Fürsorge und Pflege sichern die Grundlage menschlichen Zusammenlebens. Die Ausstellung "Care Matters" soll sichtbar machen und Wertschätzung steigern. Ein Abend mit Gabriele Schor – Gründungsdirektorin der Sammlung Verbund.
Während die meisten künstlerischen Sammlung eher breit aufgestellte „Ansammlungen“ sind, gibt es auch jene, die in die Tiefe gehen. Sammlungen, die einer klaren Vision folgen. Einer solchen Vision folgt auch Professorin Gabriele Schor, seit 2004 Gründungsdirektorin der SAMMLUNG VERBUND. Und das tut sie nicht etwa aus irgendeiner pekuniären Absicht heraus, wie es bei Unternehmenssammlungen oftmals der Fall ist. Nein, sie tut es aus tiefster Überzeugung: Sie sucht sich ein weitgehend unbestelltes Feld, setzt dort an und beginnt zu forschen – mit Tiefgang.


v.l. die Künstlerinnen Albana Ejupi, Michela Ghisetti, Billi Thanner, Joanna Gleich und Zula Tuvshinbat vor Kelly O'Briens "Cleaner Nr. 1"
© Eszter BarabasIm Fokus: Feministische Avantgarde
Ihr Fokus fällt dabei auf eine Gruppe an Frauen, die während der 70er Jahre durch ihren provokativ-radikalen künstlerischen Zugang und vor allem ihren Mut auffällt. Auf selbstironische Art spielen sie mit stereotypen Rollenbildern und unterwandern gezielt tradierte Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Mit ihrer Kunst schaffen sie also ein neues „Bild der Frau“ – losgelöst von männlichen Idealvorstellungen. Damit emanzipieren sie sich von deren Objektifizierung und werden zu einem selbstermächtigten Subjekt. Und das zu einer Zeit, in der Feminismus gewissermaßen als Schimpfwort galt. Man bedenke, dass der Mann als Familienoberhaupt erst Mitte dieser Dekade per Rechtsreform verabschiedet wurde.
Jahre später geht Gabriele Schor im Zuge ihrer Forschung den entscheidenden Schritt und erkennt diese internationale Bewegung der 70er Jahre als das, was sie letztlich ist und wofür sie steht: Feministische Avantgarde. Schor ist es, die dem kollektiven Appell der Künstlerinnen einer ganzen Generation nachhaltig Gehör verschafft und gemeinsam mit ihren Team einen wesentlichen Beitrag zur Kunstgeschichte leistet. Viele Schlüsselpositionen dieser Zeit werden erst durch ihr Zutun zu eben solchen – etwa die österreichische Künstlerin Brigitte Jürgenssen, der Gabriele Schor durch eine akribisch aufbereitete Monografie zu posthumer Relevanz verhilft.


Juristin und Sammlerin Sonja Zsolnai-Kasztler und Grabmayr Estate CEO Jakob Grabmayr vor einer Fotoarbeit von Natalia Iguiñiz Boggio
© Eszter Barabas"Care Matters" in der Albertina
Einige dieser Positionen treten im Zuge der aktuellen Ausstellung in der Albertina in Dialog mit zeitgenössischen Kunstschaffenden. „Mit der Ausstellung CARE MATTERS – einem Sichtbarmachen von oftmals unsichtbar und unter prekären Verhältnissen verrichteter Sorgearbeit – will die Sammlung Verbund zur Wertschätzung der mehrheitlich von Frauen verrichteten Care-Arbeit beitragen“, so Gabriele Schor im Rahmen der NEWS Masterclass am 10. Juni. In exklusiver Runde führte die Gründungsdirektorin die geladenen Gäste durch die Ausstellung, ehe der Abend in der SKY Bar über den Dächern Wiens seinen würdigen Ausklang fand.








