Beim Filmfestival von Taormina sprach der „Django“-Star über neue Rollen, seine lange Karriere und seine Skepsis gegenüber Streaming und KI.
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Mehr als 250 Filme und über 60 Jahre Karriere: Der italienische Schauspieler Franco Nero denkt auch mit 84 Jahren nicht ans Aufhören. Der italienische Schauspieler, international bekannt durch Filme wie „Django“, „Der Tag der Eule“ und „Camelot“, hat beim Filmfestival von Taormina über neue Projekte, seine Karriere und seine Sicht auf das Kino gesprochen. Dort wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
„Ich höre erst auf zu spielen, wenn mich die Begeisterung verlässt“, sagte Nero gegenüber der Mailänder Tageszeitung Il Giornale (Dienstagsausgabe). Allerdings falle es ihm inzwischen schwerer, lange Dialoge auswendig zu lernen. Deshalb bevorzuge er Rollen, in denen er sich auch mit wenigen Worten ausdrücken könne. Zuletzt habe er erstmals in seiner Laufbahn einen Horrorfilm gedreht. „Vor drei Jahren habe ich mit Russell Crowe in 'The Pope's Exorcist' gearbeitet. Er war der Protagonist und ich spielte den Papst. Jetzt bin ich selbst der Exorzist“, sagte Nero.
Moderner „Parsifal“ geplant
Auch weitere Projekte sind geplant. In „Torberg“ soll er einen ehemaligen Nationalsozialisten spielen, der im hohen Alter im Rollstuhl in einem Pflegeheim lebt und von einem jungen Mann mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Außerdem ist ein moderner „Parsifal“ geplant, inspiriert von Richard Wagners Oper. Darin soll ein italienischer Spitzenkoch, der in Deutschland Karriere gemacht hat, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs verschwinden und später nach Rom zurückkehren, um für arme Menschen zu kochen.
Seine außergewöhnlich lange Karriere führt Nero auf einen Rat des britischen Schauspielers Laurence Olivier zurück: Er solle nicht immer den Helden oder Hauptdarsteller spielen, sondern möglichst unterschiedliche Rollen übernehmen. „Er hatte recht. Ich habe inzwischen alles gemacht“, sagte der Schauspieler.
Nero erinnert sich auch an entscheidende Momente seiner Karriere. Für das Musical „Camelot“ habe Regisseur Joshua Logan zunächst Zweifel an seinen Englischkenntnissen gehabt. Nero habe daraufhin darauf verwiesen, dass er Shakespeare auf Englisch spielen könne. Schließlich habe er dem Regisseur eine halbe Stunde lang Monologe vorgetragen – und die Rolle bekommen.
Anfänge eng mit dem Spaghetti-Western verbunden
Seine Anfänge sind eng mit dem Spaghetti-Western-Genre verbunden. Mit „Django“ wurde Nero international bekannt. Zugleich habe er sich bewusst nicht auf dieses Genre festlegen wollen und unter anderem mit Regisseuren wie Luis Buñuel, Rainer Werner Fassbinder und Claude Chabrol gearbeitet. Mehrere Rollen, die ihm angeboten wurden, lehnte er ab. So verzichtete er auf „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, den Film, der später Terence Hill zum Star machte. Auch eine Rolle in der Fernsehserie „Allein gegen die Mafia“ („La piovra“) schlug Nero aus.
Den aktuellen Entwicklungen im Kino steht der Schauspieler skeptisch gegenüber. Streamingplattformen und den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz im Filmgeschäft sehe er kritisch. „Ich mag das echte Kino“, sagte Nero. Auch privat halte er sich von Computern weitgehend fern. „Ich habe in meinem Leben noch nie einen Finger auf einen Computer gelegt. Um mich zu orientieren, benutze ich noch immer eine Landkarte.“
