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Meisterhaft: Alena Mornštajnovás Roman "Zeit der Wespen"

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Neuer Roman von Alena Mornštajnová
Die Menschen nennen ihn den Vogelfreund, jenen unscheinbaren, verschroben wirkenden Mann, der täglich in "seinem" Wald verschwindet, um Vögel zu beobachten. Über ihn wird ebenso geredet wie über die neue Bibliothekarin, die in ein verlassenes, halb verfallenes Haus am Waldrand gezogen ist. Im tschechischen Provinzstädtchen Brod hat man nicht viel Abwechslung. Gesprächsstoff liefern nur seine Bewohner. Das ist der Hintergrund von Alena Mornštajnovás Roman "Zeit der Wespen".

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Mornštajnová (63) hat seit ihrem Debüt 2013 einige Romane und ein Kinderbuch veröffentlicht. 2020 wurde man auch hierzulande auf sie aufmerksam. In ihrem Roman "Hana" verband sie Holocaust und eine Typhusepidemie zu einer ergreifenden Familiengeschichte in einer mährischen Kleinstadt. 2021 folgte, wieder im Wieser Verlag, die deutsche Übersetzung von "Stille Jahre", ein düsteres Schicksalsgewebe, das episodenhaft zum Krimi und zu einer berührenden Vater-Tochter-Geschichte wird. In "Es geschah im November" (deutsch: 2022) fragte sich Mornštajnová, wie es gekommen wäre, wenn 1989 die Freiheitsbewegungen in Osteuropa niedergeschlagen worden wären. Der Roman "Wald im Haus" (2024) verband einen Psychothriller mit Märchenelementen.

Auch "Zeit der Wespen" erweist sich in Anlage, Thematik und Ausführung als typisches Buch der tschechischen Erfolgsautorin. Es kommt sehr leise und unscheinbar daher, lässt aber rasch erahnen, dass es größere Geheimnisse gibt, die hinter banalen Begebenheiten stecken. Und so sind auch die Wespen des Titels keineswegs nur mitunter lästige Boten des Sommers und der Natur, sondern können zu Handlangern des Schicksals, ja zu Mordinstrumenten werden.

Mornštajnová entwickelt ihren Roman entlang zweier Protagonisten, die in einander abwechselnden Kapiteln jeweils im Zentrum stehen. "Der Vogelfreund" Miroslav Dušek lebt noch immer in seinem Elternhaus, arbeitet als Portier in einer Molkerei, hält aber von Menschen am liebsten Abstand. Die an den Ort ihrer Kindheit zurückgekehrte Bücherfreundin Barbora Musilová, genannt Bára, hat in jener Bibliothek, in der sie als Kind ihre Leserinnenkarrire begann, Anstellung gefunden und steckt ihre Energie in das gekaufte alte Haus und die Pflege ihres Gartens. Als die beiden einander am Gartenzaun erstmals gegenüberstehen, ist die Stimmung explosiv: Die Frau fühlt sich vom seltsamen Mann mit dem Fernglas beobachtet und schreit ihn an. Erst allmählich findet sie heraus, dass er völlig harmlos ist.

Wie Alena Mornštajnová in Rückblenden und inneren Monologen zwei Lebensgeschichten voller Verletzungen und bitterer Kompromisse entwickelt ist meisterhaft. Was sie dabei zu erzählen hat, ist allerdings deprimierend. Wie in ihren früheren Büchern beweist sie große Empathie gegenüber ihren Figuren, beschönigt aber nichts. Die Menschen sind eben nicht grundsätzlich gut, und die Spielarten von Neid, Missgunst, Niedertracht, Bösartigkeit oder Gleichgültigkeit sind mannigfaltig.

Doch es gibt Hoffnung. Mornštajnová erzählt auch von Menschen, die nicht immer nur wegschauen wollen, weil sie die verstörenden Vorgänge nebenan "nichts angehen". Sie erzählt von Menschen, die früheres Unrecht gutmachen wollen, auch wenn dies für sie selbst schmerzhaft ist, an alten Dingen zu rühren. Und sie erzählt davon, wie ihre beiden Hauptfiguren langsam und vorsichtig eine Freundschaft entwickeln, bis ihnen klar wird, dass sie durch ihre beiden Familiengeschichten enger miteinander verbunden sind, als sie wahrhaben wollen. Dann ist es freilich wieder Zeit für einen lauten Schrei ...

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Alena Mornštajnová: "Zeit der Wespen", Aus dem Tschechischen von Hana Hadas, Wieser Verlag, 316 Seiten, 24 Euro)

KLAGENFURT - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Wieser Verlag

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