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Cybergrooming: Worauf achten, um Kinder zu schützen?

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Cybergrooming ist dennoch teils schwer zu erkennen
Es beginnt mit einer Nachricht. "Hey, cooles Profil!" oder: "Du spielst echt gut, wollen wir uns adden?" Der Chat wirkt harmlos, der Absender nett. Doch hinter manchen Accounts stecken Erwachsene, die gezielt das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen gewinnen wollen, um sie später zu sexuellen Handlungen zu drängen. Cybergrooming nennt sich das, und es passiert täglich: auf Instagram, Snapchat, TikTok und in Online-Spielen.

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Laut einer Jugendstudie von Saferinternet.at aus dem Vorjahr waren bereits 38 Prozent der Jugendlichen zumindest einmal mit Formen sexueller Belästigung im Internet konfrontiert. Sogar bei den 11- bis 14-Jährigen sind bereits mehr als ein Viertel (28 Prozent) von sexueller Belästigung im Internet betroffen. Bei der älteren Altersgruppe, den 15- bis 17-Jährigen, sind es bereits 51 Prozent. Viele Eltern ahnen davon nichts. Wie Täter vorgehen, welche Warnsignale es gibt und was Betroffene tun können.

Es geht um die Anbahnung sexueller Kontakte mit Minderjährigen über Onlinedienste. "Cybergrooming bedeutet das gezielte Ansprechen von Kindern im Internet, um sie danach in sexualisierte Gespräche zu verwickeln und für entsprechende Handlungen zu missbrauchen", erklärt Nadine Eikenbusch. Sie ist stellvertretende Abteilungsleiterin für Medienorientierung bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen.

Unter Cybergrooming fallen etwa sexuelle Gespräche, das Einfordern von Nacktbildern oder Videos, aber auch reale Treffen. Meist geschieht das über soziale Plattformen wie Instagram, Snapchat oder TikTok – zunehmend aber auch über digitale Spiele.

Cybergrooming ist eine Form des sexuellen Missbrauchs von Kindern und damit strafbar. Viele verbinden den Begriff erst mit konkreten Handlungen wie Bildern, Videos oder Treffen. Tatsächlich beginnt Cybergrooming deutlich früher, sagt Thomas-Gabriel Rüdiger, Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg: "Die Strafbarkeit erfasst bereits das reine onlinebasierte Einwirken auf ein Kind mit dem Ziel, dadurch eine Form des sexuellen Missbrauchs zu ermöglichen."

Schreibt der Täter etwa intensiver mit dem Kind – auch wenn das Kind gar nicht versteht, worum es geht, weil er hofft, dadurch Bilder vom Kind zu erhalten oder sich mit ihm zu treffen, kann das dem Experten zufolge bereits Cybergrooming darstellen.

Laut Rüdiger müssen die Inhalte auch gar nicht zwingend sexuell sein: Selbst scheinbar harmlose Nachrichten oder gemeinsames Spielen können Teil des strafbaren Einwirkungsprozesses sein.

Der EU-Initiative Klicksafe zufolge bauen Täter beim Cybergrooming darauf, die Unbedarftheit, die Vertrauensseligkeit und das mangelnde Risikobewusstsein von Kindern und Jugendlichen auszunutzen. Oft würden Täter versuchen, ein Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnis herzustellen, um ihre Opfer manipulieren und kontrollieren zu können.

Cybergrooming ist dennoch teils schwer zu erkennen, gerade weil Täter Kinder gezielt und auf unterschiedliche Weise manipulieren. Sie täuschen Alter und Interessen vor und bauen durch Komplimente und Aufmerksamkeit Vertrauen auf, so Nadine Eikenbusch.

"Aus meiner Erfahrung gibt es nichts, was Täter nicht machen", so Rüdiger. Sie geben sich als Modelagenten aus, sind in Gaming-Communitys aktiv oder schreiben massenhaft Kinder an. In der sogenannten "Taschengeld-Szene" würden sie Geld oder virtuelle Güter für Bilder und Videos bieten, so Thomas-Gabriel Rüdiger.

Oft entwickelt sich der Kontakt schrittweise hin zu sexualisierten Gesprächen und der Forderung nach intimen Bildern oder Videos, so Eikenbusch. Diese werden anschließend als Druckmittel eingesetzt, um den Missbrauch fortzusetzen oder sogar auszuweiten.

Täter drohen etwa, Inhalte an Eltern oder Freunde zu schicken oder online zu veröffentlichen. So entsteht ein massiver emotionaler Druck, der viele Betroffene dazu bringt, weitere Forderungen zu erfüllen, so Nadine Eikenbusch.

