Biohacking: Biologisch-technologische Optimierung von Körper und Geist

Biohacking ist eine Methode, bei der versucht wird, den eigenen Körper und Geist zu optimieren, um die Bestform eines Menschen erreichen zu können. Der Ansatz kommt aus dem Profisport, wird aber wegen eines oftmals nicht kalkulierbaren Risikos auch kritisiert. Die Bewegung ist inzwischen auch in Österreich angekommen.

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Biohacking © Bild: iStockphoto

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Biohacking?

Beim Biohacking wird versucht, den Körper auf eine gesunde und natürliche Art und Weise so kennenzulernen, dass er optimiert werden kann. Eine einheitliche Definition für den Begriff Biohacking gibt es nicht, da es keine vorgeschriebene Herangehensweise gibt. Biohacking kann als „do-it-yourself-Biologie“ verstanden werden, bei der sich Einzelne oder Gruppen durch Errungenschaften der Biologie und Umweltwissenschaften gesundheitlich bereichern. Dabei werden Erkenntnisse aus der Biologie über die Lehre des Humanoiden mit der Philosophie des Hackens verbunden. Hacker:innen können ein System erst dann verändern, wenn sie es verstanden haben. Diesen Gedanken macht sich das Biohacking zu nutzen.

Woher kommt Biohacking?

Biohacking kommt aus dem Profisport. Leistungssportler:innen versuchen stets ihre Leistung im Sport zu verbessern. Professionelle Sporttreibende werden seit je her von Ärzteteams begleitet und achten strikt auf die Ernährung und den Schlaf. Dieser Gedanke war der Ursprung des Biohackings.

Wozu ist es gut?

Bei dem Prozess des Biohacking wird der Lebensstil so geändert, dass die Anwender:innen ihre eigene Biologie so hacken, dass diese sich besser fühlen, leistungsfähiger sind, besser schlafen und länger leben. Durch diese Selbstoptimierung soll die Bestform eines Menschen erreicht werden können. Diese Bestform ist für viele, die das Biohacking praktizieren, der sogenannte Flowstate. Der Flowstate ist ein natürlicher Bewusstseinszustand, der wagemutig, euphorisch und leistungsstark macht. In diesem Zustand haben die Betroffenen weniger bis keine selbstkritischen Gedanken, was zu einer Stressreduktion führt. Verschiedene Studien der Neurowissenschaft und Biochemie haben nachgewiesen, dass zu viel Stress negative Folgen hat. So kann zu viel Stress Schlafstörungen, Bluthochdruck und im schlimmsten Fall Krebs verursachen. Beim Biohacking werden also Faktoren, die zu viel Stress führen, aktiv angegangen. Beim Biohacking wird die Ernährung verändert und verarbeitete Lebensmittel werden weggelassen, um dadurch weniger an Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien zu erkranken. Ein weiterer Vorteil dieser natürlichen Lebensweise ist ein verbesserter Schlaf und de facto eine verbesserte Leistung am Tag.

Wie funktioniert Biohacking?

Beim Biohacking gibt es zusammenfassend drei verschiedene Bereiche. Der erste Bereich ist der des Biohackings durch angepasste Ernährung und Routinen. Bei der Anpassung der Ernährung wird am Anfang eine Eliminierungsdiät gemacht. Hierbei werden kurzfristig keine Lebensmittel mehr verzehrt, die bekannte Allergien und Unverträglichkeiten auslösen können. Nach drei bis vier Wochen werden die weggelassenen Lebensmittel dann nach und nach wieder verzehrt, um herauszufinden, welches Lebensmittel problemfrei konsumiert werden kann. Viele Biohacker:innen versuchen zudem durch das Weglassen von zusätzlich beigefügtem Zucker ihre Gesundheit zu optimieren. Schließlich ist Zucker der Hauptauslöser von Typ-2-Diabetes und unterstützt entzündliche Prozesse im Körper. Honig und Fruchtzucker werden von vielen Biohackern jedoch weiterhin verzehrt.

Um zurück zur Normalisierung der Insulinsensitivität zu kommen, bevorzugen die Biohacker:innen das Intervallfasten, ein zeitlich begrenztes Essen, bei dem nur an einem bestimmten Zeitfenster innerhalb eines Tages gegessen werden darf.

Neben der Optimierung der Ernährung helfen auch Routinen den Biohackern dabei, ihre Körper zu optimieren. Hierzu zählen beispielsweise tägliche Mediation, Kältebäder oder Saunagänge. Auch eine feste Zeit, um ins Bett zu gehen, ist unter den Biohackern beliebt. Vermieden werden Routinen, bei denen die Anwender:innen lange sitzen. Der Fahrstuhl wird vermieden und immer öfter befinden sich in Büros Schreibtische, an denen auch im Stehen gearbeitet werden kann.

