Die SPÖ gibt den kollektiven Förderklassler. Babler ist jetzt ein bisschen weg, aber sollte er weiter für Kultur und Medien zuständig sein, ist die Prognose finster. Auch die Behelfserlöserin Holzleitner ist nicht zu beneiden: Demnächst könnten wieder Zehntausende Jungwähler gegen sie demonstrieren.
Jetzt ist er also weg, der Babler, aber nicht ganz. Tatsächlich so gut wie weg ist er verheerenderweise in der einzigen Funktion, in der er unentbehrlich war: nämlich als Babler himself, der gegen die Begehrlichkeiten von Parteiopportunisten um keinen Preis mit der FPÖ koalieren hätte können. Aus Gesinnung und weil er sich mit der Aufgabe dieses Alleinstellungsmerkmals in heiße Luft aufgelöst hätte.
Bleiben will er allerdings als Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, und das ist eine Drohung. Wobei mir gleichgültig ist, wo, wie und ob Babler wohnt.
Was Babler hinterlässt
Aber der Rest des Portfolios! Als er die Kulturagenden übernommen hat, wurde das wechselweise als Ausdruck der Realitätsverweigerung oder als Verachtungsbekundung der Kunst gegenüber interpretiert. Heute wissen wir: Es war beides. Die Kunst verliert im kommenden Jahr 21 Millionen aus dem Budget, und an eine angebliche kosmetische Minimalkorrektur im Jahr darauf glauben nur wenige.
Schon jetzt droht die Inflation selbst identitätsstiftende Institute wie die Bundestheater zu beschädigen. Deren Rücklagen sind 2028 aufgebraucht, und dass die gellenden Warnungen der Direktoren noch etwas zum Besseren wenden könnten, ist angesichts eines besachwalteten Ressortinhabers unwahrscheinlich.
Auch ansonsten hinterlässt der Kunstvizekanzler nichts Gutes: Der Kultursender ORF III befindet sich in Teilabwicklung. Und Bablers demonstrative Wurschtigkeit, als die Salzburger Landeshauptfrau die Festspiele anlasslos in eine der größten Krisen ihres Bestehens befördert hat, taugt als Exempel dilettantischer Amtsgebarung maximal zur Endnote in der Parteichronik. Wenn nicht gar Sepp Schellhorns Vermutung zutrifft: Babler habe sich sein Schweigen abkaufen lassen, von Salzburger Seite seien ihm dafür ein paar Millionen aus dem Vertrag zum Umbau des Festspielbezirks nachgelassen worden.
Und der Medienvize!
Der Medienvizekanzler wiederum hat unter Einsatz größtmöglicher Unbeholfenheit und unter Verweigerung jeglicher Diplomatie die letzten mächtigen Medien des Landes gegen sich aufgebracht. Da frage ich mich doch, ob 46.000 Falter-Abonnenten a) als Wählerpotenzial ausreichen und b) mehrheitlich willens sind, die SPÖ zu wählen.
Notabene wäre der mir nicht überschießend sympathische Gerhard Zeiler ein führungserfahrener Medienspezialist gewesen, finanziell unabhängig und womöglich autoritär genug, um die ihm an vertrauten pubertären Förderklassler wenigstens an die Laufleine zu nehmen.
Die sich anbahnende Kumpanei mit linken Antisemiten und arabischen Importnazis dürfte dem konservativen, in der Blütezeit der Partei sozialisierten Sozialdemokraten Zeiler fremd sein
Was er in den vergangenen Jahren an Prioritäten bekanntgegeben hat, gehört für mich zwar eher zum Bösesten des einschlägig reichen NEOS-Programms: Für obszönes NATO-Antanzen bin ich so wenig zu begeistern wie für die unter dem Titel „Gesamtschule“ konzipierte Analphabetisierungskampagne.
Aber eine deutlich beschuhtere Kulturpolitik als die Bablers hätte ich von ihm schon erwartet. Und auch die sich anbahnende Kumpanei mit linken Antisemiten und arabischen Importnazis dürfte dem konservativen, in der Blütezeit der Partei sozialisierten Sozialdemokraten fremd sein. Solch ein Korrektiv würde benötigt in Zeiten befremdlicher Spontanergüsse des Bundespräsidenten, zur Unzeit und vor der falschen, weil internationalen Öffentlichkeit.
Nichts Gutes vom Sport
Womit ich beim Sport bin, der für mich zumindest in Gestalt des Fußballs Herzensmaterie ist. Als Babler im Finale der Regierungsbildung ankündigte, eine Staatssekretärin zu beschäftigen, atmete ich auf: Hat er nun doch noch erkannt, dass er in Kulturbelangen auf professionelle Hilfe angewiesen ist! Es wurde eine Sport-Staatssekretärin. Und wo blieben sie und ihr Ressortinhaberer angesichts jüngster Ungeheuerlichkeiten im Zusammenhang mit der UEFA Nations League?
Was sich da zwischen zweien unserer unmittelbaren Kontrahenten abspielt, erfordert entschlossenes Handeln: Der irländische Trainer bepöbelt seit Bekanntwerden der Auslosung das israelische Team auf das Ungeheuerlichste. Vor dem Jahrestag des Massakers vom 7. Oktober verweigerten die Iren dem Gegner den Handschlag. Zuletzt forderte der rabiate Coach, nie wieder gegen Israel antreten zu müssen.
Den Gefallen hätte man ihm gleich tun müssen, denn bei solch extremer, politisch motivierter Unsportlichkeit ist das Team aus dem Bewerb zu nehmen. Ein Wort aus der österreichischen Politik, verbunden mit dem Gegenoffert, von Begegnungen mit den balltretenden Hooligans gern Abstand nehmen zu wollen, würde da manches beschleunigen. Zumal die Politik noch nie gezögert hat, sich in der Glorie ihrer Zuständigkeit auf und neben Spielfeldern ablichten zu lassen.
Holzleitners Dilemma
Und wenn Babler nur das einzige Problem wäre. In diesen Tagen wird das Universitätsbudget endverhandelt. Die nunmehrige rote Behelfskommandeuse Holzleitner hat der Vorsitzenden der Uni-Konferenz schon im Frühjahr zu verstehen gegeben, dass sie ihre Prioritäten beim Frauenministerium, nicht etwa bei der von ihr nebenbei exekutierten Wissenschaft erblickt.
Deshalb sollten die Universitäten längerfristig eine Milliarde verlieren, nachdem man kurz zuvor den akademischen Opfern Trumps großmäulig Asyl angeboten hatte. Das Zerwürfnis erhitzt sich gerade wieder Richtung Siedepunkt.
Sollten also statt der 28.000 vom Mai demnächst 40.000 Jungwähler gegen die rote Erlöserin demonstrieren, werde ich gern wieder an ihrer Seite sein.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 40/2025 erschienen.
