von
"Sehr heiße Getränke können die Schleimhaut in Mund und Speiseröhre schädigen. Geschieht dies häufiger, kann es zur Entwicklung einer Krebserkrankung kommen. Aufgefallen war der Zusammenhang zunächst in Südamerika, wo Mate-Tee ein populäres Heißgetränk ist", schrieb vor wenigen Tagen das Deutsche Ärzteblatt.
Zunächst sei vermutet worden, dass Inhaltsstoffe der Blätter von "Ilex paraguariensis", aus denen Mate hergestellt wird, für das Krebsrisiko verantwortlich sind. Später stellte sich jedoch heraus, dass das Risiko auf Personen beschränkt war, die den Mate-Tee sehr heiß konsumieren. Ähnliches wurde aus der Provinz Golestan im Iran berichtet. Dort wird Tee sehr heiß getrunken, was in einer zehnfach größeren Häufigkeit von Speiseröhrenkrebs im Vergleich zu einer anderen Region des Iran ohne dieses Trinkverhalten resultiert.
Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) in Lyon in Frankreich hat Heißgetränke als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Dort wurde eine Temperatur von 65 Grad Celsius als Schwelle zur Schädlichkeit definiert.
"In Europa ist die Trinktemperatur in der Regel niedriger, so dass heißer Kaffee oder Tee als unbedenklich gelten", hieß es in der deutschen Ärztezeitung. Epidemiologen der Universität Oxford haben das aber jetzt quasi widerlegt. Keren Papier und Co-Autoren haben die Daten der "Million Women Study" und der "UK Biobank" noch einmal in dieser Hinsicht analysiert.
Die "Million Women Study" hatte zwischen 1996 und 2001 insgesamt 501.112 Frauen im Alter von 50 bis 64 Jahren zu ihren Lebensgewohnheiten befragt, unter anderem auch, ob sie Heißgetränke "sehr heiß", "heiß" oder "warm" konsumieren oder "keine heißen Getränke trinken". Eine ähnliche Frage wurde in den Jahren 2006 bis 2010 auch 467.170 Männern und Frauen im Alter von 37 bis 73 Jahren gestellt, deren Daten in die "UK Biobank" aufgenommen worden waren.
Die Ergebnisse der Analyse sind im "International Journal of Cancer" erschienen (https://doi.org/10.1002/ijc.70654). "Der Konsum von sehr heißen Getränken im Vergleich zu warmen Getränken war nach Einrechnung der Konsumhäufigkeit mit einem dreifach erhöhten Risiko für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre (Steigerung um den Faktor 3,17; Anm.) verbunden", schrieben die Autoren der Studie. "Nach Berücksichtigung der Getränketemperatur war der tägliche Konsum von sechs oder mehr heißen Getränken im Vergleich zu weniger als sechs Heißgetränken mit einem um 71 Prozent erhöhten Risiko für Plattenepithelkarzinome assoziiert."
Laut den Berechnungen der Epidemiologen könnten in Großbritannien rund 14 Prozent der Fälle von zumeist schwer behandelbaren und oft tödlich verlaufenden Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus verhindert werden, wenn die Menschen sehr heiße Getränke vermieden.
"Diese große britische Studie mit Erwachsenen mittleren Alters, bei denen heiße Getränke weit verbreitet sind, liefert eindeutige Belege dafür, dass Temperatur und Häufigkeit des Konsums heißer Getränke sinnvolle Ziele für die Prävention von Speiseröhrenkarzinomen darstellen", so die Wissenschafter.
++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Grippe / Grippewelle / Verkühlung / Influenza / grippaler Infekt: Eine Frau mit einer Teetasse am Freitag, 1. Februar Jänner 2019, in Salzburg.
