Singend: Alfred (Gerhard Kasal), dahinter v.l.n.r.: Prinz Orlofsky (Moritz Mausser), Frank (Jakob Semotan), Dr. Falke (Peter Lesiak), Gabriel von Eisenstein (Raphael von Bargen)
©Lalo JodlbauerDie Festspiele Reichenau eröffnen die Saison mit der bedeutendsten Operette von Johann Strauß in einer destruktiven Bearbeitung von Nils Strunk und Lukas Schrenk.
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Anno 1926 wurde in Reichenau an der Rax zum ersten Mal Theater gespielt. Auf dem Programm: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Das angesagte Duo Nils Strunk und Lukas Schrenk sollten mit ihrer Bearbeitung der bedeutendsten Operette des „Walzerkönigs“ das Jubiläum würdigen. Sie verlegen die Geschichte des Notars Falke, der sich an seinem Freund Eisenstein rächen will, ins Gründungsjahr. Doch diese „Rache einer Fledermaus“ wird hier zur Folter der „Fledermaus“. Denn dieses Duo nimmt dem Werk alles, was es ausmacht.
Die Vernichtung beginnt bei der musikalischen Bearbeitung für eine siebenköpfige Band. Denn Strauß‘ Operette ist das Meisterwerk ihres Genres. Jede Bearbeitung trägt da mehr zur Zerstörung als zur Bereicherung bei. Mit einer Ausnahme zu Beginn, wenn einmal jazzige Passagen in die Strauß’sche Musik übergehen, scheint dies auf einen gangbaren Weg zu weisen. Doch der führt aber nur über diese wenigen Takte. Diese Operette lebt von tollen Stimmen, hier aber werden singende Schauspieler als Sänger eingesetzt. Mit voller Kraft wird distoniert, falsettiert und gebrüllt. Ein Ohrengraus. Bei manchen Theateraufführungen werden am Eingang Ohrenstöpsel verteilt, weil Schüsse auf der Bühne fallen oder auf andere Weise Lärm erzeugt wird, hier hätte man diese dringend gebraucht. Vor allem, wenn Julia Edtmeier als Adele und Eva Meyer als Rosalinde ihre kraftvollen Stimmen wie Waffen einsetzen.
Strauß‘ Melodien werden immer wieder angestimmt, um nach kurzen Sequenzen zerfetzt zu werden. Schlager aus der Zwischenkriegszeit sind zwar immer wieder nett anzuhören, aber da wirken sie verloren.
Über die Dialoge im Original kann man diskutieren, aber sie sind definitiv besser als alles, was hier dahergeredet wird. Vernichtet wird die Glanzszene, wenn Eisenstein als Marquis Renard getarnt beim Fest des Prinzen Orlofsky auf den Gefängnisdirektor Frank trifft. Der gibt sich als Chevalier Chagrin aus. Hier sollten sich die beiden auf Französisch unterhalten, was aber keiner von ihnen spricht. Das gesicherte Pointenfeuerwerk versandet hier im „Merci“. Der nächste Höhepunkt dieser Operette ist das Duett von Eisenstein und Rosalinde im Orlofsky-Akt, bei dem sie in Gestalt einer ungarischen Gräfin ihm die Uhr entwenden will. Der furiose Galopp ist hier gestrichen. Stattdessen luchst sie ihm den Ehering ab. Geht es noch banaler?
In absoluter Grobheit läuft das Tête-à-Tête von Rosalinde mit dem Sänger Alfred ab. Als sie eine seiner Zudringlichkeiten mit einer Ohrfeige abwehrt, um ihre Ehre zu wahren, schlägt er zurück. Da fragt man sich doch, in welchem Stück sind wir da?
Raphael van Bargen zieht als Eisenstein alle Register seiner Darstellungskunst kann aber damit gar nichts retten. Auch Jakob Semotan aus dem Ensemble der Volksoper ist der einzige ausgebildete Sänger, darf aber als Frank seinen Beruf nur sehr bedingt ausüben. Eine Verschwendung wie beim Schauspieler Sebastian Wendelin, der als Frosch Endlosmonologe über seinen Hang zum Sliwowitz führen muss. Eine komplette Verirrung ist die Umdeutung der Partie des Prinzen Orlofsky als Musical-Rolle. Da hilft auch Moritz Maussers Mühen nichts.







