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Von Zeiler zu Zeiler: Der Polit-Talk als ORF-Patient

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Die Marktanteile für „Das Gespräch“ am Sonntagabend kommen zwar aus dem Quotentief, doch die Einladungspolitik erinnerte zuletzt an die Servus-Konkurrenz „Links. Rechts. Mitte“. Wenn der ORF zu verwechselbar die Konzepte der Privaten übernimmt, stellt er seine Notwendigkeit in Frage.

News auf Google bevorzugen

Für „Wohin steuert Österreichs Politik?“ war Gerhard Zeiler ein Wunschgast, wollte aber nicht (mehr). So wie sich allwöchentlich zahlreiche Angefragte dem „Gespräch mit Susanne Schnabl“ verweigern.

Nicht aber Stephan Zöchling, für den das der Polit-Talk-Olymp ist. So wie Matthias Strolz und Robert Misik war er schon mehrmals in der Sendung, während Silvia Grünberger bereits einige Auftritte „Im Zentrum mit Claudia Reiterer“ hatte. Alle sind Fixsterne im Quatschbuden-Wanderzirkus von Puls 24 bis Oe24.

Befreiungsschlag mit dem Vorschlaghammer

Doch nur ServusTV wagt die parallele Sendung zum ORF am Sonntagabend mit „Links. Rechts. Mitte“ (LRM). An dessen konfrontatives Konzept erinnerte schon vorab die Zusammensetzung der jüngsten Schnabl-Runde.

Es wirkte wie ein Befreiungsschlag mit dem Vorschlaghammer. Denn die Quoten von LRM müssen die Küniglberg-Macher zum Grübeln bringen. 2026 hatte der Privat-TV-Disput bisher im Schnitt 105.000 Seher, die ORF-Debatte 280.000. Im Jahresvergleich der Sender-Marktanteile von Servus und ORF 2 steht das Verhältnis aber 1:4.

Das bringt neben Schnabl Redaktionsleiter Alexander Sattmann unter Druck, während er andere Polit-Talks durchaus gelassen sehen kann. Sogar die schrillsten Exemplare von Oe24 – wie Josef Cap gegen Peter Westenthaler – kommen selten über Live-Publikumszahlen im tieferen fünfstelligen Bereich hinaus. Die Video-Zerstückelung und Social-Media-Verbreitung lässt sie viel größer wirken, als sie sind.

Zöchling auf Stronachs Spuren

Sattmann bestreitet aber, an LRM Maß zu nehmen. Die seit drei Folgen wieder höheren Reichweiten führt er auf politischen Ereignisreichtum zurück. Denn dem Nach-Zeiler-Kreis folgte eine Post-Babler-Runde nur mit Journalisten. Sie lockte mehr Zuschauer an als die vermeintlich brisantere Partie um Möchte-Gern-Politik-Besserwisser Zöchling. Seine behauptete Relevanz erinnert an die früheren Ausreden für Präsenzen von Frank Stronach. Aber er war ein Quoten-Garant. Darum geht es weiterhin zu sehr bei den führenden Talks.

Der ORF hatte eine europäische Führungsrolle dank „Club 2“ ab 1976 noch ohne solchen Druck erreicht. Doch in satter Selbstzufriedenheit wurde unterschätzt, wie Erich Böhme und Sandra Maischberger ab 1990 mit „Talk im Turm“ (Sat.1) neue Maßstäbe setzten. Die ARD antwortete erst 1998 mit Sabine Christiansen (dann Anne Will und Caren Miosga).

Quote schlägt Relevanz-Konzept

Nun wiederholt sich das. Verwöhnt durch die lange anhaltende Massen-Zugkraft von „Im Zentrum“, das in Ibiza- und Corona-Jahren eine halbe Millionen Zuschauer erreicht hat, wird zu langsam auf ständig dichtere Konkurrenz reagiert. Dem Wechsel von Reiterer zu Schnabl fehlt die übergeordnete Strategie, obwohl ihr Konzept mehr Tiefe und Relevanz versprach. Die jüngste Auflage war das Gegenteil. Doch das kann die Konkurrenz besser. Das Gespräch hatte 331.000, LRM 113.000 Seher. Inkonsequente Verwechselbarkeit darf sich der ORF bei Info-Flaggschiffen nicht leisten. Gegenüber Originalität ist die Quote nachrangig.

Auch der „Club 2“ wurde einst zu spät abgelöst, als er schon dahinsiechte. Statt ihm kam 1995 „Zur Sache“ mit Peter Rabl (später „Offen gesagt“). Der ORF braucht wieder eine solche Radikalkur wie damals durch die Programmreform unter General – Gerhard Zeiler.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 42/2026 erschienen.

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