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Mittelschicht unter Druck

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Johannes Huber

©Matt Observe

In keiner anderen Bevölkerungsgruppe nehmen so wenige eine Verbesserung und so viele eine Verschlechterung ihrer persönlichen Lebenssituation wahr. Das wirkt sich auch politisch aus.

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Zwei aktuelle Erhebungen zum Thema Migration weisen auf Phänomene hin, die weit darüber hinausgehen. Bei der Integrationsbefragung, die im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds durchgeführt worden ist, wurde die Frage gestellt, welche Ereignisse als „erschütternd“ angesehen werden. Noch häufiger als Zuwanderung (65 Prozent) und die Aufnahme von Flüchtlingen (69) wurde dabei unter anderem die Inflation (82) genannt.

Facharbeiter sehen ihre Lebenssituation am kritischsten

Bei der Migrationserhebung der Statistik Austria wurde wiederum untersucht, welche Veränderung der persönlichen Lebenssituation in den vergangenen drei Jahren wahrgenommen worden ist.

Ergebnis: Nach formaler Bildung die schlechteste Entwicklung sehen unter allen hierzulande Geborenen die Absolventen einer Berufsbildenden Mittleren Schule (BMS) oder Lehre, also meist Facharbeiterinnen und Facharbeiter. Sie können der Mittelsicht zugeordnet werden. Bei ihnen orten zwar knapp sechs von zehn keine Veränderung, aber nur 22 Prozent eine Verbesserung und ganze 21 Prozent eine Verschlechterung.

Das sind Extremwerte: Bei Männern und Frauen, die maximal die Pflichtschule besucht haben, berichten ebenso mehr von einer Verbesserung (33 Prozent) und weniger von einer Verschlechterung (17) der persönlichen Lebenssituation wie ungleich stärker noch bei Hochschulabsolventen bzw. Akademikern (44 bzw. 13).

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 © Waltl & Waltl

Die Ergebnisse überraschen nicht: Sie stehen dafür, dass die Mittelschicht infolge von wirtschaftlichen Krisen und Teuerung etwa am meisten von Abstiegsängsten und auch -erfahrungen betroffen ist. Für sie sind vermeintliche Sicherheiten in Bezug auf den eigenen Job, der einen gewissen Wohlstand ermöglicht, eher verloren gegangen und Träume wie jener vom Eigenheim aufgrund massiv erhöhter Bau und Immobilienpreise geplatzt.

Das hat weitreichende Folgen: Er ist eine Erklärung für den Zerfall der politischen Mitte. Zum Leidwesen von ÖVP und SPÖ ist die FPÖ bei Facharbeitern bzw. Lehrabsolventen, die noch immer die relativ größte Bevölkerungsgruppe nach formaler Bildung darstellen, am erfolgreichsten. Zu tun hat das damit, dass sie Unzufriedenheiten gezielt anspricht und eine Sehnsucht nach einer Rückkehr zu besseren Verhältnissen bedient.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 39/2026 erschienen.

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