Kurz war sie offen, dann wurde die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr gesperrt. Es zeigt sich: Die Weltmeere spielen in Konflikten eine immer größere Rolle, denn Seetransporte sind die Basis der Weltwirtschaft – und entsprechend anfällig für Störungen.
Von Öl und Gas über Lebensmittel bis zu Elektronik, von Billigprodukten bis zu hochempfindlichen und teuren Gütern: Schiffe halten die Weltwirtschaft am Leben; auf den Weltmeeren sind ständig Tausende Frachter unterwegs, die das Rückgrat von Globalisierung und Wohlstand bilden – und Seetransporte sind auch für ein Binnenland wie Österreich unverzichtbar. Dabei wird als selbstverständlich angenommen, dass die rund 58.000 Frachtschiffe, vor allem die rund 7.000 Containerschiffe, tagaus, tagein ihren Job erledigen.
Doch der Iran-Krieg zeigte, wie empfindlich Seewege sind und wie leicht sie gestört werden können: Die Blockade der Straße von Hormus macht deutlich, welche weitreichenden Folgen eine Unterbrechung haben kann – in Europa sind es vor allem die Preise an den Tankstellen, die sich bemerkbar machen, anderswo können die Folgen noch weit dramatischer sein.
Drehkreuze der Sicherheit
Moritz Brake ist Experte für maritime Sicherheit: „Das Meer ist für uns Menschen enorm wichtig, als Fundament unserer Wirtschaft, aber auch für den politischen Austausch sowie aus ökologischen Gründen – und es ist ein Ort der Machtprojektion.“ Es gehe nicht nur um Transportwege, sondern um Energieversorgung, um Nahrung, um Kommunikation.
Können beispielsweise Düngemittel nicht transportiert werden, drohen Hungersnöte – wie jetzt im Fall von Indien wegen der Blockade in der Straße von Hormus. Und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz meinte vor Kurzem, dass Häfen die „Schlüsselstellen und Drehkreuze unserer Sicherheit, unserer Souveränität und unserer Wettbewerbsfähigkeit“ seien und das „Gefäßsystem unserer Volkswirtschaft“ darstellen würden. Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit seien nun zwei Seiten derselben Medaille, meinte Merz.
Warnzeichen
Schon die Attacken der Huthi-Rebellen in der Straße von Aden im Jahr 2023 waren ein Warnzeichen, das aber von den meisten Nationen geflissentlich ignoriert wurde. Auch ständige Piratenangriffe, etwa in der Straße von Singapur und vor Somalia, zeigen die Verletzlichkeit dieser Transportwege. Teils geht es da sogar um das Kapern ganzer Schiffe, um Lösegeld zu erpressen.
Dabei sind es keineswegs nur Kriege wie jener im Persischen Golf oder auch Angriffe der immer besser ausgerüsteten Piraten. Auch Cyberattacken werden zunehmend zum Problem. So werden über gefälschte Satellitensignale den Schiffen falsche Positionen vorgegaukelt – mit dem Ziel, das Kollisionsrisiko zu erhöhen oder Schiffe in andere Hoheitsgebiete zu locken, um sie dann legal entern zu können. Solche Cyberattacken wurden unter anderem voriges Jahr in der Ostsee beobachtet, aber auch im Schwarzen Meer.
Auch für Kommunikation unverzichtbar
Für die weltweite Kommunikation sind Weltmeere wegen der Unterseekabel unverzichtbar – die strategische Bedeutung und die Verwundbarkeit wurde durch die Beschädigung an solchen Kabeln in der Ostsee deutlich. So soll ein Tanker, der der russischen Schattenflotte zugeordnet wird, Ende 2024 mehrere Kabel sabotiert haben, indem ein Anker fast hundert Kilometer über den Meeresboden geschleift wurde. Die Reparatur ist aufwendig und kostspielig, während solche Sabotageakte vergleichsweise einfach durchgeführt werden können.
Auch Häfen könnten zunehmend ins Visier kommen, sind sie doch ebenso empfindlich gegen Attacken und Blockaden. Die Folgen betreffen zunächst die Schifffahrt selbst: Die Kosten für Containertransporte steigen, auch wegen der teureren Versicherungsprämien und weil Schiffe gegebenenfalls auf längere, umständliche Routen ausweichen müssen, etwa um das Kap der Guten Hoffnung. In weiterer Folge wirkt sich das auf Preise, Versorgungssicherheit und das Prinzip der Just-in-Time-Lieferung aus, nach dem nach wie vor weite Teile der Wirtschaft funktionieren.
Viel Einsatz, wenig Wirkung
Zurück zum gerade beendeten Iran Krieg: Für diesen Konflikt und die Entwicklungen in der Straße von Hormus sieht Brake keine einfachen Lösungen: „Der Iran ist hoch aggressiv und greift uns direkt an, mithilfe von Russland und China.“ Israel und die USA hätten große Teile ihres Arsenals leer geschossen, doch das Regime ist noch immer an der Macht. „Zahlen wir aber Schutzgeld für freie Passage in der Straße von Hormus, liefern wir uns dem Regime aus – Freikaufen funktioniert also nicht.“
Seine Prognose: „Wenn kein Wunder geschieht, sehe ich eine erneute Eskalation des Kriegs wiederkommen.“ Die Europäer würden zwar keine Alleingänge machen, sollten an der Seite der am stärksten betroffenen Länder wie den Golfstaaten stehen, meint der Seefahrtexperte.
Doch wie kann die maritime Sicherheit insgesamt erhöht werden? Der Ausbau der Marinen, in den vergangenen Jahren von vielen Ländern vernachlässigt, rückt da wieder in den Fokus. Es würde noch Jahre dauern, bis die Marinen handlungsfähig werden, meint Brake. „Dazu kommt, dass wir Schiffe haben, deren Systeme nicht gut gegen die Art der Drohnenangriffe ausgelegt sind, wie der Iran sie ausführt.“ Außerdem fehle es an Personal.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 26/2026 erschienen.






