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Psilocybin baut bei Mäusen Nervenverbindungen um, auch ohne typische Rauschreaktion

Der Wirkstoff aus Magic Mushrooms gilt als Hoffnungsträger gegen Depressionen. Ein Team aus Kalifornien hat nun bei Mäusen eine Gruppe von Nervenzellen gefunden, die den Umbau im Gehirn steuert, und dabei eine überraschende Trennung beobachtet.

Psilocybinhaltige Pilze der Art Psilocybe serbica im Waldboden
Foto:©Luca Pasquali, Wikimedia Commons
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Psilocybin verändert die Verschaltung im Gehirn von Mäusen über einen anderen Weg als seine halluzinogene Wirkung. Das berichten Forschende der University of California in Santa Cruz im Fachjournal Nature Neuroscience. Entscheidend sind demnach Serotonin-2A-Rezeptoren auf bestimmten Nervenzellen der Großhirnrinde, den Pyramidenzellen der fünften Schicht. Fehlten diese Rezeptoren nur dort, blieb der Umbau der Nervenverbindungen aus, die typische Rauschreaktion der Tiere trat aber trotzdem auf. Hatten die Mäuse den Rezeptor ausschließlich in diesen Zellen, bauten sich die Verbindungen um, ohne dass die Reaktion zu sehen war.

„Diese Ergebnisse stellen die vorherrschende Ansicht infrage, dass Psilocybin einfach die neuronale Vernetzung erhöht“, sagte Studienleiterin Yi Zuo laut Mitteilung der UC Santa Cruz. Die Arbeit wurde am 15. Oktober online veröffentlicht.

Was Psilocybin im Gehirn der Mäuse verändert

Das Team beobachtete einzelne Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, sogenannte dendritische Dornen, mit einem Zwei-Photonen-Mikroskop über mehrere Wochen im lebenden Tier. Innerhalb von 24 Stunden nach einer Gabe von Psilocybin bildeten sich deutlich mehr neue Kontaktstellen, und sie reiften schneller zu stabilen Verbindungen heran. Gleichzeitig wurden bestehende Verbindungen schneller abgebaut. Es handelt sich also eher um einen Umbau als um eine bloße Vermehrung.

Bei gesunden Mäusen normalisierte sich die Bildung neuer Kontaktstellen innerhalb von etwa drei Wochen. Bei Mäusen, die zuvor über längere Zeit unvorhersehbarem Stress ausgesetzt waren, fiel der Effekt stärker aus, und der durch Stress verursachte übermäßige Verlust an Verbindungen kam zum Stillstand. Das schildert die Universität in ihrer Mitteilung, die auch auf ScienceDaily erschienen ist.

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Psilocybinhaltige Pilze der Art Psilocybe serbica im Waldboden
 © Luca Pasquali, Wikimedia Commons

Warum die Trennung für neue Medikamente wichtig sein könnte

Als Maß für eine psychedelische Wirkung dient bei Mäusen eine kurze, typische Kopfzuckung. Dass Umbau und Kopfzuckung über unterschiedliche Zellen laufen, stützt eine Idee, die in der Forschung seit einiger Zeit diskutiert wird: Wirkstoffe, die die gewünschten Effekte auf die Nervenverbindungen auslösen, ohne einen Rausch zu erzeugen. Zuo spricht von möglichen nicht halluzinogenen Abwandlungen. Getestet wurde ein solcher Stoff in der Studie allerdings nicht.

Wichtig sind auch die Grenzen. Die Ergebnisse stammen ausschließlich aus Versuchen an Mäusen, ob der Mechanismus beim Menschen genauso funktioniert, ist offen. Die Kopfzuckung beweist zudem nicht, dass Tiere tatsächlich halluzinieren. Eine Behandlung gegen Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen leitet sich aus der Arbeit nicht direkt ab.

Wo Psilocybin in Europa bereits therapeutisch eingesetzt werden darf

In Europa bewegt sich die Regulierung langsam. In Tschechien erlaubt eine Gesetzesänderung seit 1. Jänner 2026 die Verabreichung von therapeutischem Psilocybin in spezialisierten Gesundheitseinrichtungen. Laut einer Stellungnahme des tschechischen Nationalen Instituts für psychische Gesundheit vom März waren damals Fragen der Finanzierung und Abrechnung aber noch offen.

In Deutschland startete 2025 ein erstes Härtefallprogramm für Erwachsene mit therapieresistenter Depression. Laut Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ist die Behandlung stationär und nur dann möglich, wenn zugelassene Medikamente und klinische Studien keine Option sind. „Ein Compassionate-Use-Programm kann keine Zulassung ersetzen“, sagte der Psychiater Gerhard Gründer.

Quellen

UC Santa Cruz: How psilocybin reshapes brain circuits (22. Oktober 2026)

ScienceDaily/University of California, Santa Cruz: Magic mushrooms rewire the brain in a way scientists didn't expect (6. November 2026)

Nationales Institut für psychische Gesundheit Tschechien (NUDZ): Offizielle Stellungnahme zur Verfügbarkeit der Psilocybin-Behandlung (23. März 2026)

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim: Mitteilung zum ersten Compassionate-Use-Programm für Psilocybin in Deutschland (31. Juli 2025)

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