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Die neuen Aufzeichnungen über "Die Zerstörung der Ukraine" (so der Untertitel) reichen vom 3. April 2024 bis zum 2. September 2025, an dem Kurkow notiert: "Es wird zunehmend unmöglich, Zukunftsvorhersagen zu treffen." Doch so sehr sich das Blatt und das Kriegsglück wenden kann, so sicher ist, dass das Leid auf allen Seiten prolongiert wird.
Die englische Ausgabe stand auf der Shortlist des Orwell Prize for Political Writing, Kurkow wurde bei der Verleihung vor einem Monat mit einem Spezialpreis der Orwell Foundation für sein literarisches Gesamtwerk gewürdigt und dabei als "Ukraine's greatest living writer" bezeichnet. Im Buch versammelt sind alltägliche Beobachtungen, Würdigungen des Wirkens des ukrainischen Präsidenten, der sich auch angesichts der Erniedrigungsversuche im Oval Office des Weißen Hauses so furchtlos gezeigt habe wie die ukrainische Bevölkerung, und immer wieder Betonungen der Hochachtung vor jenen, die an der Front stehen.
Im Zentrum steht aber die zunehmende Absurdität eines Kriegs, der nun schon über vier Jahre andauert. "Der Krieg drückt auf die Sommerlaune", notierte Kurkow im Juli vor einem Jahr und stellte fest, dass die Sommerhitze auch potenziell gefährliche Destinationen am Schwarzen Meer wieder attraktiv macht - eine erstaunliche Entwicklung, denn "seit Kriegsausbruch galten die Karpaten als sichereres Urlaubsziel als die Schwarzmeerküste". Kurkow berichtet aber auch von kriegs- und kälteresistenten Bananenstauden, die sich in ihrem Überlebenswillen jenem der Bevölkerung angepasst zu haben scheinen.
Kurkow wird weiterschreiben, auch, wenn der Krieg endlich ein Ende finden sollte. Die Verantwortung wachse nämlich, ist er überzeugt. "Die überlebenden Schriftsteller müssen dann nicht nur für sich selbst, sondern auch im Namen ihrer gefallenen Kollegen Bücher schreiben."
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Andrej Kurkow: "Jahre im Feuer: Die Zerstörung der Ukraine", Aus dem Englischen von Rebecca DeWald, Haymon Verlag, 212 Seiten, Klappenbroschur, 22,90 Euro)
