Eine kleine US-Studie hat Kindern beim Betrachten von Essensbildern ins Gehirn geschaut. Wer viel hochverarbeitete Lebensmittel isst, zeigt dort eine besondere Reaktion, die mit späterer Gewichtszunahme zusammenhängt. Was die Forschenden gefunden haben und wo die Grenzen liegen.
Kinder, die einen größeren Teil ihrer Kalorien aus hochverarbeiteten Lebensmitteln beziehen, reagieren im Gehirn stärker auf Bilder von verlockendem Essen. Das zeigt eine Studie der Keck School of Medicine der University of Southern California in Los Angeles, die im Fachjournal JAMA Network Open erschienen ist. Betroffen ist ein bestimmter Bereich des Belohnungssystems, das dorsale Striatum.
Die stärkere Reaktion in diesem Hirnareal hing außerdem damit zusammen, wie sich das Gewicht der Kinder im folgenden Jahr entwickelte. Kinder mit einer ausgeprägteren Reaktion legten beim Body-Mass-Index und beim Körperfettanteil stärker zu. Die Studie ist allerdings klein und beobachtend, sie kann keine Ursache belegen.
Wie die Studie aufgebaut war
Untersucht wurden 46 Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren, die zu Beginn alle normalgewichtig waren. Sie sind Teil der Langzeitstudie BrainChild. Im Magnetresonanztomografen sahen die Kinder Bilder von appetitlichem Essen wie Keksen oder Pommes frites, während die Forschenden ihre Hirnaktivität maßen. Wie viel hochverarbeitete Lebensmittel die Kinder essen, wurde über mehrere Befragungen zum Essen der vergangenen 24 Stunden erhoben und nach dem gängigen NOVA-System eingeordnet.
Größe, Gewicht, Körperfett und Taillenumfang wurden zu Beginn und ein Jahr später gemessen. In den Berechnungen berücksichtigten die Forschenden Alter, Geschlecht, den Ausgangs-BMI und die insgesamt aufgenommenen Kalorien. Der Zusammenhang mit der Hirnreaktion zeigte sich also auch unabhängig davon, wie viel die Kinder insgesamt aßen.
Was die Forschenden gefunden haben
Ein höherer Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel ging mit einer stärkeren Reaktion im dorsalen Striatum einher, nicht aber im ventralen Striatum, einem anderen Teil des Belohnungssystems. Wer zu Beginn mehr hochverarbeitet aß, hatte ein Jahr später einen stärker gewachsenen Taillenumfang. Beim BMI und beim Körperfett zeigte sich zwar ebenfalls ein Zusammenhang mit der Ernährung, er war aber statistisch nicht eindeutig.
Rechneten die Forschenden die Hirnreaktion mit ein, wurde der Zusammenhang zwischen hochverarbeitetem Essen und BMI um 31 Prozent schwächer, beim Körperfett um 44 Prozent. Das deutet darauf hin, dass ein Teil des Effekts über das Belohnungssystem laufen könnte. Eine formale Analyse dieses Wirkwegs haben die Autorinnen und Autoren wegen der kleinen Stichprobe nicht durchgeführt.
Seniorautorin Kathleen Page erklärt in einer Mitteilung der Universität, warum gerade Kinder im Fokus stehen: „Die Gehirne von Kindern entwickeln sich noch, Gewohnheiten bilden sich noch, und Vorlieben beim Essen entstehen noch.“ In den USA machen hochverarbeitete Lebensmittel laut der Mitteilung rund 67 Prozent der Kalorien aus, die Kinder zu sich nehmen.
Wo die Grenzen der Studie liegen
Die Autorinnen und Autoren nennen selbst mehrere Einschränkungen. Mit 46 Kindern ist die Stichprobe klein, die Ergebnisse müssen in größeren Gruppen bestätigt werden. Weil es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist auch die umgekehrte Richtung denkbar: Kinder mit einem empfindlicheren Belohnungssystem könnten schlicht mehr hochverarbeitete Lebensmittel essen. Die Hirnaktivität wurde nur einmal gemessen, die Ernährung beruhte auf Selbstauskünften, und untersucht wurden nur normalgewichtige Kinder.
Als Nächstes plant das Team eine Interventionsstudie, in der hochverarbeitete Lebensmittel durch wenig verarbeitete ersetzt werden. Erst ein solcher Versuch könnte zeigen, ob sich die Reaktion im Gehirn dadurch verändert.
Wie viele Kinder in Österreich übergewichtig sind
Das Thema betrifft auch Österreich. Bei der letzten Erhebung im Rahmen der WHO-Initiative COSI waren laut dem Sozialministerium 34 Prozent der Buben und 26 Prozent der Mädchen in der dritten Schulstufe übergewichtig oder adipös, im Durchschnitt 30 Prozent. Gemessen wurde im Schuljahr 2022/23.
Europaweit ist laut dem COSI-Bericht der WHO Europa vom November 2025 ein Viertel der Kinder zwischen sieben und neun Jahren übergewichtig, rund elf Prozent sind adipös. Die österreichischen Werte liegen damit über diesem Schnitt, auch wenn die Altersgruppen nicht ganz deckungsgleich sind.
Quellen
JAMA Network Open: Ultraprocessed Food Intake, Striatal Response to Food Cues, and Adiposity Gain in Children (23. Oktober 2026)
Keck School of Medicine of USC: Children who eat more ultra-processed foods show stronger brain responses to appetizing foods (23. Oktober 2026)
Sozialministerium: Public Health Newsletter 4/2024, Childhood Obesity Surveillance Initiative (2024)
WHO Europa: Übergewicht und Adipositas bei Kindern geben in der Region weiter Anlass zur Sorge (4. November 2025)
