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Fetisch oder Liebe?

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Monika Wogrolly

©Matt Observe

Edda hat genug von Fetischen. „Geht es denn überhaupt um mich, oder bin ich nur Erfüllungsgehilfin?“, fragt sie sich. Sie empfindet in ihrer Partnerschaft auf einmal keine Lust, sondern Ekel.

Edda beklagt sich über Patricks Strumpf- und Stiefelfetisch, den sie anfangs selbst noch heiß fand, aber mittlerweile nur noch nervig. Immer müsse sie beim Sex Strümpfe und Stiefel tragen, damit er überhaupt in Fahrt komme. Edda plagt seit langer Zeit der Verdacht, gar nicht selbst gemeint, sondern nur ein Lustobjekt für ihren Mann zu sein.

„Andere Frauen würden sich freuen, so heiß begehrt zu werden“, kontert Patrick. „Denk an deine Freundinnen. Die wären dankbar, ob mit Stiefeln oder nicht.“ Daraufhin Edda wütend: „Dann such dir eine andere und verschone mich.“ Patrick lenkt ein: „So war das nicht gemeint.“ Edda, an die Paartherapeutin gewandt: „Sehen Sie, es geht ihm nicht um mich.“ Zu Patrick: „Du brauchst nur eine, die dir diese Funktion erfüllt.“

Vorläufiges Fazit: Dafür sei sich Edda nunmehr zu gut, Patrick weiterhin in seinen abartigen Wünschen zu unterstützen. Sie wolle einen Mann, dem es wirklich um sie geht. „Einen, dem ich als Frau genug bin.“

Woran erkennen Sie, ob Sie beim Sex wirklich gemeint oder nur ein austauschbares Sexobjekt sind?

1. Fetisch, aber manchmal

Immer dann ist es sehr wahrscheinlich kein lustvolles Spiel der Liebe, sondern eine, sagen wir einmal vorsichtig: ungesunde Fixierung, wenn es ohne „das Zauberding“, so der Wortsinn des Begriffs Fetisch, gar nicht geht.

Wenn Fetische wie Strümpfe, Stiefel oder andere Beigaben für das Liebesspiel zur Pflicht geworden und unverzichtbar sind, wenn sie bedingungslos vorausgesetzt werden, statt eine mögliche Variation des Liebenslebens darzustellen, sollte man sich in eine Psychotherapie oder Sexualtherapie begeben. Und wenn einer damit allein dasteht, der Partnerin eben diese Bedingungen widerstreben oder sogar ekelhaft erscheinen.

2. Ekel

Lust und Ekel hängen psychologisch zusammen. Manchmal verhält es sich wie bei einem Kipp-Bild: Es kann auf Liebe Hass folgen, auf Lust Ekel, ebenso wie umgekehrt. Bei Edda entsteht der Ekel aus ihrem Verdacht, Patrick als die, die sie wirklich ist, keine Lust zu bereiten. Sie ekelt sich nicht vor ihrem Mann, sondern in einer Art Selbstschutzmechanismus vor dem ihr Selbstwertgefühl beschädigenden quälenden Gedanken: „Ich allein bin ihm zu wenig.“

3. Feindbild

Solange eine sexuelle Neigung optional bleibt, stellt sie keine Bedrohung dar. Bei Patrick wurden seine Vorlieben zum „Must have“. Was als erotisches Vorspiel gemeint ist, wird für seine Partnerin ein rotes Tuch: Stiefel und Fesselspiele triggern Edda so sehr, dass sie sich vor Ekel erbricht, Wutausbrüche hat und Patrick mit Trennung droht, weil er sie ihrem Gefühl nach nicht begehre.

Fazit: Weder Druck noch Zwang

Das Liebesleben kann durch sexuelle Spielarten bereichert werden, wenn man sich einig ist. Fetische sollen kein manifester Bestandteil der Liebe sein – ausgenommen, alle Beteiligten wünschen dasselbe. Alles geschieht dann spontan, nicht verbindlich und freiwillig, ohne Zugzwang oder Leidensdruck.

Ansonsten bleibt es beim hypothetischen Status erweiternder Möglichkeiten beim Sex, um weder Druck noch Zwang zu erzeugen. Oder gar der geliebten Person das Gefühl zu geben, selbst nicht genug zu sein.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 27/2026 erschienen.

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