Peter Plaikner
©Matt ObserveDie SRG macht es als Sparmethode vor, ProSiebensat1Puls4 ahmt es zur Strategieumsetzung nach, dem ORF steht beides bevor: Am Anfang der Reform steht die Neuordnung der Abteilungen. Dadurch verändern sich die Führungsanforderungen und Funktionsinhaber müssen sich neu bewerben.
Media-Analyse, Online-Audiomonitor, Medientransparenzbericht, Rundfunkforum und ein Besuch des deutschen Philanthropen Hans W. Schöpflin bei der Datum-Stiftung: Schon dieses Donnerstag-Stakkato ließ zu kleinen Nachrichten werden, was ansonsten in großen Artikeln die einschlägige Berichterstattung für das Lese-Wochenende beherrscht hätte.
Die überraschende Samstag-Einigung der Koalition auf das Medienpaket vollendete die Verzwergung der im Normalfall durchwegs aufmachertauglichen Rest-News.
Doch eine Meldung vom vorletzten Freitag ist derart beispielgebend, dass sie einer Nachbetrachtung bedarf: ProSiebensat1Puls4 (P7S1P4) baut seine Struktur um und schreibt neun Führungsposten aus. Info-Direktorin Corinna Milborn bleibt zwar gesetzt, doch von der Chefredaktion abwärts müssen sich auch aktuelle Funktionsinhaber erneut um ihre Stellen bewerben.
Einsparung zu 95 Prozent in Struktur
Das erinnert an die Keynote von SRG-Chefin Susanne Wille beim ORF-Zukunftsforum von Medienminister Andreas Babler. Die Ex-Journalistin hat den politischen Auftrag, bis 2029 fast 300 Millionen Euro einzusparen. Sie sagt, 95 Prozent davon gelinge durch Veränderung in den Strukturen.
Diese Umschreibung für Personalabbau gelte aber nicht für P7S1P4, beteuern Co-CEO Thomas Gruber und Beraterin Eva Weissenberger von Storytime Media. Die neue, plattformübergreifende Strategie „Audience first“ für Joyn, Puls 4, ATV etc. benötige bloß veränderte Strukturen und verschiebe dadurch die Führungsanforderungen.
Glaubwürdige Reformen
Dieses Bekenntnis führt von der 170 Umsatzmillionen starken Ösi-Tochter des deutschen Fernsehriesen – unter Kontrolle der Erben von Italiens Silvio Berlusconi – zum siebenmal so großen nationalen Medienstolz ORF. Dort ist infolge turnusmäßiger Neuausschreibung die nächste Führung bekannt, doch wirkt das Unternehmen unterhalb der Generalsebene wie im Interregnum, obwohl Noch- und Bald-Alleingeschäftsführer:in hyperaktiv umrühren.
Ingrid Thurnher und Clemens Pig stehen spätestens seit ihrem „good guy, bad guy“-Spiel im Zukunftsforum für ein Biregnum. Doch in den tieferen Ebenen hat sich die konstitutive Grundnervosität am Küniglberg zu kollektivem Tinnitus hochgefiebert. Denn Pig verkündet gebetsmühlenartig sein Credo: Glaubwürdige Reformen beginnen bei der Führung. Im Direktorium sind sieben Neue zwar Zeichen für Veränderung, die Kopfzahl 13 blieb aber vorerst gesetzt. Doch es wird weniger Hauptabteilungen und Chefredaktionen geben.
Weniger Top-Jobs mit Spitzengagen
Zusammenlegungen bedeuten zusätzliche Aufgaben und bewirken neue Ausschreibungen. Der gewitzte Manager verweist lieber auf Systemzwang als eigene Gestaltungsmacht. Auf Betroffene wirkt beides gleich: Der ORF – ansonsten eher Schlangengrube – wirkt wie ein aufgescheuchter Hühnerstall, bevor Meister Reineke ab 2027 die Kosten jagt. 93 Millionen Euro jährlich streicht die Regierung – eine Kompensation für entfallenen Vorsteuerabzug. Doch statt 710 stehen 780 Millionen Haushaltsabgabe zur Verfügung. Den Anfang beim Stopfen des 23-Millionen-Lochs muss das Management mit mehr als 60 Top-Gagen über 170.000 Euro brutto pro Jahr machen. Von ihm wird sich wohl trotzdem keiner für die neuen Jobs bei ProSiebensat1Puls4 bewerben. Denn die sind deutlich geringer dotiert.
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: redaktion@news.at
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.
