ABO

Österreichs Medienbranche zwischen Sparpaketen, Streaming und viel PR-Sprech

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild

Peter Plaikner

©Matt Observe

Während die Gruppe um Puls/ATV mit dem ORF zum von drei Tagen auf einen Abend reduzierten Event für Innovation und Digitalisierung lud, präsentierte die Holding des Mutterkonzerns Halbjahreszahlen: geringerer Umsatz und mehr Gewinn (50 Mio. €). Die höhere Effizienz entsteht durch weniger Personal.

News auf Google bevorzugen

So gut Vizekanzler Andreas Babler auf seinem Zukunftsforum für den ORF geredet hat, so verwechselbar waren seine Wortspenden am 4GameChangers-Abend. Das Co-Event der privaten Puls/ATV-Gruppe mit den Küniglbergern wirkte als ungewollte Verdunkelung nach dem Lichtblick aufgrund der geradezu staatstragenden Konsensbereitschaft beim Expertenauftrieb für den Medienminister.

Wie Waldorf und Statler

Während der gewählte ORF-Chef Clemens Pig wenigstens das FPÖ-Volksbegehren erwähnte, gefiel sich der prominente Rest im Rückfall auf den üblichen unverbindlichen PR-Sprech von Politik und Medien. Nur Staatssekretär Alexander Pröll überraschte mit seiner inhaltlichen wie rhetorischen Weiterentwicklung. Die heimlichen Headliner hingegen unterschritten ihren gewohnten Diskursanspruch.

Am Gespräch mit Ex-Erste-Chef Andreas Treichl und Noch-Discovery-Boss Gerhard Zeiler interessierte zudem seine gleichzeitige Präsenz mit Babler, als dessen Nachfolger er sich seit Monaten handeln lässt. Besonders empfohlen hat ihn dieser Auftritt nicht. Die beiden erinnerten trotz ihres wertvollen Erfahrungsschatzes zu sehr an Waldorf und Statler – die besserwisserischen Balkon-Muppets. Aber es passte zum Gesamtniveau, so wie dieses zum Austro-Standard von Politik und Medien. Auch ohne den kaum vertretenen Boulevard.

Joyn oder ORF-Streamer für all

Spannender war, was von den GastgeberGeschäftsführern Thomas Gruber und Bernhard Albrecht über seine Info-Direktorin Corinna Milborn bis zu den vielen ORF-Granden – z. B. Generalin Ingrid Thurnher auf der Bühne und Technik-Chef Harald Kräuter im Publikum – niemand ansprach: Joyn, der Streamer des Mutterhauses ProSiebenSat.1 (P7S1), war offiziell der Haupt-Veranstalter. Vorgänger Zappn hatte 2023 der Konzernmarke weichen müssen, obwohl die Ösi-App erfolgreicher wirkte.

Denn Austro-Chef Markus Breitenecker konnte den ORF bis heute integrieren, was P7S1 mit ARD/ZDF missglückt war. Also holten sie den Wiener nach München. Dort kaperte er als Chief Operation Officer (COO) die Medien-Öffis für Joyn. Das sicherte ihm Feinde. Doch inzwischen hat die Politik das ZDF, dessen Privatisierung Staatsminister Wolfram Weimer überlegt, auf Joyn zurückgedrängt, und die ARD dürfte folgen. Breiteneckers Genugtuung wird aber dadurch getrübt, dass der Vorstand bei Übernahme von P7S1 durch die Erben von Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi weichen musste.

Not macht kooperativ und mutig

Zurück in Wien, propagierte er in seiner vergeblichen Bewerbung als ORF-General eine neue Streaming-Allianz unter Ägide vom Küniglberg. Unausgesprochen stand dahinter die Sorge vor privater Führung à la Berlusconi für einen nationalen Player. Breitenecker saß nun hinter seinen Nachfolgern, die einen Absprung des ORF von Joyn fürchten, das den Top-Sport von ServusTV schon verloren hat. Streaming ist aber die Fernsehzukunft.

Am gleichen Tag meldete Berlusconis Holding MFE steigenden Gewinn trotz sinkenden Umsatzes. Diese Effizienzerhöhung erinnert an die Personalsparpakete von Puls/ATV und P7S1. Sechs Tage nach den 4GameChangers lud Konkurrent Red Bull zur Servus MediaNight. Es schnürt auch Sparpakete. Wie der ORF, der am nächsten Abend Programmpräsentation hatte. Das neue Schlüsselwort bei Medien-Branchentreffen neben „Kooperation“ ist „Mut“. Der Zwang zu beidem wächst – wie in der Politik.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 39/2026 erschienen.

Kolumnen
Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER