Ein Sack unbekannter Samen, gefunden auf einem Dachboden bei Parma, wurde zum Ausgangspunkt einer Geschichte, die gerade international die Runde macht. Der Landwirt nannte das Getreide Wunderweizen. Was die Pflanze besonders macht und was davon belegt ist.
Was den Weizen besonders macht
Das Auffällige am Grano del miracolo sieht man schon am Feld: Statt einer einzigen Ähre trägt ein Halm bis zu sieben Ähren, die Pflanzen wachsen zudem höher als heutiger Weizen. Bestimmt wurde das Getreide als Triticum turgidum, im Deutschen Rauweizen oder Englischer Weizen genannt, eine Art, die mit dem heutigen Hartweizen verwandt ist. Der Name, übersetzt Wunderweizen, stammt vom Landwirt Claudio Grossi aus der Provinz Parma, der die Samen wieder ausgesät hat.
Nach Grossis Angaben kommt der Weizen mit Trockenheit besser zurecht als moderne Handelssorten und braucht weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel. In einer Abschlussarbeit an der Universität Parma soll er zudem mehr Phosphor, Eisen und Aminosäuren enthalten haben als heutiger Weizen. Eine in einem Fachjournal veröffentlichte Studie wird in den Berichten nicht genannt, die Angaben zur Trockenheit beruhen auf den Erfahrungen des Landwirts.
Der Fund auf dem Dachboden
Gefunden hat Grossi die Samen in den 1990er-Jahren in einem Sack auf dem Dachboden des Familienhofs, den sein Urgroßvater 1915 gegründet hatte. Die Körner waren alt und ausgetrocknet, was es war, wusste niemand. Grossi säte sie ohne große Erwartungen auf einem Misthaufen aus, sie keimten. Seit 2010 baut er das Getreide gemeinsam mit einer Mühle aus der Region Parma an, die laut eigener Darstellung damit die fast vergessene Sorte zurückgeholt und weitere Getreidesorten aus dem frühen 20. Jahrhundert wieder angebaut hat.
Dass die Geschichte gerade jetzt viele Menschen beschäftigt, liegt an einer ausführlichen Reportage in einem US-Wissenschaftsmagazin, die seit Ende Oktober breit geteilt wird. Ihr Titel spielt auf die Bibel an: Im Buch Genesis träumt der Pharao von sieben vollen Ähren, die an einem einzigen Halm wachsen.
Warum alte Sorten wieder gefragt sind
Der Wunderweizen ist auch in der Forschung angekommen. In einem von der EU geförderten Projekt zu alten Weizensorten im Tal der Marecchia in der Emilia-Romagna wurden von 2017 bis 2020 alte lokale Sorten gesucht, genetisch beschrieben, auf dem Feld getestet und zu Brot verbacken. Der Grano del miracolo ist eine von neun Sorten, von denen das staatliche italienische Agrarforschungsinstitut CREA seither kleine Saatgutvorräte für interessierte Landwirtinnen und Landwirte hält. Bei den Backtests schnitten allerdings zwei andere Sorten am besten ab.
Die Kehrseite zeigt sich auch beim Grano del miracolo. Weil die Halme so hoch wachsen, ist die Pflanze anfälliger für Sturm und starken Regen, Grossi sät sie deshalb neben niedrigeren Sorten an. Erträge im großen Maßstab sind öffentlich nicht beziffert. Ob der Wunderweizen mehr ist als eine Rarität, müssten erst weitere Anbauversuche zeigen.
Quellen
Molino Grassi: Miracolo grain (2023)
EU CAP Network: Protection and development of old wheats of Valmarecchia (Projekt 2017 bis 2020)
Weitere Quelle: Smithsonian Magazine, Mental Floss
