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4 Arten der Liebe

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Monika Wogrolly

©Matt Observe

Silke mag es, wenn Männer den Ton angeben. Zugleich sucht sie jemanden, der sich nach ihr richtet. Jochen kann es ihr nicht recht machen. Einmal ist er ihr zu weich, dann zu stur. Wie kann er ihr seine Liebe zeigen, ohne sich zu verbiegen?

Ist Silke für den pragmatischen Markt der Dating-Plattformen zu unrealistisch und anspruchsvoll? Machen wir eine Zeitreise in die griechische Antike: Wir treffen Sokrates auf dem Marktplatz, wo nach dem Chaos Ordnung folgt. Sokrates stellt gezielt Fragen, die zunächst Verwirrung stiften, um Begriffe zu klären. Silke würde der griechische Philosoph wohl als Erstes fragen: „Was meinst du damit? Was ist für dich Liebe?“ Schauen wir uns zunächst Silkes, dann andere Liebesdefinitionen an.

Perfektionistische Liebe

Für Menschen wie Silke ist es Liebe, wenn es „perfekt matcht“. In allen Lebensbereichen soll Jochen ihre Bedürfnisse kennen und befriedigen, und das am besten blind, ohne Worte. Zudem muss er ihren optischen Erwartungen genügen und ihre Wünsche erahnen. Was übertrieben klingt, ist nicht die perfekte Liebe, sondern ein Zweckdenken, das den Partner zum Erfüllungsgehilfen – und letztlich zu einem Gebrauchsgegenstand – macht. Nur wer ganzheitlich funktioniert, wird geliebt.

Aufopferungsliebe

Menschen wie Jochen sind es von Kindheit an gewohnt, andere zu unterstützen und sich selbst zurückzunehmen. Häufig agierten die Mütter der Betroffenen unreflektiert und raumfordernd, alles drehte sich um ihre Bedürfnisse statt um die ihrer Kinder. Somit orientierte sich Jochen früh an Befindlichkeiten seiner Mutter, eigentlich nur, um sein Überleben zu sichern.

Man spricht hier auch von Selbstaufgabe und aggressivem Altruismus – oder einem Helfersyndrom. Solche Menschen definieren sich übers Gebrauchtwerden und sind eher ratlos, was ihre eigenen Grenzen betrifft. Silke wirft Jochen immer häufiger vor, ein Weichei zu sein, weil er sich stets nach ihren Wünschen richtet. Auch das Urlaubsziel müsse sie wählen. Und Jochen? Warum handelt er nicht? Er kennt es schlichtweg nicht anders. Mühsam muss von überangepassten Personen wie ihm in einer Psychotherapie ein neues Beziehungsverhalten erlernt werden. Die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen, und sich nicht mehr ständig anzupassen.

Erotische Liebe

Viele machen Liebe an Erotik fest. Solange die sexuelle Anziehung da ist, scheint die Liebe gesichert, Romantik inklusive, weshalb man auch von einer „romantischen Liebe“ sprechen kann. Diese ist allerdings nicht unbegrenzt haltbar, sie soll evolutionsbiologisch zur Bindungsbereitschaft und Fortpflanzung führen.

Wer nichts dafür tut, verliert diese Art der Anziehung irgendwann. Dann verblasst eine Romanze, die nie Liebe war. Es folgen Frust und Offenheit neuen erotischen Reizen gegenüber. Daher kann diese Art von Anziehung kein alleiniger Liebesfaktor sein. Zumindest nicht langfristig.

Bedingungslose Wertschätzung

Liebe, also wahre Liebe, funktionalisiert nicht. Ein Mensch interessiert sich stattdessen wirklich für einen anderen Menschen und nicht nur, solange Schmetterlinge im Bauch sind oder das Gegenüber es sich mit Leistung verdient.

Schon einmal darüber nachgedacht, woran wir Liebe erkennen? Wenn Sokrates fragt, was wir mit Liebe meinen, was würden wir dann sagen? Besser als bildhafte Erwartungen ist immer noch ein Realitätscheck, der gemeinsame Erlebniswerte und Selbstentfaltung möglich macht.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28+29/2026 erschienen.

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