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„Ariadne auf Naxos“ in Salzburg: Richard Strauss und die Marsmusik

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©SF/Thomas Aurin

„Ariadne auf Naxos“ als zweite, musikalisch beachtliche Opernpremiere der Salzburger Festspiele. Wiens künftiger „Ring“-Regisseur Ersan Mondtag inszeniert interessant und auf hohem Risiko, das nicht immer aufgeht.

Man hat in diesem Festspieljahr fraglos schon Besseres gesehen. Aber andererseits sind „Carmen“, „Faust“ und die Handke-Uraufführung „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ derart außergewöhnlich gelungen, dass „Ariadne auf Naxos“ im Angebot nun einen soliden, mehr als nur respektablen Platz einnimmt. Das ist nicht nichts.

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Dabei musste die Aufführung ohne ihr programmiertes Atout stattfinden: Elina Garanca wollte mit der Titelpartie den großen Mezzos Christa Ludwig und Waltraud Meier ins dramatische Sopranfach folgen und hat sich von dem Wagnis klug zurückgezogen. Aber hier zeigt sich das Glück des Tüchtigen: Die junge Schwedin Christina Nilsson hat mit Glanz übernommen. Die wunderschöne, mit Jugendstilsilber lasierte Stimme erinnert in der Farbe ein wenig an Gundula Janowitz, die Höhe leuchtet, der Ausdruck überzeugt. Insgesamt ist im Gesanglichen nichts zu bemängeln. Eric Cutler ist ein robuster Bacchus, Ziyi Dai eine tüchtige Zerbinetta, Christoph Pohls Musiklehrer gefällt ebenso wie das umfangreiche Hilfspersonal mythologischer, komödiantischer bzw. neureicher Beschaffenheit. Der Coup des Ganzen ist Kate Lindseys Komponist, feinst gearbeitet im Musikalischen und die differenzierteste, interessanteste Gestalt in Ersan Mondtags Inszenierung.

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Die gelingt jedenfalls besser, als die durchdringenden Publikumsproteste nahelegen. Das Prinzip des selbst ausstattenden Regisseurs ist mittlerweile geläufig: In monumentalen, aber ästhetisch ausgefeilten Bühnentableaus bestimmt jeweils eine robuste, prinzipiell auch für schlichtere Gemüter nachvollziehbare Grundidee das Geschehen.

In den Wiener „Perlenfischern“ waren es die ausgebeuteten Textilarbeiter der dritten Welt, die den Grundkonflikt des Werks genau wiedergeben. Strauss’ und Hofmannsthals „Ariadne“ spielt im Haus des reichsten Mannes von Wien. Der lässt sich im Vollbesitz seines ignorant parvenuhaften Allmachtswahns für eine Abendunterhaltung eine Oper schreiben, die dem jungen, verzweifelten Komponisten dann grausam entstellt wird. Die Konstellation passt auf Vieles, ließe sich sogar mit Gewinn in den Salzburger Chiemseehof verlegen. Mondtags Parvenu ist nun nicht mehr der reichste Mann von Wien, sondern der Welt, ohne dass Elon Musk explizit karikiert würde. Da die Erde mittlerweile unbewohnbar ist, hat er sich mit seiner Blase auf den Mars evakuiert und lässt dort aus Langeweile einen monumentalen Superhelden-Comic hochziehen. Auch das hat seine Folgerichtigkeit, speist sich doch dieses Genre wesentlich aus der griechischen Mythologie.

Das Problem ist, dass Mondtag die Szene mit tänzerischem Personal überfrachtet, in Details hyperoriginell sein will und dabei dem Ganzen schadet. Seine Zerbinetta ist keine erotisch virtuose Kindfrau, sondern wird in einer Art Wursthaut demonstrativ entsexualisiert, während die Entourage pornogafisch-pantomimisch zur Sache geht. Das hat im Lichte der weiteren Ereignisse schon seinen Sinn, zerstört aber entschieden die zentrale Bravourarie.

Die Philharmoniker in ihrer Kernkompetenz wiederzuhören, bereitet Freude.

Der junge Komponist ist sinnvollerweise vom Vorspiel auch in die Haupthandlung einbezogen. Kate Lindsey wandelt sich dabei von einem karikaturhaft desorientierten Intersex-Autisten in eine hoch erotische Frauengestalt. Während das stilisierte Heldenpaar Ariadne und Bacchus am Ende in seinem Raumschiff verglüht, finden wohl Zerbinetta und der Komponist als Überlebende zu jener weiblichen Solidarität und Intimität, die sich im Vorspiel schon andeutet.

Die Philharmoniker in ihrer Kernkompetenz wiederzuhören, bereitet Freude. Manfred Honeck, kein erprobter Operndirigent, setzt auf gleißende, kammermusikalische Intimität. Wunderschön setzen das die Streicher, auch die Holzbläser um. Wenn es nach Bacchus’ Auftritt pompös-ironisch zur Sache geht, wäre allerdings etwas Spannung angesagt gewesen.

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