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Wenn die Lust plötzlich weg ist

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Monika Wogrolly

©Matt Observe

Yvonne liebte es offenbar, Hannes beim Sex auch oral zu verwöhnen. Ihre grenzenlose Hingabe war für ihn umwerfend. Dass sie von sich aus in der Fellatio aufging, erschien als Zeichen: sie und sonst keine.

Nach der Hochzeit erkennt der vor Glück Überwältigte seine Frau jedoch nicht wieder: Yvonne verweigert nach und nach alles, was die beiden zunächst leidenschaftlich verband. Hannes ist verwirrt und aufgebracht: Wie kann sich ein Mensch so verändern? Was tun, wenn die Partnerin auf einmal lustlos ist?

Und Yvonne? Sie fühlte sich unter Druck gesetzt. Im Einzelgespräch eröffnet sie ihrer Paartherapeutin, nach der Fellatio Fieberblasen zu haben. Sie beklagt einen tagelang brennenden Mund, Halsweh, sogar Ekel, sobald sie die Erwartung von Hannes spüre. „Ich bin keine vorprogrammierte Maschine. Er geht davon aus, dass ich jedes Mal Lust darauf habe und funktioniere.“

Und, ja, sagt sie, das sei anfangs tatsächlich anders gewesen. Sie sei in Hannes’ Begeisterung für Fellatio mitaufgegangen. Nun allerdings nicht mehr. Mittlerweile hat sie Angst, es ihm zu sagen, da er sie „nur so kenne“ – als leidenschaftliche, tabulose Frau. Sie will ihn nicht enttäuschen. Und jetzt? Verborgene Ängste tragen dazu bei, von einer Partnerschaft stillschweigend in die Freundschaftszone zu wechseln.

Angst vor Enttäuschung

Frauen wie Yvonne sprechen die Veränderung erotischer Wünsche oftmals nicht aus, um den Partner nicht zu verlieren. Er merkt es aber doch. Es ist sogar viel schlimmer, unkommentiert mit einem völlig neuen Verhalten beim Sex – oder eben keinem Liebesleben mehr – konfrontiert, als darüber informiert zu werden, was die tatsächlichen Gründe sind.

Angst vor Nähe

Die Folge ist eine unmerkliche, aber umso größere Distanzierung, die von der den Sexentzug initiierenden Person ausgeht. Die andere Person versteht die Welt nicht mehr, empfindet es als Liebes­entzug, als emotionale Erpressung und manchmal auch als Strafe, wenn eine zuvor sexuell aktive Person auf einmal die komplette Kehrtwende nimmt.

Schuldgefühle, Versagensängste und Unverständnis können schleichend das Ende manifestieren. Man distanziert sich schon dann voneinander – noch während man noch offiziell zusammenbleibt –, sobald Zärtlichkeit und Vertrauen verloren gehen und das Liebesleben wie ein vernachlässigter Garten unbetreten bleibt und brachliegt.

Angst vor Verschmelzung

Als Steigerung der Angst vor Nähe gilt die Verschmelzungsangst. Menschen wie Yvonne hatten in der Kindheit häufig nur zwei Extreme erfahren: Verschmelzung war berauschend, aber nicht haltbar. Autonomie war notwendig, aber einsam. Nähe war lebenswichtig, aber bedrohlich. Um sich nicht vereinnahmt zu fühlen, können sich unbewusst Ängste vor großer Nähe, Verschmelzung und zuvor begehrten Sexpraktiken entwickeln. Sogar Ekel.

Abscheu gegen Sex

Aus dieser Verschmelzungsangst ergibt sich häufig eine Angst, sich beim Sex komplett aufgeben, anpassen und verlieren zu müssen.

Fazit: Es ist nie zu spät zum Reden

Aus einer Liebesbeziehung wird eben nicht immer, schon gar nicht nahtlos, eine Freundschaft – auch wenn viele das glauben, sich als „Best Buddys“ empfinden und nach außen noch immer das perfekte Paar geben.

Freundschaft und Beziehung brauchen Werte und Worte. Das Wichtigste: Es ist nie zu spät für Worte. Wenn Ihr Liebesleben noch nicht gestorben ist, dann reden Sie noch heute.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 30+31/2026 erschienen.

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