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Monika Unterholzner: „Wir müssen Antworten auf die Hitze liefern“

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Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, spricht im News.at-Interview über 10 Milliarden Euro Investitionen, U2/U5, Klimaneutralität, KI und ihre Vision für Wien.

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Monika Unterholzner ist seit 2024 die stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, also des Konzerns, der die Infrastruktur der Stadt Wien sicherstellt. Unterholzner kam von der Wirtschaftsagentur Wien über den Wiener Hafen, schließlich 2013 zu den Stadtwerken, wo sie zuerst Geschäftsführerin von Wipark und Wiener Lokalbahnen war.

In ihrem Büro, im 25. Stock eines Hochhauses im dritten Bezirk, sprechen wir über die Klimaziele, Mobilität, Digitalisierung und Ihre Vorstellung von einem idealen Wien in der Zukunft.

Die Wiener Stadtwerke sind bei der Wiener Klimastrategie der Smart Klima City maßgeblich beteiligt. Das Ziel ist es, bis 2040 klimaneutral zu werden. Wie läuft es da?

Uns ist bewusst, dass bis 2040 klimaneutral zu sein sehr ambitioniert ist. Wir als Stadtwerke werden in den kommenden Jahren sehr viel investieren, über 10 Milliarden Euro, damit uns das gelingt. Wir haben zwei große Handlungsstränge, einerseits die Mobilitätswende und andererseits die Energiewende. Bei der Mobilität geht es vordringlich um unser größtes Projekt, den Ausbau von U2/U5. Denn wir erwarten uns, dass zu den 900 Millionen Fahrgästen, die wir jährlich zählen, bis zu 300 Millionen dazukommen. Gleichzeitig bauen wir viele andere Angebote aus, Stichwort WienMobil für Räder und E-Autos. Das Klima verändert sich und damit auch die Bereitschaft der Bevölkerung vermehrt zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein.

Im Energiebereich ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur, aber auch die Transformation zu erneuerbaren Energiesystemen geplant. Wir haben die Windkraftfirma ImWind gekauft, um hier Alternativen zur derzeitigen Stromproduktion anzubieten. Bis 2040 können wir mit unseren Ausbauplänen entsprechend erneuerbaren Strom bereitstellen. Ziel von Wien Energie ist es, bis 2030 alle Wiener Haushalte mit Ökostrom zu versorgen.

Sehen Sie 2040 als realistisch, klimaneutral zu werden?

Mit den Angeboten, die wir haben, ist es durchaus möglich, da gut voranzukommen. Wir halten es für wichtig, einen Nordstern zu haben, auf den wir zuarbeiten. Wir müssen Antworten auf diese Fragen liefern, die sich jetzt beispielsweise auch durch die Hitze stellen. Gerade in solchen Phasen sieht man, dass die Menschen von den Akteuren in einer Stadt erwarten, dass sie Lösungen parat haben. Und da sehen wir uns in einer Verantwortung. Deshalb richten wir unsere Pläne derzeit auf das 2040-Ziel aus.

Diesen Sommer hat man ziemlich eindrücklich gemerkt, dass die Hitze zukünftig wahrscheinlich noch ein großes Thema wird. Welche Pläne gibt es, um die Hitze in der Stadt erträglicher zu machen?

Hitze ist ja schon seit einigen Jahren ein großes Thema. Der Sommer heuer war aber extrem. Deshalb arbeiten wir eng mit den Einrichtungen der Stadt Wien zusammen. Wir selbst haben etwa für den Verkehrsbereich ein Erneuerungsprogramm. Ich habe mir gestern die Gleisbaustelle der Wiener Lokalbahnen rund ums Schöpfwerk angeschaut. Dort werden derzeit Holzschwellen durch Betonschwellen ersetzt. Beim Materialeinsatz schauen wir generell darauf, welche Materialien sich gut eignen, hitzeresistent und gleichzeitig langfristig einsetzbar sind.

Stellte die Hitze schon ein Problem für die Wiener Linien dar?

Es ist weniger so, dass tatsächlich etwas wegschmilzt. Das größere Problem ist, dass es durch die schnelle Ausdehnung zu Materialbrüchen kommen kann oder zu Verwerfungen im Asphalt. Es sind also eher die Entwicklungen, die im Boden stattfinden und durch die Hitze ausgelöst werden. Das kann beispielsweise dazu führen, dass Gleise repariert werden müssen, weil sie brechen.

