Mit „Krone“ und ZIB2 hat Ex-ORF-General Zeiler auf ein altes parteipolitisches Medienprinzip gesetzt, um SPÖ-Chef zu werden. Er prolongiert damit die rote Rückwärtsgewandtheit, statt mit seiner Weltläufigkeit modern zu punkten. Medienmanagement ist nicht gleichzusetzen mit Kommunikationskompetenz.
Der Start von Gerhard Zeiler zu seiner letzten „Mission SPÖ-Chef“ verlief so zwiespältig wie die politischen Ambitionen anderer früherer ORF-Generale. Immerhin die Hälfte der inklusive Clemens Pig zehn Küniglberg-Häuptlinge hat(te) sie. Gerd Bacher (1967-1974, 1978-1986, 1990-1994) war nach seinen Abwahlen 1976 und 1987 Berater von Helmut Kohl, dem deutschen CDU-Kanzler von 1982 bis 1998. Otto Oberhammer (1974-1978) wäre 1990 fast Justizminister unter SPÖ-Regierungschef Franz Vranitzky geworden, scheiterte aber am Widerstand der ÖVP.
Monika Lindner (2002–2006) trat 2012 für die Liste von Frank Stronach zum Nationalrat an, zog formal zu spät zurück und blieb freie Abgeordnete. Alexander Wrabetz (2007-2021) wäre 2025 gern – öffentlich uneingestanden – (Finanz-) Minister auf rotem Ticket geworden, erhielt jedoch nur einen Trostpreis für die Metropole: Bevollmächtigter der Stadt Wien für KI im Medienbereich. Abgesehen von Bacher, der kein Mandat anstrebte, ist das eine Bilanz sehr verschiedener Schiffbrüche.
Enorm erfolgreicher Medienmanager
Zeilers Stapellauf geriet unterdessen holpriger, als aufgrund seiner Biografie zu vermuten war. Er ist Österreichs global erfolgreichster Medienmanager, hat sich von den Anfängen als Pressesprecher der Kanzler Fred Sinowatz und Vranitzky sowie Generalsekretär alias politischer Querverbinder im ORF unter Teddy Podgorski längst emanzipiert. Schon vor seiner Rückkehr leitete er Tele 5 (das spätere RTL 2), danach führte er erst das deutsche RTL, dann die gesamte Gruppe, kam in den Vorstand von Bertelsmann, ging zur CNN-Mutter Turner Broadcasting in die USA und ist heute als CEO von Warner Bros. Discovery International immer noch eine ganz große Nummer im globalen Mediengeschäft.
Dieser Erfolg beflügelt Missverständnisse: Denn herausragende Management-Expertise im Mediensektor ist kein Kompetenz-Ausweis für (Partei-)Politik und (Eigen-)Kommunikation. Das beweisen ungewollt viel kleinere Lichter auf dem hiesigen Minimarkt immer wieder. Zeiler hat mit Peter Pelinka einen für Wien, seine Medien und die SPÖ gleichermaßen beschlagenen, journalistisch versierten Berater-Freund. Doch die Vorgehensweise via Krone und ORF, aber ohne Social Media entspricht der Welt von gestern. Daran ändert auch die Ankündigung nichts, mit Ex-Erste-Chef Andreas Treichl einen Podcast zu starten.
Das fehlende Aufstiegsversprechen
Abgesehen von einer abrupten Unterbrechung der Medienpolitik ist dies kein Ort, um Zeilers Inhalte zu diskutieren, hier geht es um seine Auftritte. Der alte Verhältnisse prolongierende Start per Krone-Gespräch mit Conny Bischofberger und ZIB2-Interview mit Margit Laufer war nahezu kontraproduktiv. Zeilers stärkster Trumpf für die in Provinzialität geschlitterte Sozialdemokratie ist persönliche Weltläufigkeit.
Die langfristig größte Schwäche der SPÖ ist Rückwärtsgewandtheit. Der erste Elfer hätte die Verbindung der Aufstiegserzählung Zeilers mit einem Aufstiegsversprechen für junge neue Wähler sein können. Er wurde verstolpert. Diese Sehnsucht konnte Christian Kern besser bedienen, als er 2016 Werner Faymann abgelöst hat. Viele Matchbälle werden Andreas Babler & Co. dem Herausforderer nicht mehr lassen. In der SPÖ sind sie stärker, als ihre schlechte Außenwirkung glauben lässt.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 40/2026 erschienen.
