aktien sind, dass Alternativen rar sind und er – schon in der Sozialistischen Jugend entsprechend gestählt – ein geschickter Machttechniker ist.
Dass Babler in den eigenen Funktionärsreihen so unbeliebt ist, hat mehrere Gründe. Die einen haben die Niederlage Hans Peter Doskozils in der epischen Wahlschlacht um den SPÖ-Vorsitz 2023 bis heute nicht verwunden. Die anderen schauen panisch auf stetig sinkende Umfragewerte und sehen in deren Sog auch die eigenen Felle bei Landtagswahlen davon schwimmen.
Linker Rhetoriker
Vielfach wird auch Bablers Linkskurs als Grund für mangelnde Erfolge genannt. Freilich kann da eher nur die Rhetorik gemeint sein, denn in der Koalition mit ÖVP und NEOS erwies sich der SPÖ-Vorsitzende in erster Linie als Pragmatiker. Dass er dabei auch etliche zentrale linke Inhalte durchboxen konnte wie etwa die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, einen niedrigeren Spritpreis oder die Bankenabgabe, wird ihm in den eigenen Reihen nicht gedankt, solange die jahrzehntelange Kanzlerpartei in Umfragen zwischen 15 und 17 Prozent herumdümpelt.
Die tiefen Gräben, die die Vorsitz-Schlacht aufgerissen hatte, hätte Babler wohl nur mit einem fulminanten Wahltriumph zuschütten können. Doch wurde es vor eineinhalb Jahren das genaue Gegenteil, das historisch schlechteste Ergebnis der SPÖ bei einer Nationalratswahl. Während das Burgenland aus der Ferne gerne kundtat, warum dies und jenes falsch lief, bemühte sich Doskozils frühere Gefolgschaft aus anderen Ländern, die bei der Vergabe der Regierungsposten leer ausgegangen war, emsig, an Bablers Stuhl zu sägen. War es zunächst Altkanzler Christian Kern, den man darauf setzen wollte, ist es nun Medienmanager Gerhard Zeiler. Dessen Stern sank zwar im Rekordtempo, könnte letztlich aber doch der Schuhlöffel für ein Babler-Aus gewesen sein.
Bisher hat Babler gute Nerven bewiesen und strahlt Durchhaltewillen aus. Das muss einen nicht wundern, hat er sich seine heutige Position doch hart erkämpft. Die Vita des SPÖ-Chefs gleicht einer Aufsteiger-Saga. In eine Arbeiterfamilie hineingeboren, wuchs er in finanziell schwierigen Verhältnissen auf, schmiss später die Schule, verdingte sich als Lagerarbeiter sowie als Zeitsoldat, letzteres ein ebenso ungewöhnliches Detail in seiner Vita wie seine Liebe zur Jagd. Nebenbei war Babler politisch aktiv, in der Sozialistischen Jugend brachte er es bis zum Bundessekretär, selbst dort als Vertreter des linken Flügels.
Roter Stern ging in Traiskirchen auf
Eine gewisse überregionale Bekanntheit erlangte er als Sprachrohr des damaligen Traiskirchener Bürgermeisters Fritz Knotzer (SPÖ) immer wieder im Zusammenhang mit dem dortigen Flüchtlingslager. Schließlich übernahm er seine Heimatgemeinde 2014 als Stadtchef und reüssierte als eine Art Bürgermeister zum Angreifen mit erstaunlichen Wahlerfolgen. In die Medien kam er freilich öfter durch Kritik an der jeweiligen Bundesparteiführung. Heute, wo er auf der anderen Seite steht, wird sich Babler vielleicht denken, man hätte die ein oder andere Wortmeldung auslassen können.
Der SPÖ-Chef ist für einen Politiker durchaus authentisch emotional. Das hilft ihm weniger in der Alltagsarbeit als bei Auftritten vor dem Parteivolk. Selbst heute kann er sich noch auf einen gar nicht so kleinen Teil der Basis verlassen, die seinen Weg an die Macht ebnete. Bablers Problem ist, dass er mit seinen mit Pathos angehauchten Ansprachen zwar jene erreicht, die selbst in der Sozialistischen Jugend am Lagerfeuer saßen, nicht aber das Gros der Wählerschaft. Das Image des Marxisten war schnell gezeichnet und pickt bis heute, umso mehr als er sich selbst diesen Titel gab.
Volksnähe als Stärke
Zu seinen Stärken gehört der persönliche Umgang. Wer in Bablers Nähe ist, wird umarmt. Jeder Hund kann sich seiner Streicheleinheit gewiss sein, jedem Kind wird ein High-Five beantwortet. Abgehobenheit ist ihm auch als Vizekanzler fremd geblieben. Die Lederjacke sitzt gefühlt weiter besser als der Anzug. Dass er Fan von Rapid und dem FC St. Pauli ist, ist fast schon klischeehaft. Auch seine Leidenschaft für Flipper wäre an sich ein volksnäheres Hobby, als schwänge er beispielsweise den Golfschläger.
Sollte sich der verheiratete Vater einer Tochter solchen Freuden in näherer Zukunft wieder verstärkt widmen können, wäre das wohl nicht in seinem Sinn. Babler hat Gefallen an der Politik in den höheren Sphären gefunden und ein Absturz aus diesen gehört definitiv nicht zu seiner Lebensplanung.
Steckbrief
Andreas Babler
Andreas Babler ist verheiratet und Vater einer Tochter. Beruflich war er unter anderem als Zeitsoldat und Lagerarbeiter tätig. Neben seiner politischen Laufbahn absolvierte er einen berufsbegleitenden Lehrgang für Politische Kommunikation an der Kremser Uni.
1995 wurde Babler Gemeinderat in Traiskirchen, 1996 übernahm er die Funktion des Bundessekretärs der Sozialistischen Jugend. Von 2014 bis Herbst 2024 war er Bürgermeister von Traiskirchen. Seit April 2023 ist Babler Mitglied des Bundesrats, seit 6. Juni 2023 Vorsitzender der SPÖ. Am 3. März 2025 wurde er Vizekanzler und übernahm die Zuständigkeit für Medien, Kultur, Sport und Wohnbau.