Die Großbaustelle U5/U2 verzögert sich ja wieder um Jahre nach hinten, seit  ich 11 bin wird gebaut und wenn die U-Bahn fertig ist, werde ich vielleicht gar nicht mehr in Wien wohnen. Was dauert da so lange?

Wir graben hier unter einer bestehenden Stadt. Einerseits dauert der gesamte Planungsprozess mit all den notwendigen Genehmigungen seine Zeit. Und dann geht es schließlich an die Umsetzung – und da sind wir ja schon. Wir haben vor Kurzem die Ankunft der Tunnelbohrmaschine am Augustinplatz gefeiert. Damit ist der Bohrvorgang und die Grabungsarbeiten für die U2 bis zum Matzleinsdorferplatz beendet. Jetzt geht es in den Innenausbau.

Dann gibt es aber auch so Dinge wie das Hochwasser vor zwei Jahren, da musste man die geologischen Gegebenheiten überprüfen, bevor man wieder weitergräbt. Manchmal stößt man beim Tunnelbau auch auf Dinge, die man dort nicht erwartet. Weil zum Beispiel jemand vor 500 Jahren einen Brunnen gebaut hat, der in keinem Stadtplan verzeichnet ist. Solche Überraschungen können bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung natürlich Zeit kosten. Aber das ist eben ein Jahrhundertprojekt und braucht deshalb seine Zeit.

Wann wird die U5 fahren?

Die U2 bis zum Matzleinsdorferplatz und die U5 bis Frankhplatz fahren ab 2030, das Gesamtprojekt wird Mitte der 2030er fertig sein.

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Monika Unterholzner

 © Wiener Stadtwerke, Jakob Schönfeldinger

Ganz anderes Thema: Sie sind auch für den Bereich Friedhöfe in Wien zuständig. Können Sie mir mehr über das Projekt des Digitalen Grabes erzählen, was kann man sich darunter vorstellen?

Die Bestattung und die Friedhöfe haben in den vergangenen Jahren sehr viel investiert, um den Zugang zu ihren Leistungen einfacher zu machen. Es geht darum, Menschen, die nicht unmittelbar die Zeit oder die Möglichkeit haben oder in Ausnahmesituationen vielleicht auch nicht wollen, einen digitalen Zugang zu Bestattung und Friedhöfen zu ermöglichen.

Man kann online einsteigen, eine Bestattung und auch einen Grabplatz konfigurieren und bekommt dann Feedback oder man hat die Möglichkeit ein Kundengespräch zu führen und sich darum zu kümmern, wie eine Bestattung ablaufen soll. Trotzdem gibt es  weiterhin das große Beratungszentrum gegenüber dem Zentralfriedhof, weil gerade in solchen Ausnahmesituationen ist der persönliche Kontakt sehr wichtig.

Bei einer KI-Anwendung sind wir zunächst noch vorsichtig, weil wir KI nur dann einsetzen, wenn wir ganz sicher wissen, dass die Qualität passt.

Monika Unterholzner

Die Digitalisierung ist prinzipiell ein großes Thema. Wo ist es sinnvoll KI einzusetzen?

Wir sind gerade sehr intensiv dabei zu schauen, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Dort, wo die Stadtwerke über Daten verfügen, die sich mithilfe von KI besser verarbeiten lassen, haben wir deshalb auch eigene Lösungen gebaut. Das machen mittlerweile viele Unternehmen, sie schaffen innerhalb des eigenen Unternehmens eine geschlossene KI-Welt. Bei den konkreten Use Cases für KI-Anwendungen schauen wir uns unter anderem den Kundenbereich an. Wir haben viele Kundinnen und Kunden mit Migrationshintergrund. Eine naheliegende Anwendung sind daher KI-gestützte Übersetzungstools, mit denen wir sprachliche Barrieren deutlich leichter überwinden können.

Ein zweiter Bereich sind große Datenmengen, die sehr schnell von einer Datenquelle in eine andere übertragen werden sollen. Dafür setzen wir zunächst vor allem Robotics ein. Bei einer KI-Anwendung sind wir zunächst noch vorsichtig, weil wir KI nur dann einsetzen, wenn wir ganz sicher wissen, dass die Qualität passt.