Ein weiterer Bereich des Biohackings ist das Thema Epigenetik. Hierbei wird mit der Hilfe von DNA-Tests die Abstammung definiert. Der mit Abstand am häufigsten kritisierte Bereich im Biohacking ist die CRISPR-Technologie (Clusters of Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Hierbei können einzelne DNA-Bausteine manipuliert und editiert werden.

Bei dem letzten Bereich im Biohacking werden Gadgets und modernste Technik sowie Implantate genutzt, um das Leben zu verbessern. Häufig kommt ein RFID-Chip zum Einsatz. Dieser dient dazu, berührungslos Objekte per Funk zu erkennen und eigene Bewegungen speichern und nachvollziehen zu können. In Europa haben bereits mehr als 50.000 Menschen Implantate oder Gadgets. Hierzu zählen zum Beispiel Neuro-Feedback-Geräte, Geräte zur Stimulation der Gehirnaktivitäten.

Ist es gesund?

Biohacking ist generell erst einmal ungefährlich, da aktuell nur Wenige Implantate oder sonstigen gravierenden Eingriffe realisieren. Erstmals wurde ein RFID-Chip im Jahr 1998 eingesetzt. Dieses diente dazu, in einem Raum das Licht ein- und auszuschalten. Wenn beispielsweise Implantate eingesetzt werden, um durch einen Unfall oder eine Krankheit verursachte Probleme zu verbessern, ist das ein großer medizinischer Fortschritt. Jedoch gibt es zu vielen Chips und Implantaten, die von Biohackern genutzt werden, noch keine Langzeitstudien, die beweisen, dass Biohacking gesund ist.

Biohacking und Selbstoptimierung

Heute werden die Vorteile des Biohackings und der Selbstoptimierung nicht nur von Profisportler:innen genutzt. Breit durch alle Gesellschaftsschichten verteilt, erfreut sich der Trend einer immer größeren Beliebtheit. In der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft ist das wenig verwunderlich. Bereits seit mehreren Jahren nutzen Menschen Smartwatches und andere Gadgets, um ihre Aktivitäten und Ihre Ernährungsgewohnheiten zu tracken. Diese technologischen Systeme tragen zur Gewinnung von Informationen bei, was bereits unter Biohacking verstanden werden kann.

Kritik an Biohacking

Häufig erntet Biohacking Kritik, da manche ihrem Körper einem nicht kalkulierbaren Risiko unterziehen. Beispielsweise üben Student:innen in den USA eine Methode aus, bei der sie Strom nutzen, um analytischen und mathematischen Fähigkeiten zu verbessern. Eine derart radikale Anwendung kann zu erheblichen Nachteilen führen. Robert Ranisch, Leiter der Forschungsstelle Ethik der Genom-Editierung am Universitätsklinikum Tübingen meint, dass die Anwender:innen, bei der Anwendung von CRISPR durch nicht medizinisch geschultes Personal ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Heftige allergische Reaktionen können die Folge einer solchen Behandlung sein.

Biohacking in Österreich

In Österreich gehen immer mehr Menschen dem Trend nach. Johannes Weiß ist zertifizierter Naturheiltherapeut und arbeitet an zwei Standorten in Österreich. Auf seiner Internetseite betreibt er einen Blog über Naturheilkunde und berichtet über seinen Werdegang. Die Firma Hammer Nutrition vertreibt in Österreich Nahrungsergänzungsmittel, die Biohacker:innen bei der Selbstoptimierung unterstützen. Auf der Website klären die Betreiber:innen der Website über eine gesunde Ernährung auf.

Biohacking für Einsteiger

Simpel und effektiv ist es, erst einmal alle verarbeiten Lebensmittel aus dem Kühlschrank und dem Vorratsschrank zu entsorgen. Anschließend sollte die Hydration eine wichtige Rolle spielen. Generell wird empfohlen, täglich drei Liter Wasser zu trinken. Ein weiterer simpler Tipp sind feste Schlafenszeiten und das Verbannen des Handys aus dem Schlafzimmer. Des Weiteren können Anfänger:innen anfangen zu meditieren, Yoga zu machen oder einer Sportart nachzugehen. Der Sport hilft, den eignen Körper besser zu spüren und sich selbst besser wahrzunehmen. Sollte sich eine gewisse gesunde Routine eingestellt haben, ist es ratsam den Körper durch eine geeignete Diät wie die gezogene Diät umzugewöhnen.