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Zula Tuvshinbat: Weiche Malerei, starker Inhalt

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©Patrick Schuster

In ihrer kontextuellen Malerei eröffnet Zula Tuvshinbat mittels textiler Werkstoffe feministische Perspektiven. Sich stets an der Grenze zur Provokation bewegend, bricht sie mit gesellschaftlichen Tabus.

Atelierbesuch bei Zula Tuvshinbat

© VGN | Osama Rasheed

Tack, tack, tack – feuert die „Tufting“-­Pistole textile Salven in den Bildträger. Innerhalb von Sekunden verankern sich zig farbige Fäden im Leinen und schließen so das letzte Stück des noch freien Bildträgers. „Fertig“, tritt Zula Tuvshinbat hinter dem großen Holzrahmen hervor, auf dem das Leintuch gespannt ist. Zum ersten Mal sieht sie jetzt das expressive Resultat des langwierigen Arbeitsprozesses: „Im Tufting arbeitest du immer spiegelverkehrt von der Bildrückseite – das erfordert ein Umdenken“, erklärt sie. Umso wichtiger sei es, regelmäßig vor den Bildträger zu treten. Vor allem, wenn die finale Komposition wie in Tuvshinbats Fall von Intuition geleitet entsteht. Immer seltener arbeitet sie dabei nach skizzenhaften Vorzeichnungen. Formaler Ausdruck und Farbigkeit ergeben sich zunehmend während der Genese eines Werks. „Deshalb wird so gut wie nach jedem Arbeitsschritt kontrolliert“, so die Künstlerin. „Gefällt der letzte nicht, müssen die Fäden händisch Stück für Stück aus dem Leinen getrennt werden.“

Das rhythmische Tackern der Tufting-Maschine weicht nun dem leisen Surren eines elektrischen Schergeräts. „Damit werden die Fäden auf eine einheitliche Länge getrimmt“, fallen kurze Fadenreste wie buntes Konfetti zu Boden. Das Kürzen schärft das Bild. Auch dem zweiten kritischen Blick hält es stand. „Noch nicht ganz“, greift sie zur Punch Needle. Die passende Wolle im Knäuelhaufen gefunden, zieht sie den Faden durch die Nadel. Faden um Faden vollendet sie nun das Wandobjekt per Hand – „so kann ich die Länge der Fäden selbst bestimmen“. Abschließend fixiert Tuv­shinbat die losen Fäden rückseitig mit einer Schicht Latex.

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Mittels Humor möchte Tuvshinbat mit ihren hybriden Wesen mit Tabus brechen.

 © Beigestellt

Zwischen Avantgarde und Biografie

Auf der Vorderseite zeichnet sich indes eine vornüber gebückte, hybride Figur – ein an­thropomorph-animalisches Wesen – ab. Langes Kunsthaar verdeckt ihr Antlitz, während überproportionierte Geschlechtsmerkmale die fantastische Figur als Frau identifizieren. Nicht selten entsteht Tuvshinbats Kunst aus jenem feministischen Blickwinkel, der kritische Perspektiven auf Sexualität und gesellschaftliche Erwartungshaltungen eröffnet. Dass sie dazu in ihrer kontextuellen Malerei, die ganz ohne Stift und Pinsel auskommt, aber auch für ihre wattierten „Soft Sculptures“ ausgerechnet weiches Textil nutzt, ist gewissermaßen ein Fortführen feministischer Avantgardebewegungen der 70er-Jahre.

Biografischer Natur sind die Wurzeln weit kürzere: Als Tuvshinbat – die in ihrer Heimat, der Mongolei, Germanistik studierte – 2014 nach Wien übersiedelt, absolviert sie zunächst ein Studium der Tourismuswirtschaft, ehe sie die Sehnsucht nach kreativer Entfaltung an die Modeschule in der Herbststraße führt. Der Grundstein für ihr textiles Narrativ war damit gelegt. Ohne abzuschließen, bewirbt sie sich mit ihrer ersten Soft Sculpture – einem lebendigen, dynamisch-fließenden Wesen, das zwischen den Polen der Figuration und Abstrak­tion existiert – in der Skulpturenklasse an der Akademie.

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 © Beigestellt

Aufzeigen mit Augenzwinkern

Dort angenommen, wechselt sie nach einem Jahr in die Klasse für kontextuelle Malerei. „Da ist alles offen und erlaubt – nach genau dieser Freiheit, Ideen zu generieren, habe ich mich gesehnt“, so die Künstlerin. „Mir ging es da­rum, meine erlernten Fertigkeiten mit textilen Werkstoffen weiterzuentwickeln.“ Auf Erasmus in Deutschland erschließt sie sich durch das Tufting eine neue künstlerische Dimen­sion. Dass in ihrer Ästhetik zarte Linien auf farbige Flächen treffen, mag Rudiment ihrer mongolischen Wurzeln sein. Ein subtiler, unterbewusster Einfluss, der in einem blau-roten Wandteppich, der formal an buddhistische Schutzgottheiten erinnert, besonders hervortritt. „Nur eben ein bisschen mehr ‚Hello ­Kitty‘“, lacht sie mit Verweis auf die expressiven Farbnuancen.

Das Augenzwinkern ist ihrer Kunst – einem Spannungsfeld zwischen Intimität und Pro­vokation – immanent: „Immerhin habe ich auch ‚just for fun‘ damit begonnen“, erinnert sie sich an ihre Anfänge. Humor und übertriebene Darstellung sind seither zentrale Vehikel ihrer künstlerischen Praxis. „Sie ziehen Betrachtende an und dienen der Sichtbarmachung gesellschaftlicher Tabus – es ist nicht mein Ziel zu provozieren, sondern aufmerksam zu machen.“

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