Martin Kocher: Arbeits- und Wirtschaftsminister unter Türkis-Grün

Mit Martin Kocher übernahm ein parteiloser, ausgewiesener Wirtschaftsexperte die Nachfolge der davor zurückgetretenen Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Seit Mai 2022 und dem Rücktritt von Margarete Schramböck fungiert er auch als Wirtschaftsminister. Der gebürtige Salzburger leitete davor das Institut für Höhere Studien und war Präsident des Fiskalrates.

von Martin Kocher © Bild: APA/Pfarrhofer

Steckbrief Martin Kocher

  • Name: Martin Kocher
  • Geboren: 13. September 1973 in Salzburg
  • Position: Arbeitsminister, Wirtschaftsminister
  • Ausbildung: Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Innsbruck
  • Partei: parteilos
  • Familienstand: verheiratet, keine Kinder

Martin Kocher ist zwar kein ÖVP-Mitglied, die ÖVP bediente sich aber auch vor seinem Einsatz als Minister mehrfach seiner Expertise. Auch Regierungsklausuren trat er vor seiner Ernennung als Minister bereits auf. Seine Wurzeln hat Martin Kocher in Altenmarkt im salzburgischen Pongau.

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Martin Kocher, Arbeitstier

Martin Kocher kann wohl als Arbeitstier beschrieben werden. Vor seinem Einstieg in Österreichs Spitzenpolitik brachte er drei Jobs unter einen Hut. Neben der Leitung des IHS und des Fiskalrates, womit er quasi Wächter über Österreichs Staatsschulden war, lehrte der Verhaltensökonom auch an der Universität Wien. In seiner Forschung beschäftigte sich Kocher mit zahlreichen Themen aus dem Gebiet der experimentellen Verhaltensökonomie, die sich mit den psychologischen Grundlagen des ökonomischen Verhaltens befasst. Dazu hat er auch zahlreiche Bücher und Artikel verfasst. Er galt als einer der aktivsten Forscher auf dem Gebiet der experimentellen Wirtschaftsforschung in Deutschland. So veröffentlichte er beispielsweise Arbeiten zum Einfluss von Zeitdruck auf individuelle Entscheidungen oder die Entwicklung von Präferenzen bei Kindern und Heranwachsenden. Auf dem Gebiet der Sportökonomik zeigte Kocher beispielsweise mit seinem Koautor Matthias Sutter, dass Schiedsrichter häufig zugunsten der Heimmannschaft urteilen, wenn diese zurückliegt.

»Hermann Maier war in der Schule eine Klasse über mir, Michael Walchhofer zwei Klassen unter mir«

Martin Kocher: Begeisterter Sportler und Skifahrer

Der am 13. September 1973 in der Stadt Salzburg geborene Kocher hat seine Wurzeln in Altenmarkt im Pongau, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hat und wohin es ihn regelmäßig zurückzieht. Der begeisterte Sportler läuft nicht nur gern Marathon, es zieht ihn auch immer wieder auf die Berge, im Sommer zum Bergwandern, im Winter zum Skifahren. Als Sohn zweier Skilehrer stand er schon mit drei Jahren erstmals auf Skiern, später auch im örtlichen Skikader. Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass es für eine Karriere als Skifahrer nicht reichte, erzählte Kocher im Vorjahr den "Salzburger Nachrichten". Zudem gab es harte Konkurrenz, "Hermann Maier war in der Schule eine Klasse über mir, Michael Walchhofer zwei Klassen unter mir".

Vom Journalismus in die Wirtschaft

Nachdem er in der Schule eine vorwissenschaftliche Arbeit über Adam Smith geschrieben hatte, war sein Weg zur Ökonomie vorgezeichnet. Nach journalistischen Versuchen bei den "Pongauer Nachrichten" zog es Kocher nach Innsbruck zum Studium der Volkswirtschaftslehre. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der seit 2003 verheiratet ist.

Martin Kocher: Seine Karrierestationen

Seine Karriere führte Kocher über die Uni Innsbruck für zwei Jahre nach Amsterdam und 2010 ins englische Norwich an die University of East Anglia, bevor er dem Ruf der renommierten Ludwig-Maximilians-Universität in München folgte. Dort lehrte er als Professor für Verhaltensökonomik und experimentelle Wirtschaftsforschung, daneben war er Gastprofessor in Göteborg und an der University of Queensland im australischen Brisbane. 2016 ging Kocher ans IHS nach Wien. Seit 2017 unterrichtete er zudem an der Universität Wien, weil ihm die Verbindung zur Wissenschaft und die Betreuung von Doktoranden wichtig war.

Martin Kocher privat: Fernbeziehung ohne Kinder

Wegen der häufigen Ortswechsel, die die akademische Karriere mit sich brachte und seiner fixen Tätigkeit seit der Politik in Wien, leben Kocher und seine Frau, die nach dem Studium nach München ging, "eine sehr gut funktionierende Fernbeziehung, das ist aber kein Lebensmodell für eine Familie". Daher habe sich die Frage nach Kindern nicht gestellt.

Familien- und Heimatverbunden

In seiner spärlichen Freizeit frönt Kocher dem Laufsport. Und so oft es geht, zieht es ihn nach Hause, oft nur für ein Wochenende, aber immer wieder für ein paar Tage Urlaub im Winter zum Skifahren und Langlaufen, im Sommer zum Bergsteigen. In Altenmarkt trifft er nicht nur seine Eltern, sondern auch seine drei Jahre jüngere Schwester. Die klinische Psychologin und Psychotherapeutin lebt mit ihrer Familie in Eben.