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Mehr als 600.000 dubiose Anzeigen auf Facebook und Instagram: Was Behörden dagegen tun

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Hand hält ein Smartphone mit geöffneter Facebook-App
Foto:©Joshua Hoehne, Unsplash

Gefälschte Promi-Empfehlungen für Geldanlagen und Wundermittel sind auf Facebook und Instagram ein Massenphänomen. Eine Studie für die österreichische Medienbehörde hat das Ausmaß vermessen, in den USA klagt nun ein Bundesstaat. Wer von den Anzeigen betroffen ist und was gegen sie unternommen wird.

News auf Google bevorzugen

Behörden in Europa und den USA gehen zunehmend gegen Betrugswerbung auf Facebook und Instagram vor. In Österreich hat die Medienbehörde KommAustria, die hierzulande die Einhaltung des EU-Gesetzes über digitale Dienste überwacht, das Ausmaß untersuchen lassen. Die Analyse des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation fand in Daten von September bis November 2025 634.041 betrügerische und problematische Anzeigen in acht Kategorien. Sie kamen in der EU auf rund eine Milliarde Einblendungen, davon rund 123 Millionen in Österreich. Die Autorinnen sprechen von einer vorsichtigen Untergrenze.

In den USA hat der Bundesstaat Rhode Island am 22. Oktober Klage gegen Meta eingereicht. Generalstaatsanwalt Peter Neronha wirft dem Konzern in der Klageschrift vor, Betrugswerbung zu dulden und daran zu verdienen. Er beruft sich unter anderem auf interne Meta-Dokumente, wonach rund zehn Prozent des Umsatzes von 2024, etwa 16 Milliarden Dollar, auf Anzeigen für Betrug und verbotene Waren entfallen sein sollen. Meta weist die Klage als unbegründet zurück.

Welche Namen für die Anzeigen missbraucht werden

Besonders verbreitet sind Anzeigen für angebliche Geldanlagen. Die Studie zählte allein in dieser Kategorie 83.216 Anzeigen mit rund 22 Millionen Einblendungen in Österreich. Typisch sind erfundene Interviews oder gefälschte Zeitungsartikel, in denen bekannte Persönlichkeiten angeblich eine Investmentplattform empfehlen. In den untersuchten Anzeigen wurden unter anderem die Namen des früheren Finanzministers Hans Jörg Schelling, des Investors Gerald Hörhan, des FPÖ-Chefs Herbert Kickl und des ORF-Moderators Armin Wolf missbraucht, ebenso die Marken großer Medien.

Die Beratungsstelle Watchlist Internet, die zum Institut gehört, warnt seit Jahren vor dieser Masche und hat die Ergebnisse der Studie im Juni veröffentlicht. Wer auf solche Anzeigen klickt, landet häufig auf Plattformen, die zunächst kleine Einzahlungen verlangen und Gewinne vortäuschen. Die abgebildeten Persönlichkeiten haben mit der Werbung nichts zu tun, ihre Bilder und zunehmend auch künstlich erzeugte Stimmen und Videos werden ohne Zustimmung verwendet.

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Wo die Studie Lücken bei Meta sieht

Meta hatte zum Zeitpunkt der Datenerhebung 62,4 Prozent der gefundenen Anzeigen bereits entfernt. Die Studie sieht dennoch mehrere Schwachstellen. So werde bei Anzeigen nicht überprüft, wer sie bezahlt, im entsprechenden Feld stünden Einträge wie Zahlenfolgen oder schlicht „facebook“. Zuvor dokumentierte Anzeigen seien aus dem öffentlichen Archiv verschwunden, obwohl das EU-Recht eine Aufbewahrung von einem Jahr vorschreibt. Und Konten, die Meta angeblich gesperrt hatte, hätten weiter neue Anzeigen geschaltet.

Meta verweist auf eigene Gegenmaßnahmen. In der EU setzt der Konzern laut seiner Mitteilung zum Schutz vor Betrug seit März 2025 Gesichtserkennung ein, um Anzeigen mit missbrauchten Promi-Fotos zu erkennen. Dabei werden Gesichter in verdächtigen Anzeigen mit den Profilbildern der jeweiligen Person abgeglichen. Laut Meta sind dafür rund 500.000 Personen des öffentlichen Lebens angemeldet.

Wie der Druck auf den Konzern wächst

Im Mai haben 29 Verbraucherschutzorganisationen aus Europa, darunter die Arbeiterkammer, Beschwerden gegen Meta, Tiktok und Google eingereicht. Laut dem europäischen Verbraucherverband BEUC hatten die Organisationen zuvor rund 900 verdächtige Anzeigen gemeldet. Nur 27 Prozent davon wurden entfernt, mehr als die Hälfte der Meldungen wurde abgelehnt oder blieb unbeantwortet. Zuständig für große Plattformen wie Facebook und Instagram ist nach dem Gesetz über digitale Dienste die EU-Kommission, die bei Verstößen Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen kann.

Rhode Island ist der erste US-Bundesstaat, der Meta wegen Betrugswerbung verklagt. Der Staat verlangt Strafzahlungen, Entschädigungen und die Herausgabe von Gewinnen. In der Klageschrift werden Beispiele genannt, etwa eine Anzeige für ein angebliches Alzheimer-Heilmittel mit den Gesichtern von Meryl Streep, Morgan Freeman und Dolly Parton. Für Nutzerinnen und Nutzer bleibt der wichtigste Schutz die eigene Skepsis: Werbung, in der Prominente schnelle Gewinne oder Heilung versprechen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht.

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