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Was Frauen wünschen und Männer glauben leisten zu müssen

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Monika Wogrolly

©Matt Observe

Im Bett trachtet Hannes danach, Elviras spezielle Wünsche zu erfüllen, wenngleich er solche aus früheren Beziehungen nicht kennt – und gut darauf verzichten könnte. Warum macht er dann alles, was sie von ihm will?

Verlustängstliche Männer wie Hannes wollen es ihren Frauen nicht nur beim Sex recht machen. Die Motive dafür sind vielfältig. Und, nein, Männer wie Hannes sind nicht bloß willenlose Erfüllungsgehilfen weiblicher Lust. Im Gegenteil, ihr Verhalten hat nur ein Ziel: Die Beziehung zu erhalten, keinen Trennungsgrund zu liefern, um nicht irgendwann an einer Trennung schuld zu sein.

Bindungskitt

Viele Männer suchen eine Sexualtherapie auf, um zu erraten, was Frauen wünschen und wie sie sich damit absichern können. Ich sage dann immer: „Bitte einfach echt sein. Locker bleiben.“ Und gerade das macht Männern Angst.

Selbstweltpolitur

Männer sind sozialisationsbedingt auf Leistung getrimmt. Somit wird auch Sexualität eher als Höchstleistungsthema denn als Eintauchen in eine transzendente Empfindungsgalaxie bewertet. Ein Mann muss im Bett abliefern, um sich selbst akzeptieren zu können und den mutmaßlichen gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.

Selbstaufgabe

Nicht selten gibt es den Fall männlicher Überanpassung. Das kommt häufig schon einer verdeckten Selbstaufgabe nahe. Dann wird der sexuelle Akt zum Bindungsmanöver: Solange Mann abliefern und Frau zufriedenstellen kann, ist die Welt in Ordnung. Diese Anpassungsleistung führt zu andauerndem Leistungsdruck und zur Aufgabe eigener Wünsche und Sehnsüchte, um verborgene Verlustängste zu kompensieren.

Hier gilt es, nach der Entstehungsgeschichte von Ängsten zu forschen und eine selbstbewusste, erwachsene Haltung zu finden. Sonst bleibt die Liebe unreif und regressiv. Dann betrachtet er sich als Instrument zur Bedürfnisbefriedigung ihrer sexuellen Wunschfantasien und suggeriert ihr dabei aber vollste Zustimmung.

Bedürfnisbefriedigung

Liebe und Sexualität werden von Männern oftmals zur Bedürfnisbefriedigung, Wunscherfüllung und Abwehr von Verlustängsten geradezu „entwickelt“ und „geplant“. Absichtsvoll und kalkulatorisch, nach dem Motto: „So lange ich ihre Träume im Bett erfülle, bleibt sie bei mir.“

Und Hannes und Elvira? Er steuert das gemeinsame Beziehungsschiff je nach Windstärke: Will sie dies, versucht er stets zu liefern. Will sie was anderes, bemüht er sich zu erraten, was sie anders haben will. Irgendwann bricht aber jeder in dieser „Wert-durch-Leistung“-Abwärtsspirale zusammen, worauf häufig Schweigen eintritt.

Nicht aus Ablehnung, sondern aus purer Hilflosigkeit. Weil das, was beim erfüllenden Sex am wichtigsten ist, vergessen wurde: Das offene Gespräch, wo Hannes sich auch darüber äußern kann, dass ihm Elviras Fesselspiele gar nicht liegen und er es nur aus Verlustangst so macht. Elviras extravagante Leidenschaften entstehen aus dem Irrtum, Hannes wolle insgeheim noch mehr davon, worauf sie sich durch seine aktive Teilnahme zu immer bizarreren Sexspielen inspiriert fühlt. Liebe geht aber anders und ist nicht bizarr oder spekulativ. Sondern offenherzig.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 21/2026 erschienen.

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