Simon Kravagna
©BeigestelltDer Chef der „Wiener Zeitung“ über die Neuausrichtung, journalistische Relevanz, den Einsatz von KI und wie er das Medium in Zukunft positionieren will.
1. Chefredakteurin Katharina Schmidt geht. Ist das ein erstes Personalergebnis Ihrer Geschäftsführung?
Nein. Katharina Schmidt geht, weil sie gehen will – nach 22 Jahren bei der Wiener Zeitung. Das verdient Respekt.
2. Bei Dienstantritt kündigten Sie eine Neuausrichtung der Medienaktivitäten an: Wohin geht die Reise?
Unsere Reporterin Aleksandra Tulej war gerade in Kabul. ZIB 2 und Kronen Zeitung griffen ihre Recherchen auf. Dorthin geht die Reise.
3. Ehrliche Rückbesinnung: Was dachten Sie in Ihrer Phase als Kurier-Redakteur über die Wiener Zeitung?
Ich habe damals lieber die Süddeutsche Zeitung und die Weltwoche gelesen.
323 Jahre Tradition sind ein starkes Erbe, aber keine Existenzgrundlage
4. Bitte beschreiben Sie die heutige Position der Mediengruppe Wiener Zeitung für die Medienlandschaft!
323 Jahre Tradition sind ein starkes Erbe, aber keine Existenzgrundlage. Wir werden uns für Journalismus und Medien sehr nützlich machen.
5. Was sind die wichtigsten Erfahrungen aus dem fjum, die Sie in der neuen Funktion verwerten können?
Aus dem fjum nehme ich mit: Der richtige Einsatz von KI kann begeistern. Deshalb unterstützt uns unter anderen KI-Pro Patrick Swanson dabei.
6. Vergleich Angestellter, Unternehmer, Journalist, Manager: Was ist warum die größte Herausforderung?
Als Journalist biber zu gründen, war die größte Herausforderung. Ich war plötzlich Unternehmer – mit guten Ideen, aber zu wenig Kapital.
7. Die WZ, das zweite öffentlich-rechtliche Medium, blüht im Verborgenen. (Wie) Wollen Sie das ändern?
Im Journalismus ist es wie im Fußball. Mit der richtigen Aufstellung, Taktik und Einstellung kann dieselbe Mannschaft viel besser spielen.
8. Als es noch möglich war, gab die WZ 300.000 Euro für Facebook-Buchungen aus. Was denken Sie darüber?
Ich habe die Bewerbung journalistischer Inhalte auf den Tech-Plattformen gleich in meiner ersten Woche bei der Wiener Zeitung gestoppt.
Steckbrief
Simon Kravagna
Simon Kravagna, 55, studierte Politikwissenschaft in Wien und Kalifornien, begann beim Wochenmagazin Format, wechselte zum Kurier, gründete 2006 das biber, leitete ein Jahrzehnt das Magazin, danach das forum journalismus und medien wien (fjum) und ist nun Geschäftsführer der Wiener Zeitung.
Peter Plaikner: Politikanalyst und Medienberater
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 44/2026 erschienen.
