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Der Iran-Krieg habe gezeigt, dass Preise und Lieferketten innerhalb weniger Tage kippen können. "Wir müssen breiter einkaufen, wir müssen mehr selbst erzeugen", sagte Hattmannsdorfer und verwies etwa auf die heuer gestartete Gasförderung der OMV in Wittau. Auch der Anteil fossiler Energieträger soll reduziert und, wo es möglich ist, stattdessen verstärkt elektrifiziert werden. Am Runden Tisch nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Austrian Airlines (AUA), des Flughafen Wiens, der OMV, der Erdöl-Lagergesellschaft, des Fachverbands der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie, der Regulierungsbehörde E-Control, der für das Gasnetz zuständigen Austrian Gas Grid Management (AGGM) und Expertinnen und Experten aus dem Energieministerium und aus der Wissenschaft teil.
Zufrieden zeigte sich der Wirtschaftsminister mit den Füllständen der heimischen Gasspeicher: Diese sind derzeit zu 55,3 Prozent gefüllt, was 55,5 Terawattstunden (TWh) entspricht, zeigt auch die AGSI-Datenbank von Gas Infrastructure Europe (GIE). Bis zum Beginn der Wintersaison soll ein gesamter Jahresbedarf eingelagert sein, das wären etwa 75 bis 80 TWh. Der Iran-Krieg habe zwar global zu Versorgungsengpässen geführt, Österreich sei aber nicht direkt betroffen gewesen, weil kein Flüssiggas aus der Golfregion bezogen werde. "Die Gasversorgung in Österreich war zu jedem Zeitpunkt gesichert", sagte Hattmannsdorfer. Gas kommt hierzulande vor allem aus Norwegen, den USA und dem Vereinigten Königreich.
Beim Öl sei die Beschaffung in den letzten Monaten diversifiziert worden. Der hohe Importanteil aus Kasachstan von rund 55 Prozent sei auf 45 Prozent reduziert worden. Weniger werde auch aus Saudi-Arabien und dem Irak importiert, mehr dafür aus den USA und Guyana.
Bei Diesel importiert Österreich rund 69 Prozent, 71 Prozent davon kommen aus Deutschland. Seit den Höchstwerten Ende März seien die Preise für Benzin um 12 Prozent gesunken, bei Diesel um 22 Prozent und damit stärker als in vielen anderen EU-Ländern, so Hattmannsdorfer.
Auch bei Kerosin sei die Versorgungslage stabil. "Wer vorhat, im Sommer von Österreich wegzufliegen, hat die Garantie, dass er oder sie mit dem Flugzeug auch wieder zurückkommt", sagte der Wirtschaftsminister. Die Kerosin-Reserven für Sommer und Herbst seien bereits eingekauft. Die Eigenproduktion von Kerosin sei in Europa um 22 Prozent erhöht worden. Rund 95 Prozent des Kerosin-Bedarfs am Flughafen Wien werden von der OMV-Raffinerie in Schwechat gedeckt.
Bei Krisenmechanismen will Hattmannsdorfer nachschärfen: Unter anderem soll der Staat bei Öl und Treibstoffen in Zukunft früher Informationen zu den Lagerständen bekommen. Weiters sollen Betreiber künftig sofort melden müssen, wenn es bei wichtigen Energieanlagen zu Produktionseinschränkungen kommt. Der Minister verwies außerdem erneut auf die am Montag beschlossene Verlängerung der strategischen Gasreserve, die ebenfalls die Versorgung sicherstellen soll.
Die Preise, etwa beim Rohöl, seien mittlerweile wieder auf dem Vorkriegsniveau, sagte der WU-Ökonom Harald Oberhofer. Das sei "ökonomisch überraschend", weil die Straße von Hormuz noch nicht wieder voll ausgelastet sei und auch weil Förder- und Produktionsanlagen bei Angriffen beschädigt worden seien. Zu beobachten sei demnach, dass sich der Markt "relativ schnell anpassen und kompensieren kann". Laut Oberhofer dürfte das auch den Druck auf die Inflationsrate in den kommenden Monaten reduzieren, sofern sich die Situation stabil entwickelt.
