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6 Monate Iran-Krieg: Zwischen Waffenruhe, Wirtschaftskrieg und neuer Eskalation

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Iranisches Propagandaplakat in Iran©Anadolu Agency, Imago

Ein halbes Jahr nach Beginn des Iran-Kriegs sind zentrale Ziele der USA unerreicht. Der Iran ist militärisch geschwächt, die Führung setzt auf Konfrontation. Eine dauerhafte Friedenslösung ist nicht in Sicht.

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Sechs Monate Krieg – und kein Ende

Wenige Wochen sollte der Krieg im Iran nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump dauern. Am 28. Februar begannen die USA gemeinsam mit Israel die Angriffe auf die Islamische Republik. Sechs Monate später ist von einem schnellen Ende wenig zu sehen. Ein im Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen wurde zunächst als diplomatischer Durchbruch gewertet, doch schon wenig später flammte der Konflikt erneut auf.

Aktuell gibt es keine wesentlichen Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Das US-Militär bleibt jedoch in der Region präsent. Die Marine setzt eine Seeblockade iranischer Häfen durch, um Teheran von wichtigen Einnahmequellen abzuschneiden. Gleichzeitig unterstützt sie nach US-Angaben Tanker bei der Passage durch die Straße von Hormus.

Ein dauerhafter Waffenstillstand ist nicht erreicht. Seit einer erneuten Eskalation Mitte Juli gibt es auf diplomatischer Ebene keine erkennbaren Fortschritte. Im Iran haben sich inzwischen Politiker durchgesetzt, die Verhandlungen mit den USA skeptisch gegenüberstehen und das Land auf eine erneute militärische Auseinandersetzung vorbereiten wollen. Die Führung in Teheran will die Straße von Hormus weiterhin als Druckmittel nutzen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind auch außerhalb der Region spürbar. Die angespannte Lage am Ölmarkt verteuert das Tanken in Deutschland und den USA. Für Trump kommt das zu einem politisch ungünstigen Zeitpunkt: Am 3. November finden in den USA die Kongresswahlen statt.

Trumps Kriegsziele bleiben unerreicht

Donald Trump hatte seit Jahresbeginn unterschiedliche Ziele für den Krieg genannt. Dazu gehörten eine bedingungslose Kapitulation des Iran, ein „Regime Change“ und vor allem die Verhinderung iranischer Atomwaffen. Letzteres ist seit Jahrzehnten ein zentraler Streitpunkt und hat insbesondere für Israel hohe Bedeutung.

Einen Durchbruch konnten die USA bei keinem dieser Ziele erreichen. Militärisch ist der Iran geschwächt, sein Raketenprogramm wurde jedoch nicht vollständig zerstört. Die Tötung zahlreicher hochrangiger Generäle und Spitzenpolitiker, darunter am ersten Kriegstag der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei, führte ebenfalls nicht zu dem von Trump in Aussicht gestellten Regimewechsel. Vielmehr stärkte der Krieg die Macht radikaler Kräfte und des einflussreichen Militärapparats im Iran.

Experten führen die festgefahrene Lage am Persischen Golf auch darauf zurück, dass der Trump-Regierung eine klare Strategie fehlt.

Trump setzt inzwischen stärker auf wirtschaftlichen Druck. Seine Regierung hat neue Sanktionen angekündigt und will den Iran mit einem „Wirtschaftskrieg“ in die Knie zwingen. Das Land ist bereits mit weitreichenden Strafmaßnahmen belegt und vom internationalen Finanzsystem weitgehend abgeschnitten. Unter den Folgen des Kriegs und der hohen Inflation leidet vor allem die Bevölkerung.

Die Straße von Hormus als Druckmittel

Für den Iran ist die Straße von Hormus ein wichtiges Instrument. Die Meerenge war vor dem Krieg für den Schiffsverkehr offen, wird von Teheran nun aber als Druckmittel eingesetzt. Irans Führung misstraut den USA und wirft Washington vor, kein Interesse an der Einhaltung des im Juni unterzeichneten Rahmenabkommens zu haben.

Außenamtssprecher Ismail Baghai beschrieb die iranische Haltung am Montag mit einem Vergleich: „Iraner waren früher professionelle Schachspieler, heute sind sie auch gute Pokerspieler“.

Die Gefahr einer erneuten Eskalation ist damit nicht gebannt. Beobachter halten es für möglich, dass die iranischen Streitkräfte wenige Wochen vor den US-Wahlen mit militärischem Druck versuchen könnten, Washington zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen.

Welche Rolle spielen die US-Kongresswahlen?

