Mit 150 Millionen Euro Umsatz verzeichnete Kinderfahrradhersteller Woom 2025 das umsatzstärkste Jahr der Firmengeschichte. Aus einer Garagentüftelei entstand innerhalb weniger Jahre eines der bekanntesten österreichischen Start-ups.
Wer an einem österreichischen Spielplatz vorbeigeht, kommt an „Woom“ kaum vorbei: Überall flitzen zwei- bis zehnjährige Kinder auf den bunten Fahrrädern des Herstellers umher. Gut sichtbar prangt das Logo auf dem Rahmen – lesbar sogar, wenn es auf dem Kopf steht.
Ein bisschen ist die Marke schon was Gehobenes, für „Bobo-Eltern“, die sich die Räder auch leisten können. Das Woom Go 1 startet bei 249 Euro, für Kinder ab eineinhalb Jahren. Mountainbikes für 14-Jährige kommen dagegen schon auf 2.449 Euro.
Alles begann in der Garage
Günstig ist das nicht, doch Woom läuft wie geölt: 2025 verzeichnete das Unternehmen mit knapp 150 Millionen Euro sogar sein umsatzstärkstes Jahr bisher – und das, obwohl der postpandemische Hype längst vorüber ist. „Der Fahrradboom hat sich inzwischen wieder auf ein Niveau vor der Pandemie eingependelt, insgesamt sehen wir immer noch ein herausforderndes Marktumfeld für die Branche. Woom wächst dabei deutlich entgegen dem Markt“, erklärt Mitgründer Marcus Ihlenfeld.
Im DACH-Raum verzeichnete das Unternehmen 2025 eine Wachstumsrate von 21 Prozent, auch das internationale Geschäft entwickelte sich gut: In Nordeuropa wuchs die Brand um 101 Prozent, im Vereinten Königreich um 120.


Wie alles begann: Marcus Ihlenfeld und Christian Bezdeka starteten das Unternehmen aus der eigenen Garage.
© BeigestelltKennengelernt haben sich die beiden Gründer aber nicht über die zwei- sondern über die vierrädrige Branche, als Ihlenfeld noch Marketingchef bei Opel war. „Wir beide waren zu diesem Zeitpunkt gerade Jungväter und auf der Suche nach dem perfekten Kinderrad, das es damals am Markt nicht gab. Christian brachte als Industriedesigner die Produktidee und das Design ein, ich mein Marketing- und Sales-Know-how. Genau diese Kombination war von Anfang an entscheidend, weil das eine ohne das andere nicht funktioniert.“
Standort Wien
Gestartet haben Ihlenfeld und Bezdeka wortwörtlich in ihrer eigenen Garage. Innerhalb weniger Wochen standen sämtliche Eltern aus ihrem Umfeld Schlange, alle wollten ein Fahrrad. Auch heute wird in Wien entwickelt und designt.
Produziert wird in Asien, in Kambodscha, Vietnam und Bangladesch, aber auch zunehmend wieder innerhalb Europas. „Wir bauen unser Produktions- und Lieferantennetzwerk kontinuierlich weiter aus – zuletzt auch durch einen neuen Produktionspartner in Europa – mit dem klaren Ziel einer verlässlichen und nachhaltigen Lieferkette“, erklärt Ihlenfeld.
Unkonventionelle Wege
Ein Start-up aus Wien war 2013 noch beinahe ungewöhnlich – und ist es gewissermaßen heute noch. Für große Volumen an Venture Capital ist Wien schließlich weniger bekannt, auch der Binnenmarkt ist klein. Ihlenfeld: „Es war am Anfang sehr schwierig, da wir Woom bewusst ohne Fremdkapital aufbauen wollten.“ Die Investoren kamen erst 2019 dazu. „Die Finanzierung erfolgte in der frühen Phase über unser gesamtes Netzwerk, teils auch durch kleine Privatkredite von Unterstützern. Es war in der damals noch wenig international sichtbaren österreichischen Start-up-Szene eine Herausforderung, Kapital, Know-how und Reichweite aufzubauen.“
Doch die Bundeshauptstadt brachte andere Vorteile: Kaum ein anderer Hersteller erachtete damals Kinderfahrräder als ernstzunehmenden Markt. „Mein Sohn Luka hat mich auf die Idee gebracht. Als begeisterter Radfahrer war mir wichtig, dass er auf einem guten Fahrrad unterwegs ist. Aber genau das habe ich am Markt damals nicht gefunden“, erinnert sich Bezdeka. „Damals waren Kinderräder im Grunde nur verkleinerte Erwachsenenräder. Also habe ich kurzerhand selbst eins entworfen.“
Was Kinder wirklich von ihren Produkten halten, ist für die Gründer zentral. Mit dem Kids Advisory Board testen und beraten Kinder sogar die Produktentwickler, von der Produktentwicklung über Kampagnenideen bis hin zu Markenbotschaften.
Zahlen & Fakten
400.000 Fahrräder verkaufte das Unternehmen im Jahr 2025 und erzielte mit Rädern und Zubehör 150 Millionen Euro Gesamtumsatz.
Woom verkauft seine Produkte aktuell in 40 Ländern. Weltweit nutzen zwei Millionen Kinder Woom-Fahrräder.
Teamgeist als Erfolgsfaktor
Bezdeka und Ihlenfeld ergänzen einander wie Yin und Yang, sagen sie. Bezdeka, gelernter Biomedizintechniker, studierte an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Industrial Design, leitete eigene Designstudios und arbeitete für Opel und Simplon. Ihlenfeld, gebürtiger Deutscher, sammelte erste Erfahrungen bei seinem Wirtschaftsstudium in den USA, das ihm durch ein Sport-Stipendium ermöglicht wurde. Später wurde er Staubsaugervertreter in San Francisco, studierte dann nochmal in Hongkong.
Mit dem MBA in der Tasche heuerte er bei Opel an, wo er auf Bezdeka traf. „Marcus bringt die Business-, Marketing- und Sales-Expertise ein, ich stehe für Design und Innovation. Diese Kombination hat uns von Anfang an stark gemacht“, erklärt der Designer. Ein starkes Team-Setup sei ebenso wichtig wie ein exzellentes Produkt und ein konsequenter Fokus auf den Endkunden: „Gerade die Kombination aus komplementären Gründerpersönlichkeiten kann der entscheidende Erfolgsfaktor sein.“
Neue Projekte
So scheint es wenig überraschend, dass Woom nicht das letzte Projekt des Unternehmerduos ist. Ihlenfeld und Bezdeka haben sich 2022 aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen. „Hätten wir nicht immer Menschen an Bord geholt, die bestimmte Dinge besser können als wir, würden wir heute vermutlich noch in der Garage an Rädern schrauben“, so Ihlenfeld.
Jetzt konzentrieren sich die beiden auf das nächste Start-up-Projekt: Poptop, höhenverstellbare Kindermöbel. Aber auch ihr Unternehmerwissen wollen sie – in Form der Soundslikeaplan Academy – weitergeben. Bezdeka: „Die Gründung von Woom war sicher die riskanteste Entscheidung unseres Lebens, aber auch eine, die wir jederzeit wieder treffen würden. Gerade am Anfang sind wir viele leere Kilometer gegangen und haben auch Fehler gemacht. Es waren aber gerade die Rückschläge, die uns geprägt haben. Was wir definitiv nicht mehr machen würden: den Fokus verlieren. Das ist vielleicht die wichtigste Lektion aus unserer Gründer-Reise.“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 23/2026 erschienen.







