Die ORF-Moderatorin über ihren Weg von Tirol über Puls 4 zum ORF, frühe Verantwortung, ihre mexikanisch-österreichischen Wurzeln und die Frage, warum Frauen in den Medien noch immer zu wenig Macht haben.
Alexandra Wachter: „Im richtigen Moment präsent sein, kritisch nachfragen, einordnen“
1. Die größten Arbeitsunterschiede zwischen Ihnen und Ihrer Schwester, einer Journalistin in Mexiko?
Sie leitet TV-Produktionen, ich bin Politikjournalistin und Moderatorin. Unsere Aufgaben sind verschieden. Mein Vorbild ist sie geblieben.
2. Ihr Vater starb früh, Sie wurden früh Mutter, dann noch Wechsel Tirol–Wien: Wie prägen diese Brüche?
Ich musste sehr früh sehr viel Verantwortung übernehmen. Das hat meinen Blick für Menschen geschärft, deren Leben nicht geradlinig abläuft.
3. Worin sehen Sie als Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien den größten Gender-Nachholbedarf?
Bei der Machtverteilung. Wer über Personal, Budgets und Inhalte entscheidet, prägt unsere Öffentlichkeit. Deswegen ist Parität essenziell.
4. Aber Sie haben ja Ihr eigenes Hirn: Was hat Ihnen die Interview-Antwort von Sebastian Kurz gebracht?
Viel Aufmerksamkeit. Für Interviews wie dieses erhielt ich den Hochner- und den Rode-Preis – für akribische Vorbereitung und Hartnäckigkeit.
Ich glaube, dass man Menschen dazu bringen kann, sich ein- bis zweimal m Monat Zeit zu nehmen, um sich mit einem Magazin oder einer Printzeitung zu beschäftigen. Aber klar haben wir uns immer über Printprodukte lustig gemacht und machen jetzt selbst eines. Wir müssen uns also den Vorwurf der Scheinheiligkeit gefallen assen.
5. Nach sieben Jahren bei Puls4 nun schon vier Jahre im ORF: Was empfinden Sie als größte Unterschiede?
In beiden Häusern arbeiten engagierte Journalistinnen und Journalisten. Der ORF erreicht besonders viele Menschen. Das ist Auftrag und Ansporn.
6. Redaktionelle Beiträge oder Moderation: Was ist warum die größere journalistische Herausforderung?
Beides fordert Klarheit und Präzision. Bei der Moderation zählt der Live-Moment, beim Beitrag die Recherche vor Ort. Man muss beides können.
7. ZIB 1, ZIB 2, Report oder der Sonntagabend-Talk: Welche Moderation würde Sie warum am meisten reizen?
Die, bei der ich dem Publikum am meisten bieten kann. Im richtigen Moment präsent sein, kritisch nachfragen, präzise einordnen: Das kann ich.
8. Erst seit wenigen Jahren pochen Sie auf Ihren zweiten Vornamen Maritza. Was hat Ihnen das gebracht?
Es geht um Identität: Alexandra Maritza verbindet meine österreichischen und mexikanischen Wurzeln. Beide gehören gleichermaßen zu mir.
Steckbrief
Alexandra Maritza Wachter
Alexandra Maritza Wachter startete 2013 nach einem Praktikum im ORF-Landesstudio bei Tirol TV, ging 2015 zu Puls 4 nach Wien und arbeitet seit 2022 auf dem Küniglberg. Die Tochter einer Mexikanerin und eines Vorarlbergers moderiert ZIBs wie ZIB Talk und ist Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 39/2026 erschienen.
