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Adi Bittermann: „Würstel gehören einfach dazu”

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Adi Bittermann©APA-Images / Herbert Lehmann

Grillen hat sich verändert, wanderte vom verbrannten Würstel in den Gourmetbereich. Sind wir da bereit dafür? Wir fragten Adi Bittermann, Grand Seigneur der heimischen Grill-Szene.

Wir erlebten in den vergangenen 20 Jahren einen regelrechten Hightech-Boom beim Grillen, hat sich das auch auf die Qualität österreichischer Grillabende ausgewirkt?

Bittermann: Auf jeden Fall! Aber nicht so sehr wegen der Technik, sondern weil sich die Leute mit dem Grill-Boom auf einmal wieder für die Qualität von Fleisch interessiert haben. Die wollen jetzt gereiftes Fleisch, Fettabdeckung, intramuskuläres Fett.

Das heißt, auch beim Grillen ist hochwertiges Fleisch ein entscheidender Faktor fürs Ergebnis oder ist das angesichts der Röstaromen eh wurscht?

Sogar bei den Würsteln und beim Kotelett zählt die Qualität und man wird mit guter Ware ein eklatant besseres Ergebnis erzielen. Ein erstklassiges Rindfleisch kannst’ auch auf dem Lagerfeuer zum perfekten Steak grillen, da braucht’s keinen 6.000-Euro-Griller. Oder ganz einfache Gemüsegerichte, sogar die depperte Zucchini kann toll werden – es geht nur ums Verständnis.

Gibt es Bereiche, die von Österreichs Grillerinnen und Grillern noch zu wenig beachtet werden? Wildbret? Ente? Tofu? Desserts?

Das ist ein Punkt, den ich immer wieder bemerke: Bei sehr teurem Rindfleisch oder Wildbret haben die Leute ein bisserl Angst, das dem Feuer anzuvertrauen. Aber generell steigt das Interesse und die Neugier auch für bisher kaum übliche Anwendungen von Feuer, sei es Brotbacken oder Dessertzubereitung. Aber für Würstel und Kotelett muss man sich gar nicht schämen, das gehört zum Grillen dazu, aber es spricht ja auch nichts dagegen, die Würste etwa selbst zu machen …

Eine gewisse Portion Hausverstand gehört zum Grillen zweifellos dazu

Adi Bittermann

In Zeiten von Waldbrandgefahr herrschen temporäre und lokale Grillverbote. Spüren Sie diese negativen Aspekte am bis dahin so positiv gesehenen Grillerlebnis? Fragen Kunden danach, ändert sich die Buchungslage bei Ihren Kursen?

Nein, das merken wir eigentlich nicht. Aber wir klären die Leute schon auch auf, dass es bei gutem, hochwertigem Holz mit hohem Heizwert nicht zu Funkenflug kommt, dass die Kontrolle des Feuers ein entscheidender Faktor ist. Eine gewisse Portion Hausverstand gehört zum Grillen zweifellos dazu.

Wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend beim Grillen?

Wir merken da stark einen Trend zum Feuergrillen, zu Feuerringen, aber auch zum guten, alten Asado nach argentinischer Tradition. Begeistern lassen sich die Leute aber nicht mit technischen Kinkerlitzchen, sondern mit gutem Geschmack, nicht umsonst sind Grillen, offenes Feuer und BBQ in der obersten Liga der Dreisterner angekommen. Und von denen kann man lernen: gute Vorbereitung, kein Stress, kontrollierte Abläufe, nicht zu viel Hitze und auch nicht zu viel Bier. Es muss nicht alles gleichzeitig fertig sein, es geht um die Inszenierung …

Steckbrief

Adi Bittermann

Adi Bittermann führte lange das kleine Restaurant Vikerl's Lokal in Wien-Fünfhaus, machte es zum Kult. Vor 20 Jahren eröffnete er sein Lokal in Göttlesbrunn, seit zwölf Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Grillen, dreimal wurde er Grill-Weltmeister.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 32/2026 erschienen.

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