Am 3. November werden in den USA das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Sitze im Senat neu gewählt. Sollten die Republikaner eine oder beide Kammern verlieren, könnten sie größere Gesetzesvorhaben nicht mehr ohne Weiteres durchbringen.

Für Trump ist der Iran-Krieg deshalb auch innenpolitisch relevant. Vor seiner Amtszeit hatte er versprochen, keine weiteren Kriege zu führen. Dass die USA den Krieg begonnen haben und er nach sechs Monaten nicht beendet ist, bringt den Präsidenten nun mit einer offenen politischen Flanke in den Wahlkampf.

Der Krieg war bei den US-Amerikanern von Beginn an unbeliebt. Eine aktuelle YouGov-Umfrage für die Zeitschrift „Economist“ ergab, dass sich die Bevölkerung ein schnelles Kriegsende wünscht. Gleichzeitig gehen inzwischen 50 Prozent davon aus, dass der Krieg noch ein Jahr oder länger dauern wird.

Der Politologe Garret Martin von der American University in Washington beschreibt Trumps ursprüngliche Erwartung so: „Trump sei „überzeugt gewesen, dass er im Iran wiederholen kann, was in Venezuela gelungen ist, eine schnelle Machtdemonstration“. „Jetzt ist er in einer Lage, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt“.

William Galston von der Denkfabrik Brookings Institution sieht ebenfalls keine klare Exit-Strategie: „Hat er ein Kaninchen im Hut?“, fragt Galston. „Nein, ich glaube, sein Hut ist leer.“

Hohe Kosten für die USA

Der Krieg belastet auch die Vereinigten Staaten wirtschaftlich. Mindestens 18 US-Soldaten wurden getötet, mehr als 750 verletzt. Treibstoff- und Lebenshaltungskosten stiegen, zugleich erreichte die US-Staatsverschuldung mit 40 Billionen Dollar einen neuen Höchststand.

Rund 50 Abgeordnete der oppositionellen Demokraten forderten Trump deshalb in einem Brief auf, den Konflikt zu beenden. Darin heißt es: „Was als zweiwöchige Operation angekündigt war, ist jetzt ein umfassender Krieg, der seit über 150 Tagen andauert, mehr als 37 Milliarden Dollar gekostet und das Leben von 18 Soldaten gefordert hat“.

Die Abgeordneten schreiben weiter: „Die Regierung sollte sich darauf konzentrieren, den Konflikt zu beenden und die sehr realen finanziellen Sorgen der amerikanischen Öffentlichkeit anzugehen.“

Auch Trumps Verhältnis zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu hat sich verändert. Der langjährige Verbündete soll Trump nach Recherchen von US-Medien zu dem Militäreinsatz überredet haben. Inzwischen hat der Konflikt beide Politiker entzweit.

Neue Machtverhältnisse in Teheran

Während die USA nach einem Ausweg suchen, hat sich die politische und militärische Führung im Iran neu formiert. Seit Monaten ist Mojtaba Khamenei formell oberster Führer des Landes. Öffentlich ist er seit der Tötung seines Vaters und Vorgängers Ayatollah Ali Khamenei am ersten Kriegstag nicht aufgetreten. Seinen Einfluss hat er dennoch mit mehreren Personalentscheidungen im Sicherheitsapparat unterstrichen.

Die neuen Besetzungen deuten auf eine längerfristige Ausrichtung des Landes auf die Auseinandersetzung mit den USA hin.

Mohsen Rezaee: Chef des Nationalen Sicherheitsrats

Der frühere Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Mohsen Rezaee, wurde im August von Präsident Masoud Pezeshkian zum neuen Chef des Nationalen Sicherheitsrats ernannt. Der 71-Jährige war von 1981 bis 1997 Kommandant der Revolutionsgarden und hatte danach mehrere hochrangige politische Funktionen inne. Mehrfach kandidierte er erfolglos für das Präsidentenamt.

Rezaee hatte Mojtaba Khamenei zuletzt militärisch beraten. Im Juli erklärte er, die Kontrolle über die Straße von Hormus sei für den Iran „wichtiger als Dutzende Atombomben“.

Hossein Taeb: Chef der Bassij-Milizen

Der ehemalige Geheimdienstchef der Revolutionsgarden, Hossein Taeb, wurde zum Kommandanten der paramilitärischen Bassij-Milizen ernannt. Die Freiwilligentruppe hat landesweit schätzungsweise rund 600.000 Mitglieder und ist für ihr Vorgehen beim Durchsetzen staatlicher Vorschriften bekannt.