Sichere Warnsignale gibt es leider kaum. Eltern sollten laut Eikenbusch aber genau hinschauen: Wer schreibt da wirklich mit wem? Handelt es sich um Freunde aus der Schule oder fremde, ältere Personen? Verunsicherung, Rückzug oder die Weigerung, über bestimmte Kontakte zu sprechen, können Hinweise sein.

Das Problem: Verhalten wie Rückzug, ständige Handynutzung, Gereiztheit oder Leistungseinbrüche kann laut Thomas-Gabriel Rüdiger sowohl auf Cybergrooming hinweisen als auch typische pubertäre Veränderungen sein. "Dass ein Kind nicht will, dass man in sein Handy schaut, kann viele nachvollziehbare Gründe haben", sagt der Institutsleiter.

Für Eltern ist es daher schwer, zwischen normalem Verhalten und Gefahr zu unterscheiden. Meist wird Cybergrooming eher zufällig entdeckt – durch Freunde, die auf Kontakte aufmerksam machen. Oder etwa, wenn Eltern zufällig Chats am Handy sehen, so Rüdiger.

Wenn das Kind betroffen ist und sich den Eltern anvertraut, ist es laut Nadine Eikenbusch wichtig, verständnisvoll zu reagieren und das Thema behutsam zu begleiten, ohne Vorwürfe zu erheben: "Es darf auf keinen Fall die Schuld bei den Kindern gesehen werden. Schuldig an dem Missbrauch sind einzig die zumeist männlichen Täter, die dann so etwas machen."

Wichtig: Wenn freizügige Bilder verschickt wurden, niemals sofort und ohne Absprache mit der Polizei Screenshots anfertigen oder die Bilder weiterleiten, da es sich um kinderpornografisches Material handeln könnte. Den Täter keinesfalls kontaktieren, um ihn nicht zu warnen oder Beweise zu vernichten. Stattdessen direkt die Polizei informieren und das weitere Vorgehen abklären.

Thomas-Gabriel Rüdiger rät Eltern, Vorfälle unbedingt zu melden - am besten gemeinsam mit dem Kind. "Diese Täter haben teilweise dreistellige Opferzahlen, die polizeilichen Anzeigenquoten sind dagegen sehr niedrig", sagt er. Jede Anzeige könne wichtig sein, "denn die einzige Chance für Kinder, die an Täter geraten und sich niemandem anvertrauen, sind dann Ermittlungen durch die Polizei."

Eltern spielen laut Nadine Eikenbusch eine zentrale Rolle, gerade bei Kindern. Vertrauen von Anfang an aufzubauen ist entscheidend: Interesse zeigen, nachfragen, mit wem das Kind online kommuniziert, und erklären, dass nicht jeder im Internet die richtige Person ist, hilft, Kinder zu schützen.

Gleichzeitig sollten Eltern mit Kindern und Jugendlichen klare Regeln absprechen, sie für Warnsignale sensibilisieren und über Risiken der Online-Kommunikation aufklären. Dazu gehören Fragen wie:

"Eltern müssen selbst Ansprechpartner für die digitale Lebenswirklichkeit ihrer Kinder werden", sagt Thomas-Gabriel Rüdiger. Nur wer Spiele, soziale Medien und Apps kennt, kann authentisch über Risiken sprechen und als Ansprechpartner agieren. Kinder sollen jederzeit Unterstützung erfahren, ohne Angst, dass das Smartphone weggenommen oder das Spielen verboten wird.

Außerdem sollten Eltern ein digitales Vorbild sein: Der bewusste Umgang mit Bildern und Daten wirkt direkt auf Kinder. Besonders kritisch ist laut Rüdiger der Umgang mit Fotos, da diese online missbraucht werden können, etwa durch KI-Anwendungen für Deepfakes. Grundsätzlich gilt: Digitale Kriminalprävention beginnt bei den Erwachsenen. Nur wer selbst fit im Umgang mit dem digitalen Raum ist, kann Kinder wirksam schützen und vorbereiten.

ILLUSTRATION - Werden Kinder und Jugendliche im Netz gezielt für sexuelle Kontakte angeschrieben, spricht man von Cybergrooming. (zu dpa: «Cybergrooming: Worauf achten, um Kinder zu schützen?») Foto: Jan Woitas/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

ILLUSTRATION - Cybergrooming ist oft schwer zu erkennen: Täter manipulieren Kinder gezielt und auf unterschiedliche Weise. Sie täuschen Alter und Interessen vor und bauen durch Komplimente und Aufmerksamkeit Vertrauen auf. (zu dpa: «Cybergrooming: Worauf achten, um Kinder zu schützen?») Foto: Elisa Schu/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

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