In Deutschland punktet die AfD bei Weitem nicht nur bei Männern mit einem niedrigen formalen Bildungsstand. In Österreich gelingt der FPÖ Ähnliches. Zu tun hat es mit Corona und vielem mehr.
AfD und FPÖ sprechen ausschließlich Männer mit einem niedrigen formalen Bildungsabschluss an? Das ist mehr denn je Unsinn: Sie punkten zunehmend auch in anderen Wählergruppen.
Laut einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen ist die AfD, die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird und bei der dortigen Landtagswahl 43,8 Prozent erreicht hat, bei dem Urnengang auch bei Frauen sowie bei Akademikerinnen und Akademikern insgesamt auf Platz eins gekommen, und zwar mit 39 bzw. 24 Prozent.
Vergleich mit Österreich
Ähnliches ist in Österreich in Bezug auf die rechtspopulistische FPÖ feststellbar: Bei der Nationalratswahl 2024 hat sie 28,8 Prozent zusammengebracht und damit um gut ein Zehntel mehr als 2017 (26 Prozent). Zwischendurch stürzte sie 2019 ab, aber das ist eine andere Geschichte.
Hier geht es um die Vergleichbarkeit: Ergebnisse von Wahltagsbefragungen des Sozialforschungsinstituts Foresight zeigen, dass die Partei in einigen Gruppen besonders stark zugelegt hat: Bei Frauen hat sie ihren Stimmenanteil um ein Drittel auf 28 Prozent ausgeweitet und bei Hochschulabsolventen auf 15 Prozent verdoppelt.
15 Prozent mögen bescheiden wirken, relevant ist jedoch, dass die FPÖ auch bei Maturanten etwa, die nicht studiert haben, massiv zugelegt hat. Und dass das entscheidend zu ihrem Gesamterfolg beigetragen hat: Wie die AfD in Sachsen-Anhalt ist sie insofern eine neue Volkspartei geworden, als sie in allen Bevölkerungsschichten auf wahrnehmbaren Zuspruch stößt.
Zu tun hat es mit der Vielzahl an Problemlagen, bei denen Kickl eine enge Bindung mit unterschiedlichen Gruppen aufgebaut hat. Dabei geht es nicht nur um Migration. Es geht etwa auch um Corona bzw. die Impfpflicht und Beschränkungen, die viele Menschen nicht vergessen haben und die er daher bis heute als historisches Unrecht darstellt.
Und es geht mehr noch um Abstiegsängste infolge der Teuerung, die weite Teile der Gesellschaft erfasst haben: Allein dass ÖVP und SPÖ damit einhergehend ihre Zukunftsversprechen „sozialer Aufstieg“ oder zumindest „Stabilität“ nicht mehr halten können, nützt Kickl – umso mehr, als er den Eindruck vermittelt, es liege allein an ihnen bzw. an mangelnder Kompetenz und fehlendem Bezug zu Nöten von Bürgerinnen und Bürgern.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 38/2026 erschienen.