Taeb gilt als Vertrauter Mojtaba Khameneis. Seine Ernennung wird als Zeichen dafür gesehen, dass die Führung mögliche neue Massenproteste unterdrücken will. Gleichzeitig verweist sie auf die Sorge der iranischen Führung vor neuen Unruhen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Ahmed Wahidi: neuer Chef der Revolutionsgarden

Ahmed Wahidi, ehemaliger Innen- und Verteidigungsminister, ist der dritte Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden innerhalb von weniger als einem Jahr. Sein Vorgänger Mohammad Pakpur wurde am ersten Kriegstag am 28. Februar getötet. Dessen Vorgänger Hossein Salami war im Juni 2025 bei israelischen Angriffen im Iran ums Leben gekommen.

Wahidi tritt öffentlich kaum in Erscheinung. Seine Position verleiht ihm jedoch erhebliche politische und militärische Macht. Die Revolutionsgarden sind von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Die USA verhängten 2022 Sanktionen gegen Wahidi und erklärten, er sei verantwortlich für „die Begehung schwerer Menschenrechtsverletzungen“.

Ali Abdollahi: neuer Generalstabschef

Am 10. August ernannte Mojtaba Khamenei General Ali Abdollahi zum neuen Generalstabschef. Zuvor koordinierte Abdollahi die Arbeit der Teilstreitkräfte. Nun soll er das Vorgehen der iranischen Armee und der Revolutionsgarden abstimmen.

Im Juni hatte Abdollahi die USA vor weiteren Angriffen gewarnt: „eine härtere Antwort als zuvor erhalten“, und „die Flammen des Krieges werden sich, über die Schaffung von Unsicherheit in der Region hinaus, umfassender und weiter ausbreiten“.

Seine Ernennung zeige, dass Teheran davon ausgehe, „auf absehbare Zeit im Kriegsmodus zu sein“, sagte Jason Brodsky vom US-Thinktank UANI. Die Personalentscheidungen Mojtaba Khameneis belegten eine „risikobereitere, konfrontative Haltung“.

Wirtschaftskrise erhöht Druck auf die iranische Führung

Neben der militärischen Situation verschärft sich die wirtschaftliche Lage. Unklar ist, wie stark der Druck durch neue US-Sanktionen und die bestehende Seeblockade in den kommenden Wochen noch zunimmt.

Der iranische Rial fiel Anfang der Woche auf ein Rekordtief. Bewohner großer Städte berichten seit Monaten von massiven Preissteigerungen. Viele Menschen haben ihren Konsum eingeschränkt und kaufen nur noch das Nötigste. Die Wirtschaftskrise setzt damit auch die Regierung unter Druck, die neue Proteste fürchtet.

Die wirtschaftliche Belastung könnte zugleich die Voraussetzung für neue diplomatische Bemühungen schaffen.

Pakistan versucht zu vermitteln

Eine mögliche diplomatische Verbindung führt über Pakistan. Die Regierung des Nachbarlandes vermittelt zwischen Teheran und Washington. Nach einem Besuch in der iranischen Hauptstadt sprach die pakistanische Delegation am Dienstag von „sehr positiven und produktiven Gesprächen“.

Die Delegation unter Leitung des Armeechefs Asim Munir traf unter anderem den neuen Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaee, Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araqchi.

Damit gibt es zwar einen weiteren diplomatischen Ansatz, eine konkrete Einigung ist jedoch nicht absehbar. Auf eine Waffenruhe im April war im Juni ein Rahmenabkommen gefolgt, das innerhalb von 60 Tagen zu einer dauerhaften Friedensregelung führen sollte. Dieser Prozess kam nicht voran.

Eskalation oder Frieden?

Sechs Monate nach Beginn des Iran-Kriegs stehen damit weiterhin zwei Szenarien gegenüber. Einerseits gibt es derzeit keine wesentlichen Kampfhandlungen und neue Vermittlungsversuche. Andererseits ist kein dauerhafter Waffenstillstand vereinbart, die US-Marine bleibt in der Region und die iranische Führung richtet ihren Sicherheitsapparat auf eine längerfristige Konfrontation aus.

Für Donald Trump ist der Konflikt inzwischen auch innenpolitisch ein Problem. Die von ihm angekündigte schnelle militärische Lösung ist ausgeblieben, die Kriegsziele sind nicht erreicht. Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Belastungen.

Auch für Teheran ist die Situation schwierig. Die militärischen Fähigkeiten des Landes wurden geschwächt, die Wirtschaft steht unter Druck und die Regierung fürchtet neue Proteste. Zugleich gibt es innerhalb der Führung wenig Anzeichen für einen Kurswechsel.

Eine dauerhafte diplomatische oder militärische Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Damit bleibt sechs Monate nach Kriegsbeginn offen, ob der Konflikt in eine politische Vereinbarung mündet – oder in eine neue Eskalationsphase.

Timeline des Iran-Kriegs

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