Wer regelmäßig Tee trinkt, erkrankt seltener an Herz- und Gefäßleiden. Das legt eine Studie mit fast einer halben Million Menschen nahe. Bei einer bestimmten Gewohnheit war das Risiko jedoch höher als bei Menschen, die kaum Tee trinken.
Die Ausnahme: sehr heißer Tee
Entscheidend war in der Studie nicht nur, ob jemand Tee trinkt, sondern auch, wie heiß. Menschen, die ihren Tee nach eigenen Angaben „brennend heiß“ tranken, hatten ein um rund 16 Prozent höheres Risiko für Gefäßerkrankungen als Menschen, die nicht regelmäßig Tee tranken. Damit war der Zusammenhang bei dieser Gruppe umgekehrt zum Gesamtergebnis.
Insgesamt hatten regelmäßige Teetrinkerinnen und Teetrinker, die an mindestens drei Tagen pro Woche Tee tranken, ein um etwa 11 Prozent geringeres Risiko für Gefäßerkrankungen. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und andere Erkrankungen der Blutgefäße. Die Arbeit erschien im Journal of Internal Medicine.
Die Temperatur wurde allerdings nur grob erfasst: Die Teilnehmenden ordneten ihren Tee selbst als zimmerwarm, heiß oder brennend heiß ein. Eine Grenztemperatur oder einen Mechanismus nennt die Studie nicht. „Was eine Person als brennend heiß betrachtet, kann sich stark von der Definition einer anderen unterscheiden“, sagte die US-Ärztin Leana Wen von der George Washington University.
Wie die Studie aufgebaut war
Die Forschenden werteten Daten der China Kadoorie Biobank aus. Erfasst wurden 485.934 Erwachsene in China zwischen 30 und 79 Jahren, die im Schnitt rund neun Jahre lang beobachtet wurden. In dieser Zeit traten 14.863 neue Gefäßerkrankungen auf. Der Zusammenhang zeigte sich bei Schwarztee beständiger als bei Grüntee. Mittelstarker Tee schnitt am besten ab, stärkerer Tee brachte keinen zusätzlichen Vorteil.
Am deutlichsten war der Unterschied, wenn mehrere gesunde Gewohnheiten zusammenkamen. Wer Tee trank, nicht rauchte und körperlich aktiv war, hatte ein um rund 45 Prozent geringeres Risiko. Das niedrigste geschätzte Risiko fanden die Forschenden bei etwa sechs bis acht Tassen am Tag. Die Tassengröße war allerdings nicht einheitlich festgelegt.
Was Fachleute zur Vorsicht sagen
Unabhängige Expertinnen und Experten mahnen laut dem britischen Science Media Centre zur Zurückhaltung. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge zeigt, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung liefert. Der Teekonsum wurde nur einmal zu Beginn abgefragt, Ernährung und Einkommen flossen nicht vollständig in die Auswertung ein. Charalampos Rallis von der Queen Mary University of London betont, die sechs bis acht Tassen seien nicht als Empfehlung zu verstehen. Die Ergebnisse zu Schwarztee und sehr heißem Tee seien explorativ.
Dell Stanford von der British Heart Foundation verweist darauf, dass die Studie in China durchgeführt wurde und sich nicht ohne Weiteres auf Europa übertragen lässt. „Es gibt kein einzelnes Lebensmittel oder Getränk, das unsere Herzgesundheit grundlegend verändert. Unsere Ernährung und unser Lebensstil insgesamt sind viel wichtiger.“
Wie viel Tee unbedenklich ist
Wer viel Schwarztee trinkt, sollte auch das Koffein im Blick haben. Eine Tasse mit 220 Millilitern enthält laut AGES rund 50 Milligramm Koffein, eine Tasse Grüntee etwa 22 Milligramm. Für gesunde Erwachsene gelten laut der EU-Lebensmittelbehörde EFSA bis zu 400 Milligramm pro Tag, über den Tag verteilt, als unbedenklich. Für Schwangere und Stillende liegt der Richtwert bei 200 Milligramm. Acht Tassen Schwarztee dieser Größe erreichen die Obergrenze für Erwachsene damit bereits, ohne Kaffee oder Energydrinks.
Sehr heiße Getränke stehen auch aus einem anderen Grund in der Kritik: Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Getränke über 65 Grad als wahrscheinlich krebserregend ein, wie news.at bereits zu heißen Getränken und Speiseröhrenkrebs berichtet hat.
Quellen
Journal of Internal Medicine: Habitual tea consumption is associated with lower cardiovascular disease risk (Abstract, Oktober 2026)
Science Media Centre: Expert reaction to study looking at drinking tea habitually and cardiovascular disease risk (21. Oktober 2026)
AGES: Koffein
EFSA: Caffeine (wissenschaftliches Gutachten 2015)
Wiley via ScienceDaily: Drinking tea may help protect your heart, but there's a surprising catch (1. November 2026)
