Und wieder einmal der bekämpfungsbedürftige Blechtrottel. Ein verifizierter „AI Content Checker“ bringt gerade einen deutschen Politiker in Bedrängnis. Ich habe den digitalen Kampfhund mit klassischer Literatur gefüttert und bekam ein skandalöses Angebot.
Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann (1875–1955) war mir noch nie geheuer. Allein diese endlosen Sätze mit den vielen Adjektiven! Kein Wunder, dass ihn der mehr dem leicht fasslichen Gebell verpflichtete Goebbels durch halb Europa bis in die USA komplimentiert hat.
Dass Thomas Mann jetzt auch noch als Betrüger entlarvt ist, erstaunt mich allerdings schon. Hat er doch glatt 60 Prozent seines nicht unbemerkt gebliebenen Romans „Der Zauberberg“ von der KI schreiben lassen! Und das zwölf Jahre vor ihrer Erfindung und achteinhalb Jahrzehnte vor ihrer triumphalen Etablierung. Ein weiteres Beispiel für die vielen Künstlern eigene kriminelle Energie.
Diese als durchaus sensationell zu bezeichnende Eröffnung verdanke ich Pangram, seines Zeichens „AI Detector“ und „Verified AI Content Checker“. Jeden KI-generierten Text könne das Blechgenie dingfest machen, entnehme ich beeindruckt der Werbung.
60 Prozent von Thomas Manns 'Zauberberg' sind KI-generiert. Das verrät mir die KI
Jetzt bereitet es gerade dem deutschen Digitalisierungsminister Wildberger Zores: Hat der CDU-Politiker doch mehrere Bundestagsreden und Gastartikel auf blechernem Weg fertigen lassen. Er dementiert das auch gar nicht, da er das Resultat ja seriös bewertet und überarbeitet habe.
Ich will das in Anbetracht meines völligen Desinteresses an deutscher Digitalisierungspolitik nicht bewerten. Aber der Pangram begann mich doch zu interessieren.
„Zauberberg“, ein Fake
Deshalb habe ich ihm eineinhalb Zufallsseiten aus dem „Zauberberg“ zugemittelt. Und jetzt? Ist mindestens posthum der Nobelpreis beim Teufel.
Denn rasend schnell ließ der Pangram das Thomas-Mann-Konstrukt durch die Blechganglien rauschen. Es dauerte nur Sekunden bis zum niederschmetternden Resultat: „60 % KI-generiert – 40 % von Menschen geschriebener Text“!
Kein Irrtum möglich: „60 % Ihres Textes weisen Anzeichen von KI auf“, holt er in drohendem Verhörton aus, um dann als Good Cop, unter Einsatz des kumpelhaften Du-Worts, das erlösende Angebot nachzuschieben: „Möchtest du diese ,Hans Castorps Jugend und Erziehung‘ humanisieren?“
Wer hätte da nicht „Jetzt humanisieren“ gedrückt? Und was soll ich Ihnen sagen: Weitere Sekunden später erreichte mich die Entwarnung. „Erfolgreich vermenschlicht“ ist der „Zauberberg“ zum guten Ende doch noch! Ein „100 % von Menschen geschriebener Text“!
Sie können sich vorstellen, wie begierig ich auf das Resultat war. „Hol dir 100 % Unikat, 0 % KI – den Originalsinn bewahren – wähle deinen Textstil“! Da kann man nur schwer widerstehen. Leider kam jetzt der Haken namens „4-Wochen-Plan 14,99 € statt 20,00 €“.
Mit anderen Worten: Pangram bietet Ihnen unverblümt gebührenpflichtigen Betrug an, indem er Ihren Text in jenen sprachlosen Schwachsinn verwandelt, den seinerseits jeder Blechtrottel als KI-generiert identifizieren kann. Die eschersche Endlostreppe hat da erfolgreich das Baumaterial gewechselt.
Und ich frage mich, welche Preziosen potenzieller Weltliteratur der deutsche Digitalisierungsminister in seinem Schreibtisch verwahrt hatte, ehe ihn Pangram oder sonst einer seiner Sorte humanisiert hat.
Und der Plagiatsjäger
Der Pangram hat übrigens einen Verwandten für Bedürftige: den österreichischen „Plagiatsjäger Stefan Weber“, dessen Geschäftsmodell es ist, Missliebige teils gebührenpflichtig des akademischen Betrugs zu verdächtigen, und das in aller Öffentlichkeit.
Zuletzt hat er den sich gerade um die ORF-Generaldirektion bewerbenden Tiroler Clemens Pig beschuldigt, sein Konzept an die Künstliche Intelligenz ausgelagert zu haben.
Das hat zwar mangels Belastbarkeit nur den Stiftungsrat Westenthaler alarmiert. Aber mich bringt es auf den mittlerweile Gewählten, den ich für eine umfassend nachvollziehbare Personalie halte. Zumal er als ehemaliger Geschäftsführer der APA quasi ab officio unabhängig ist und keinerlei Verstrickungen mit Parteien und deren oft pülcherhaften Sendern zurückweisen muss.
Babler: RSO und ORF III bleiben
Es wird Sie nicht überraschen, was ich, der Ressort-Autist, als Erstes beim Medienvizekanzler erfragt habe: Stehen jetzt, da das Geld knapp wird, wieder das formidable Radiosymphonieorchester RSO und der Kultursender ORF III zur Disposition? Gleich kam die bablersche Antwort: „ORF III ist nach wie vor ein Teil des gesetzlichen Versorgungsauftrags. Ebenfalls nichts geändert hat sich an der gesetzlichen Vorschreibung, dass der ORF ein Sport-Spartenprogramm sowie das Radiosymphonieorchester betreiben muss, wenn er auf Mittel aus dem Sperrkonto zugreifen will.“ Diese an sich unantastbare Finanzreserve wird jetzt noch dringender gebraucht, wenn der Staat seinem Sender gewaltige Summen entzieht.
Die Antwort klingt nicht übel. Nur Pigs Plan, ORF III als Tochtergesellschaft aufzulösen und dem Hauptsender einzugliedern, gefällt mir nicht: Seine Unabhängigkeit hat es dem Sender zu Corona-Zeiten ermöglicht, das verlöschende Kulturleben mit Hoffnung zu durchfluten. Gegen das nationaltypische Kismet „Geht net“ und „Kamma nix machen“ wurde für Hunderttausende aus der menschenleeren Staatsoper übertragen.
Erfunden und umgesetzt hat das der ORF-III-Gründer Peter Schöber, der gerade unter Einsatz maximaler Niedertracht aus dem Amt kampagnisiert wird.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 25/2026 erschienen.







