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Der Nino aus Wien klingt auf "Neubau alone" roh wie nie

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Der Nino aus Wien: So solo wie nie zuvor
©APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER
Er gehört zweifellos zu den produktivsten Musikern des Landes: Ein Dutzend Alben hat der Nino aus Wien in gut 15 Jahren veröffentlicht, dazu noch EPs und diverse Kollaborationen etwa mit Ernst Molden. Am Freitag bringt der 39-Jährige, dessen Verschränkung von Neo-Wienerlied mit poetischen Alltagspreziosen und einer Prise Verschrobenheit inzwischen unverwechselbar ist, mit "Neubau alone" Platte Nummer 13 auf den Markt. So pur und ungeschliffen hat man den Nino selten gehört.

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"Alone" ist ein gutes Stichwort für die akustische Prämisse dieser Songsammlung. Denn auf Support seiner Stammband verzichtet Nino Mandl, wie der Künstler im echten Leben heißt, diesmal komplett. Wie etwa "Ocker Mond" aus dem Jahr 2020 ist "Neubau alone" ein Soloalbum klassischen Zuschnitts geworden. Wobei: Nicht nur Reduktion ist hier Programm, sondern das geradezu exzessive Ausreizen von Lo-Fi-Effekten, was den Stücken durchwegs einen kompromisslos rohen und ungeschliffenen Sound verleiht.

Es rauscht und kratzt, Ninos ungewohnt krächzende Stimme klingt manchmal, als käme sie aus den schwachen Lautsprechern eines alten Küchenradios. Der Musiker begleitet sich auf der Gitarre, mal akustisch, mal elektrisch. Dazwischen eine kurze Mundharmonika-Passage hier, ein auf den Gitarrenkorpus geklopfter Rhythmus da. Das alles klingt oft nach alten Magnetbändern, die nicht ganz sachgerecht gelagert worden sind.

Das Imperfekte, Unpolierte verleiht dem Werk einen unglaublich intimen Charakter. Als würde der Nino einem persönlich ein Demotape geschickt haben. Der Künstler selbst vergleicht die Herangehensweise mit Zeichnungen, "ziemlich fein geschmiert". "Zwischen dem Staub meiner Keller entstanden. In der Ästhetik, die ich immer schon lebe. Ich wollte das teilen, als ganzes Bild", schreibt er über das Album.

Inhaltlich breitet der Pionier des Wiener Popwunders einmal mehr seine ganze Bandbreite aus zwischen kleinen Geschichten und großer Lebensphilosophie, changiert dabei wie immer zwischen bildreicher Hochsprache und breiter Mundart. Im Stimmungsaufheller "Ein Tag im Süden" lässt er keinen Zweifel daran, wie wohltuend ein mediterranes Intermezzo für "unser wundes Wiener Herz" ist. Wenn sich "Meer" auf "oh yeah" reimt, ist alles gut. "Lange schon genug" ist ebenfalls von einer gewissen Euphorie getragen: "Es geht mir gut", juchzt der Sänger da: "Ich brauch' es nicht, das ganze Gift, es reicht mir Karfiol", flunkert er - gleichzeitig bekennend, dass ein bissl Trinken und ein bissl Rauchen schon auch drin sein muss. Ein Wien-Lied im Walzertakt ("Wir aus dieser Stadt"), eine spaßige Miniatur über monetäre Außenstände ("Göd"), die eigene Biografie in Liedform ("Zerrissene Figuren") oder ein fast weise daherkommendes Nachdenken über das geglückte Leben ("Danke") sind ebenfalls Teil dieser "Ausstellung", wie der Singer-Songwriter das Dutzend Songs nennt.

Und Wien ist sowieso immer irgendwie drin in den Stücken. Sogar in seiner Version des Evergreens "Unchained Melody", geschrieben in den Fifties von Alex North und Hy Zaret und über die Jahrzehnte Dutzende Male gecovert - u.a. von Elvis oder Roy Orbison. "Whoa, my love, my darling. I've hungered for touch. A long, lonely time" wird beim Nino zu "Oh mein Herz, mein Schatz, ich weiß nicht, ob ich's pack, allein geh' ich ein" und statt "I need your love, I need your love" schwört der Wiener: "Ich will's voll und ich will's ur."

Warum das Album gerade den 7. Wiener Bezirk im Titel trägt, bleibt allerdings Ninos Geheimnis. Entstanden ist das Album laut Liner Notes jedenfalls in Neubau ebenso wie in Simmering, Hirschstetten, Favoriten und "in einem Hotelzimmer". Präsentieren wird der Künstler "Neubau alone" allerdings in Wien-Landstraße: Am Freitag spielt er eine Releaseshow im Theater im Park - und das nicht ganz allein. Einige, noch nicht näher genannte Überraschungsgäste sind angekündigt.

(Von Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - https://www.derninoauswien.at/ )

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