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Grillen: Es geht um die Glut

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Grillen ist in der kulinarischen Mitte der Gesellschaft angelangt und zum beachtlichen Wirtschaftszweig geworden. Und es ist eine Chance für Distinktionsgewinn.

Der Markt ist enorm. Allein für Hardware, also die Griller, geben Österreichs Glut-Aficionados 5,5 Millionen Euro pro Jahr aus. Gemeinsam mit allem, was sonst noch so dazugehört, also sowohl Ausstattung als auch vor allem Grillgut und Getränke, ist da eine satte Milliarde unterwegs.

Der immer stattlicher werdende Grillgerätemarkt kennt einen Sieger, er kommt aus Palatine, Illinois, und heißt Weber: Mehr als 1,5 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr und ein geschätzter Marktanteil von über 60 Prozent in Österreich. Corona und die Lockdowns hätten den auch davor schon großen Erfolg des Grillgeräteherstellers wohl noch um 62 Prozent angeschoben, gab man anlässlich des Börsengangs im Jahr 2021 bekannt.

Die App grillt mit

Das Produktspektrum des Marktführers ist enorm, reicht vom Kugelgrill bis zum App-gesteuerten Hightech-Gasgrill mit WLAN-Verbindung. Die Geräte, auf denen das Grillen auch noch ein bisschen was Abenteuerliches hat, sind aber andere.

Etwa das berühmte „Big Green Egg“. Das eine besonders hohe Medienpräsenz genießt, weil die Story vom Vorbild des japanischen Kamado-Ofens und der Entwicklung der speziellen Keramik vom Hersteller, der auch Hitzeschilder fürs Spaceshuttle baute, einfach zu gut ist. Abgesehen davon ist der optische Wiedererkennungswert des grünen Grilleis pures Marketing-Gold und man kann damit auch wirklich ziemlich toll grillen, kochen, räuchern, was auch immer. Mit den Produkten, die genauso aussehen, aber deutlich weniger kosten als das Original allerdings auch.

Kopien sind auch bei einem anderen, ebenso ikonischen Gerät keine Seltenheit, wie Siegfried Wurm, Österreichs Generalvertreter für den niederländischen Ofyr bestätigt. Klar, das Prinzip des „Feuerrings“ wirkt einfach: ein Behälter für offenes Feuer und oben drauf ein Metallring, auf dem gegrillt und gebraten wird. Der Erfinder des Grillers, Hans Goossens, der sich ein Vorbild am argentinischen „Asado“ nahm und der wegen seiner Rückenprobleme ein Grillen mit aufrechter Haltung im Sinn hatte, bastelte am Prototyp jedenfalls zwei Jahre lang. 2015 kam sein Feuerring dann auf den Markt.

Rund ums Lagerfeuer

Der primäre, sehr archaische Reiz von Ofyr & Co. liegt natürlich daran, dass mehrere Leute um das Feuer herumstehen und gemeinsam zubereiten können. Das System ist so simpel, dass man es fast als logisch bezeichnen könnte – je näher am Feuer gearbeitet wird, desto heißer. Die Maximaltemperatur liegt bei etwa 370°, die minimale bei etwa 50°, „man kann da einfach alles drauf machen“, schwärmt Nutzer Michael Nowak vom Wiener Szene-Lokal Espresso, der seinen Feuerring auch bei Caterings einsetzt, „und es geht auch ordentlich was weiter damit“. Klar, der Transport des fast 60 Kilo schweren Metallrings steht auf einem anderen Blatt Papier.

Viel Geld für einen Griller auszugeben, ist mittlerweile nicht schwer, wer für seine Bratwürstel ein Gerät zum Preis eines Kleinwagens sucht, wird rasch fündig. Exklusivität aber ist etwas anderes, und da macht das Tiroler Unternehmen Simonson seine Punkte: Nur etwa fünf Griller/Outdoor-Herde mit dem eigenwilligen Namen „Gerhard kocht“ werden pro Jahr erzeugt, die dafür maßgefertigt.

Am Anfang war das Yak

Auch die Entwicklungsgeschichte dieses Grillers ist sehr speziell, hat nämlich damit zu tun, dass der Erfinder Herbert Gwercher gemeinsam mit seiner Partnerin Gabriele Brunner auf einer Alm in den Kitzbüheler Alpen Yaks züchtet, „und Yak-Fleisch erfordert eine etwas andere Zubereitung“.

Also fing er vor 15 Jahren damit an, einen Prototypen zu konstruieren, der genau das kann, tüftelte zehn Jahre lang und präsentiert da ein Gerät, das in einer eigenen Liga spielt: Die Hitze entsteht hier nämlich in einem geschlossenen Brennraum, und zwar sehr viel Hitze mit nur sehr wenig Ressourcenverbrauch, fünf Scheite Holz reichen für fünf Stunden Betrieb. Die maximal erreichbare Temperatur sind unglaubliche 900°, das ganze nahezu rauchfrei, was den Tiroler Alien-Griller auch indoor einsetzbar macht. Er sei durch Zufall auf das Prinzip gekommen, sagt Gwercher.

Wir sehen: Die älteste Zubereitungsart der Menschheitsgeschichte erfindet sich immer neu. Und das ist gut so, damit können wir unser Kotelett immer auf eine neue, noch spektakulärere Art verbrennen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 32/2026 erschienen.

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