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Ein Team der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hatte die Untersuchung im Auftrag des ORF als Teil des Public-Value-Berichts durchgeführt. In diesem Rahmen werden alljährlich Studien vom Medienhaus veranlasst, um herauszufinden, ob es seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt. Zu diesem Auftrag gehört auch die Dimension der Vielfalt.
Dafür haben die Forschenden Fokusgruppen und Interviews mit Armutsbetroffenen sowie mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Sozialarbeit und zivilgesellschaftlichen Organisationen wie u. a. Caritas, Volkshilfe oder Diakonie durchgeführt. Der Fokus lag auf der Frage, wie armutsbetroffene Personen im Programm des ORF repräsentiert sowie informiert werden - und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt.
Das Ergebnis: Grundsätzlich berichte der ORF wesentlich sachlicher über Armut als kommerzielle Sender. Zu den Positivbeispielen zählen jene Formate, bei denen Armut nicht monokausal erklärt, sondern in einen breiteren Kontext gesetzt werden, so Schulz-Tomančok. Diese finde man häufig auf Ö1, aber auch "Zeit im Bild"-Formate auf den digitalen Plattformen TikTok und YouTube bieten Kontextualisierungen und erreichen andere Zielgruppen als das lineare Programm.
Demgegenüber würde der kommerzielle Rundfunk das Thema vor allem anlassbezogen aufgreifen, etwa traditionell zu Weihnachten. "Da geht es dann meist um Bedürftigkeit und darum, wie großzügig die Mehrheitsgesellschaft ist, wenn sie 'den Armen' etwas gibt", so der Forscher.
"Gerade im Unterhaltungsbereich findet aber auch im ORF eine sehr klassistische Erzählung über Armut statt", sagte Schulz-Tomančok weiter. Das heißt, dass Armut als individuelles Schicksal dargestellt wird, während strukturelle Ursachen wie etwa steigende Wohnkosten, prekäre Beschäftigung oder ungleiche Bildungschancen nicht thematisiert werden. "Es ist wichtig, eine geteilte Verwundbarkeit zu zeigen, denn Armut kann den Großteil der Bevölkerung treffen", ergänzte der Forscher.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk befinde sich generell in einer Legitimationskrise. Ein Mittel dagegen könnten Redaktionen sein, die so divers aufgebaut sind wie die österreichische Bevölkerung - auch im Hinblick auf Armut, erklärte Schulz-Tomančok. Aber: "Partizipation tut weh - vor allem, wenn man es demokratisch anlegt. Da muss sich schon etwas Grundlegendes am Mindset ändern", sagte er.
Dazu zählt etwa eine bessere Einbindung von Betroffenen in die journalistische Arbeit. Diese werden häufig nicht als Interviewpartner auf Augenhöhe behandelt - anders als etwa Personen aus Wissenschaft und Politik. "Dabei haben sie eine Expertise in ihrer Lebenswelt, die durch die meisten Redaktionen nicht abgedeckt werden kann", so Schulz-Tomančok.
Denn Personen, die im Journalismus arbeiten, kommen tendenziell aus sozioökonomisch besser situierten Haushalten - auch, weil junge Journalistinnen und Journalisten oft jahrelang prekär arbeiten müssen, was sich eben nicht jeder leisten könne. Das habe zur Folge, dass die Vorstellung von Diversität, die im Journalismus angestrebt wird, meist nur eine Vorstellung des gehobenen Mittelstands ist, kritisierte der Forscher.
Zuletzt gebe es bei der Barrierefreiheit Verbesserungspotenzial - etwa in Form von noch mehr Nachrichten in nicht-deutscher Sprache und einer Ausweitung der Informationen in einfacher Sprache.
++ THEMENBILD ++ ZU APA0290 VOM 28.5.2026 - Das Logo des ORF vor dem ORF-Gebäude am Küniglberg, aufgenommen am Donnerstag, 28. Mai 2026 in Wien. Am letzten Tag der Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion ist das Bewerberfeld nun konkret geworden.
