Was macht den Reiz aus, an Holztischen unter Kastanienbäumen zu sitzen und dort Bier zu trinken? Wir fragen Stephan Gassner, Geschäftsführer Gassner Gastronomiebetriebe – der weiß es, weil er drei der besten Biergärten des Landes betreibt.
Diverse Oktoberfest-Veranstaltungen erfreuen sich in Österreich zunehmender Beliebtheit. Profitieren auch die Biergärten von diesem Trend? Und wenn ja: Woran könnte dieser Wies’n-Boom liegen?
Wir beobachten grundsätzlich eine große Sehnsucht nach Geselligkeit, Tradition und unkomplizierten gemeinsamen Erlebnissen. Davon profitieren sicherlich auch Biergärten. Den aktuellen Oktoberfest-Boom würden wir aber nicht mit der Biergartenkultur gleichsetzen.
Eine Wies’n ist ein Event – der Biergarten ist für uns vielmehr ein Lebensgefühl. Klosterhof, Stieglkeller, Die Weisse, jeder dieser Orte hat seinen eigenen Charakter, aber überall geht es um dasselbe: zusammenkommen, ein gutes Bier trinken, etwas essen und gemeinsam eine gute Zeit verbringen.
Der Biergarten gilt wie auch der Heurige als „demokratisch“, eine Gastronomie, die sich jeder und jede leisten kann, in der sich die Einkommensschichten mischen. Wird der Biergarten in von Konsumrückgang geprägten Zeiten damit immer attraktiver?
Absolut – wobei genau diese Durchmischung für uns schon immer zum Wesen eines guten Biergartens gehört hat. Es gibt keine Berührungsängste und keine komplizierten Regeln. Man kann auf ein Bier kommen und eine Kleinigkeit essen oder einen ganzen Nachmittag beziehungsweise Abend verbringen. Der Gast entscheidet, wie viel er konsumieren möchte.
Was gehört für Sie zum „richtigen“ Biergarten-Erlebnis, was darf auf keinen Fall fehlen?
Ein richtiger Biergarten ist ein Ort, an dem man gerne sitzen bleibt: schattenspendende Bäume, Tische und Bänke, frisch gezapftes Bier, bodenständiges Essen. Für uns gehört aber auch die Unkompliziertheit dazu, etwa die Selbstbedienungs-Option wie im Stiegl-Keller: Man holt sich sein Bier, sucht sich einen Platz und genießt den Blick über Salzburg.
Und dann natürlich die kleinen Dinge: das Stimmengewirr, das Klirren der Gläser, der Duft aus der Küche und die unterschiedlichen Menschen, die zusammenkommen – nennen wir es Selbstverständlichkeit.
Bierbänke, Maßkrüge und blau-weiße Dekoration machen noch keine Biergartenkultur aus
Spielt die Art des Bieres im Biergarten eigentlich eine Rolle? Oder anders gefragt: Darf man im Biergarten auch Craftbeer trinken, oder ist das ein Sakrileg?
Ganz im Gegenteil. Bierkultur bedeutet für uns nicht, sich auf eine einzige Biersorte zu beschränken. Im Stiegl-Keller und im Klosterhof führen wir eine umfangreiche Bierkarte mit einer Vielzahl unterschiedlicher Biere.
Für uns darf im Biergarten selbstverständlich auch ein IPA, ein Witbier oder eine außergewöhnlichere Bierspezialität getrunken werden. Das frisch gezapfte Bier wird im Biergarten immer seinen besonderen Stellenwert haben – aber Bierkultur lebt auch von Neugier und Vielfalt.
Ist ein richtig guter Biergarten eigentlich auf der ganzen Welt vorstellbar, oder verliert er mit der Distanz zur bayerischen Landesgrenze an Attraktivität?
Die Wurzeln der Biergartenkultur sind natürlich stark im bayerischen und im österreichischen Raum verankert, und diese Herkunft prägt auch ihre Atmosphäre. Was man nicht beliebig exportieren kann, ist Authentizität. Nur Bierbänke, Maßkrüge und blau-weiße Dekoration, das macht noch keine Biergartenkultur aus. Entscheidend ist, ob ein Ort gelebt wird und eine eigene Geschichte und Identität besitzt. Das kann grundsätzlich aber überall auf der Welt funktionieren.
Steckbrief
Stephan Gassner
Stephan Gassner ist seit 2018 Geschäftsführer der Gassner Gastronomie Betriebe, die neben den drei Biergarten-Lokalen Stiegl-Keller, Die Weiße und Klosterhof auch noch den Schlosswirt Anif, das Schlossrestaurant Hellbrunn, die Gastronomie im Salzburger Zoo sowie eine eigene Rinderfarm betreibt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 38/2026 erschienen.
