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Orientierung in turbulenter Zeit: Digitalhumanismus-Zentrum für Wien

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Mensch-KI-Beziehung steht im Mittelpunkt von neuer Initiative
Wien erhält mit dem "Center for Digital Humanism Vienna" (CDH) eine neue universitätsübergreifende Forschungseinrichtung. Damit soll "ein Ökosystem geschaffen werden, das die demokratieverträgliche Gestaltung von Technologien ermöglicht", wie CDH-Leiter Peter Kness von der Technischen Universität (TU) Wien bei der Präsentation am Mittwoch erklärte. Im Vollbetrieb sollen 15 bis 20 Personen an Fragen rund um KI und Co. mit menschlicherer Prägung arbeiten.

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Ausgangspunkt des auf zehn Jahre ausgelegten Projekts ist eine Finanzierung der Stadt Wien, des Wissenschafts- und des Infrastrukturministeriums sowie der Gründungspartner - neben der TU Wien, die Universität Wien, die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und die Central European University (CEU). Mit eingeworbenen Fördermitteln und Aufträgen soll man zunächst auf rund eine Million Euro pro Jahr an Forschungsgeldern kommen und dann weiter in Richtung 2,5 bis drei Mio. Euro wachsen, heißt es.

In Zeiten klammer Budgets sei dies ein "starkes Commitment", sich mit den gesellschaftsverändernden Themen rund um menschenzentrierte digitale Technologien auseinanderzusetzen, sagte der Informatiker und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für digitalen Humanismus, Kness. Zukünftig will man auch ein physisches Zentrum etablieren, wo einschlägige Initiativen von der Wissenschaft über die Wirtschaft, der Zivilgesellschaft bis zur Kultur zusammengebracht werden.

Man wolle ein "Zentrum, das weltweit Themen setzen kann", sagte auch die Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Viele Menschen hätten aktuell das Gefühl, den sich rasant entwickelnden Technologien, wie ChatGPT und ähnlichen Systemen oder diverser zunehmend autonom agierender KI-Agenten, ausgesetzt zu fühlen. Wien sei ein guter Ort, um über all das nachzudenken und über die Hauptstadt hinaus Wirkung zu erzeugen. Denn akademische Diskurse müssten "auch etwas verändern", sagte Uni-Wien-Rektor Sebastian Schütze. So werde das Zentrum auch "Zahlen, Daten und Fakten" liefern. Schütze: "Es soll schwer werden, uns nicht zuzuhören."

Ein Ziel sei auch, KI ein Stück weit zu "demokratisieren" und "von den Tech Bros" - also jenem kleinen Klüngel aus Technologie-Milliardären, die in dem Bereich das Sagen haben - wegzubringen. Wien könne hier zu einer "Speerspitze einer Bewegung" werden, meinte TU-Wien-Rektor Jens Schneider. Viel Bedarf daran, diese Themen fachübergreifend zu bearbeiten, sah auch sein Pendant an der WU Wien, Rupert Sausgruber. Für Eva Wittenberg, CEU-Kognitionswissenschafterin, gilt es, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihn nicht nur als Datensatz zu behandeln. Dafür brauche es auch "mehr Wissenschaft" und Brücken zwischen selbiger und der Öffentlichkeit.

Das betonte auch die einflussreiche bangladeschisch-amerikanische Datenwissenschafterin Rumman Chowdhury, die eine der Hauptsprecherinnen bei der am Mittwoch beginnenden Konferenz "Digitaler Humanismus" mit Fokus auf "Orientierung in turbulenten Zeiten" ist. Bis Freitag geht das Treffen an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) über die Bühne.

Chowdhury habe sich etwa bei Twitter für verantwortungsvolle Algorithmen und KI stark gemacht - wohlgemerkt vor der Übernahme, Umbenennung und Kündigungswelle durch "Tech Bro" Elon Musk. Gerade im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Social-Media-Plattformen sehe man auch, dass aktuell ein kleiner Kreis an Männern über viele Aspekte der Zukunft der Welt entscheidet.

Der Technik an sich sei man aber nicht allgemein ausgeliefert. Es seien immer Personen, die entscheiden, welches KI-Modell "gut" ist. Dementsprechend sei es auch nicht überraschend, dass viele Anwendungen kulturell nicht "treffend" sind - sie würden nämlich mehr oder weniger alle von den gleichen Leuten gemacht. Chowdhury: "San Francisco ist nicht Österreich oder Europa." Und Letzteres müsse sich darüber klar werden, "wie es KI-souverän wird" und dabei die nötige Kooperation nicht aus den Augen verliert.

Die Wiener Konferenz und ihre Basis - das "Wiener Manifest" aus dem Jahr 2019 - seien jedenfalls zum Aushängeschild in der Auseinandersetzung mit diesen Themen geworden, gab sich der Konferenzleiter und Obmann des Vereins zur Förderung des digitalen Humanismus, Erich Prem, überzeugt. Man zähle heuer rund 400 Anmeldungen, sowie 120 Expertinnen und Experten als Sprecherinnen und Sprecher aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Bildung oder aus der Verwaltung. Die Message: "Technologie ist kein Schicksal", könne aber zu einem solchen werden, wenn man dem "extremen Bequemlichkeitsversprechen" vieler KI-Anwendungen erliegt und geistig dadurch "etwas dünner" wird, so Prem.

(S E R V I C E - https://dighum.wien )

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