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Die ORF-Frage, die im Sommergespräch fehlte

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Ein politisches ORF-Sparpaket, ein neues ORF-Direktorium, ein ministerieller ORF-Kongress, aber keine ORF-Frage im Sommergespräch mit Medienminister Babler. Auch bei Bundeskanzler Stocker dürfte Simone Stribl diese Kartoffel zu heiß sein. Doch Oppositionsführer Kickl wird nicht auf die Frage warten.

News auf Google bevorzugen

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hatte wohl den gleichen Verdacht wie Der Standard. Also formulierte Geschäftsführerin Corinna Drumm die VÖP-Positionen zur ORF-Reform in einem schon Sonntag online und erst Dienstag auf Papier erschienenen Interview – vor und nach dem Sommergespräch von Simone Stribl mit Andreas Babler. Dass sie keine Frage zum eigenen Haus stellen würde, war – zumindest überraschend.

Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr denn je zur Disposition steht, erspart er dem Medienminister dazu eine massenwirksame Diskussion. Sommergespräche der anderen Art führten indes ORF-Generalin Ingrid Thurnher beim personellen Aufräumen in der Zen trale und ihr Nachfolger Clemens Pig auf Antrittstour durch die Landesstudios.

Minenfeld ums Zukunftsforum

Auch eine Sondierung mit dem zweiten neuen Medien-Player auf der höchsten Lobbying-Ebene gehörte zum Hitzeprogramm. Rainer Nowak, Ex-Chefredakteur der Presse und Super-Ressortleiter der Krone, ist seit einem Jahr Geschäftsführer seines Stammblatts und seit Juni Präsident des Zeitungsverbands. Anders als sein pragmatischer Vorgänger Maximilian Dasch von den Salzburger Nachrichten (SN) gilt der neue VÖZ-Kopf als Hardliner.

Doch so wie der SN-Eigner gegenüber dem ORF keine Taube war, ist sein Nachfolger kein Falke. Das Abtasten der aus Tirol stammenden Pig (52) und Nowak (53) zum Hauptthema „Ko-Existenz“ scheint konstruktiv verlaufen zu sein. Das Minenfeld rund um das von Babler initiierte ORF-Zukunftsforum am 10./11. September ist dadurch aber nicht entschärft. VÖP-Frau Drumm lehnt eine junge Social-Media-Plattform à la Funk von ARD und ZDF von vornherein ab. Der rote Stiftungsrat Leonhard Dobusch nennt sie aber immer wieder als Vorbild. Unterdessen steht die VÖZ-Position unter Druck von Standard-Alleinvorstand Alexander Mitteräcker, dem härtesten Kritiker der blauen ORF-Seite.

Moderator der Medien-Enquete

Ein Fluchtweg aus dem Dilemma wäre geteilte Behandlung von digitalem Spielraum und Kooperationsrahmen im Zukunftsforum. Es ist das größte spezifische Expertentreffen seit der Medien-Enquete von Gernot Blümel. Deshalb durfte es nicht so heißen, während die Beschränkung auf den ORF aus Angst vor Überfrachtung geschah.

Umso verblüffender wirkt die Nominierung des gleichen Moderators wie 2018: Datum-Herausgeber Sebastian Loudon hatte das damals gut gemacht. Nun muss er mit seinem Projektpartner, dem Politikberater Yussi Pick, dem Argwohn entgegnen, er sei selbst Partei. Denn sein mit Gabriela Bacher organisiertes Symposium „Acht Tische für die vierte Gewalt“ hatte kleine neue Medienmacher gegenüber großen alten Unternehmen überrepräsentiert.

Solche Branchen-Details sind ungeeignet für ein massentaugliches Sommergespräch (es hatte 517.000 Seher – 61.000 mehr als 2025). Doch eine Frage zum ORF hätte es vertragen. Er braucht ein neues Gesetz vor einer allfälligen FPÖ-Regierung. Aber kaum ein Experte traut der Koalition das zu. Im Sinne von Äquidistanz bleibt diese Frage nun wohl auch Christian Stocker nächsten Montag trotz oder wegen seiner unglücklichen Rolle bei der Pig-Kür erspart. Wenn drei Tage vor dem Zukunftsforum zum Abschluss Herbert Kickl auf den Küniglberg kommt, ist aber mit ORF-Thematisierung zu rechnen. Auch ungefragt.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 35/2026 erschienen.

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