Ein dritter Bereich, den wir uns derzeit genauer anschauen, ist Legal und Compliance. Für die Stadtwerke gibt es unglaublich viele rechtliche Regelungen, die sich laufend verändern – auf europäischer ebenso wie auf nationaler Ebene, etwa das Eisenbahngesetz oder an die ganzen Vorgaben im Energiebereich. Eine gut funktionierende KI-Lösung kann hier eine enorme Unterstützung sein.

Gibt es aber auch Bereiche, wo Sie KI raushalten wollen?

Wir setzen KI derzeit vor allem dort ein, wo wir mit nicht sensiblen Daten arbeiten. Was wir nicht machen, ist KI selbstständig unsere Daten weiterentwickeln oder verarbeiten zu lassen. Dafür ist es aus unserer Sicht noch zu früh. Da muss man dann in ein paar Jahren wieder darüber sprechen, wenn man sagt: Die KI-Tools sind sicher und funktionieren zuverlässig. Aber bei technischer Infrastruktur ist uns das derzeit noch zu riskant.

Wien ist eine sehr lebenswerte Stadt, und wurde zum Beispiel vom Economist dreimal in Folge als lebenswerteste Stadt der Welt gerankt. Jetzt hat uns Kopenhagen zum zweiten Mal überholt. Wie schmerzhaft war es diese Auszeichnung zu verlieren und ist es das Ziel wieder Spitzenreiter zu werden, oder interessieren Sie sich nicht für solche Rankings?

Wir freuen uns natürlich immer, wenn Wien bei solchen Rankings ganz vorne liegt. Viele Jahre war das auch eines unserer großen Highlights. Wir teilen uns die Spitze aber natürlich gerne mit Kopenhagen und waren heuer selbst dort, um uns anzuschauen, woran es liegen könnte, dass Kopenhagen diesmal vorne liegt. Ganz genau lässt sich aus unserer Sicht ohnehin nicht festmachen, warum eine Stadt in einem Jahr vor einer anderen liegt. Aber wir geben uns natürlich nicht geschlagen und schauen weiterhin, dass wir unser Bestes geben, damit wir in diesen Rankings wieder vorne liegen.

Das heißt das ist auf jeden Fall eine Motivation?

Es ist natürlich eine Motivation. Gerade im Austausch mit Kopenhagen lassen wir uns immer wieder inspirieren – und umgekehrt kommen sie auch zu uns. Ich habe gehört, dass sie heuer bei uns waren, unter anderem wegen des Themas sozialer Wohnbau. Gerade die Ergebnisse des Rankings zeigen ja, dass auch Kopenhagen beim Thema Wohnkosten vor Herausforderungen steht. Und da ist Wien aus meiner Sicht ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man mit sozialem Wohnbau und leistbarem Wohnen in einer wachsenden Metropole umgehen kann. Ohne den sozialen Wohnbau wären die Grundstücks- und Wohnungspreise längst in einer Dimension wie wir sie heute etwa aus München oder London kennen.

Wie stellen Sie sich das ideale Wien in der Zukunft vor?

Unsere Vorstellung von einem idealen Wien ist eine Stadt, in der wir eine nachhaltige und CO₂-freie Energieversorgung bereitstellen können – und genauso eine CO₂-freie und nachhaltige Wärmeversorgung. Gleichzeitig sollte der öffentliche Verkehr gemeinsam mit dem Fuß- und Radverkehr die beliebteste Form der Mobilität sein. Wir wollen aber auch die Logistik CO₂-frei gestalten. Das bedeutet, dass der Liefer- und Wirtschaftsverkehr sich dazu committet, sich in Wien CO₂-frei zu bewegen.

Das ist letztlich unsere Vorstellung: Wir wollen mit unserer Haltung vorangehen und Verantwortung dafür übernehmen, gemeinsam mit den anderen Einrichtungen der Stadt, wie Wien in Zukunft gestaltet und gemanagt wird – und wie lebenswert diese Stadt bleibt.

Steckbrief

Monika Unterholzner

Monika Unterholzner ist seit 1. Jänner 2024 stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke und verantwortet die Bereiche Mobilität, Bestattung, Friedhöfe, IT und Innovation. Die versierte Managerin mit Schwerpunkt Mobilität und Logistik leitete erfolgreich mehrere Konzernunternehmen.

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